Penicillamin
Penicillamin ist ein Chelatbildner und Immunsuppressivum, das primär zur Behandlung von Morbus Wilson, rheumatoider Arthritis, bestimmten Schwermetallvergiftungen und Cystinurie eingesetzt wird. Durch die Bildung wasserlöslicher Komplexe mit Metallionen ermöglicht es die Ausscheidung toxischer Metalle und moduliert immunologische Prozesse.
Penicillamin: Übersicht

Anwendung
Die Anwendungsgebiete von Penicillamin umfassen:
- Morbus Wilson - eine seltene genetische Störung, die zu einer Kupferansammlung im Körper führt.
- Chronische Polyarthritis (Rheumatoide Arthritis)
- Vergiftungen mit Schwermetallen wie Blei, Quecksilber, Kupfer und Zink
- Cystinurie mit nachgewiesener Cystinsteinbildung
- Sklerodermie
Anwendungsart
Penicillamin soll nüchtern oder eine Stunde vor bzw, zwei bis drei Stunden nach dem Essen mit ausreichend Flüssigkeit oral angewendet werden.
Wirkmechanismus
Penicillamin ist ein Chelatbildner, der vor allem in der Behandlung von Kupfervergiftung, wie sie bei Morbus Wilson auftritt, sowie bei rheumatoider Arthritis und bestimmten Formen von Schwermetallvergiftungen eingesetzt wird. Der Wirkmechanismus von Penicillamin beruht hauptsächlich auf seiner Fähigkeit, mit Metallionen stabile Komplexe zu bilden. Diese Chelatkomplexe sind wasserlöslich, was ihre Ausscheidung aus dem Körper über die Nieren erleichtert.
Bei der langfristigen Behandlung von rheumatoider Arthritis kann Penicillamin den Verlauf der Krankheit beeinflussen und sogar zu einer Remission führen, obwohl der genaue Mechanismus dahinter nicht vollständig verstanden ist. Es gibt Hinweise darauf, dass Penicillamin möglicherweise durch eine Unterdrückung des Immunsystems wirkt, indem es die Anzahl der T-Lymphozyten im entzündeten Gelenkgewebe reduziert. Interessanterweise zeigen Tierexperimente in Entzündungsmodellen keinen direkten entzündungshemmenden Effekt, was darauf hindeutet, dass die Wirkung von Penicillamin bei rheumatoider Arthritis auf anderen Wegen erfolgt.
Pharmakokinetik
- Resorption: Nach oraler Gabe 40-50%.
- Maximale Blutspiegel: 1-2 Stunden nach Einnahme.
- Plasmaform: Hauptsächlich als Disulfid oder gemischtes Disulfid mit Cystein.
- Ausscheidung: Fast ausschließlich renal als Penicillamin-Disulfid, Cystein-Penicillamin-Disulfid und in geringen Teilen als S-Methyl-Penicillamin.
Dosierung
Erwachsene
Rheumatoide Arthritis
- 1.-2. Woche: 150 mg/Tag
- 3.-4. Woche: 300 mg/Tag
- 5.-6. Woche: 450 mg/Tag
- 7.-16. Woche: 600 mg/Tag
- Nach 16. Woche: Erhöhung um 150 mg alle zwei Wochen bis max. 900 mg, evtl. kurzfristig 1.200 mg
- Erhaltungsdosis: 300-600 mg/Tag
Morbus Wilson
- 10-20 mg/kg Körpergewicht/Tag
Schwermetallvergiftungen
- Anfangsdosis: 4-mal täglich 300 mg
- Langzeitdosis: max. 40 mg/kg Körpergewicht/Tag
Cystinurie:
- 4-mal täglich 225-525 mg, abhängig von der Cystinausscheidung
Kinder und Jugendliche
Juvenile chronische Polyarthritis
- Initial: 3-5 mg/kg Körpergewicht/Tag
- Steigerung alle 2-4 Wochen um 5 mg/kg bis max. 10 mg, maximal 15-20 mg/kg Körpergewicht
- Erhaltungsdosis: 5-10 mg/kg Körpergewicht/Tag
- Nicht geeignet für Kinder unter 30 kg bei dieser Indikation
Morbus Wilson
- 10-20 mg/kg Körpergewicht/Tag
Schwermetallvergiftungen
- Bis zu 100 mg/kg Körpergewicht/Tag, max. Tagesdosis 1.050 mg
Cystinurie:
- 4-mal täglich 225-525 mg, abhängig von der Cystinausscheidung
Nebenwirkungen
Zu den häufigen Nebenwirkungen von Penicillamin gehören schwere allergische Hautreaktion und Geschmacksstörungen, Schleimhautulzerationen an Zunge und im Wangenbereich sowie Magen-Darm-Beschwerden mit Übelkeit, Erbrechen oder Durchfall. Fieber, Sehstörungen und nicht erklärbare Blutungen oder blaue Flecken sind seltene Nebenwirkungen von Penicillamin, die unbedingt ärztlich untersucht werden müssen.
Kontraindikationen
Penicillamin darf nicht angewendet werden bei:
- Überempfindlichkeit gegen den Wirkstoff
- Penicillinallergie
- Nierenschädigungen
- Knochenmarkschäden
- systemischem Lupus erythematodes (SLE) bzw. Nachweis von Zellkern-Antikörpern in höheren Titerstufen
- Leberparenchymschäden
- gleichzeitiger Gold- oder Chloroquin-Therapie
Wirkstoff-Informationen
Fachinformation Metalcaptase










