Pergolid

Pergolid ist ein Dopaminagonist aus der Gruppe der Mutterkornalkaloid-Derivate. Pharmakologisch wirkt es agonistisch an Dopamin-D2- und D1-Rezeptoren. In der Humanmedizin wurde es früher zur Behandlung des idiopathischen Parkinson-Syndroms eingesetzt. Aufgrund des Risikos fibrotischer Veränderungen insbesondere der Herzklappen wurde die Zulassung für die Humananwendung in Deutschland aufgehoben. Pergolid ist in Deutschland derzeit ausschließlich als Tierarzneimittel für Pferde zugelassen.

Pergolid

Anwendung

Wichtiger Hinweis:

Pergolid ist in Deutschland derzeit nicht für die Anwendung am Menschen zugelassen. Eine Verwendung beim Menschen ist aufgrund des Risikos fibrotischer Herzklappenerkrankungen nicht mehr erlaubt.

Aktuell ist Pergolid nur als Tierarzneimittel verfügbar und wird eingesetzt zur:

  • Symptomatischen Behandlung klinischer Symptome der pars-intermedia-Dysfunktion (PPID, equines Cushing-Syndrom) bei Pferden.

Anwendungsart

Pergolid wird beim Pferd oral in Tablettenform verabreicht. Die Tabletten können direkt eingegeben, in Wasser aufgelöst oder mit Melasse vermischt werden.

Wirkmechanismus

Pergolid ist ein Mutterkornalkaloid-Derivat und ein potenter Dopaminagonist:

  • Bindung an postsynaptische D2- und D1-Rezeptoren im zentralen Nervensystem.
  • Hemmung der Prolaktinsekretion durch dopaminerge Wirkung im Hypophysenvorderlappen.
  • Bei Pferden: Reduktion der ACTH-Überproduktion aus der Pars intermedia der Hypophyse, was die Symptome der PPID (Hirsutismus, Polyurie, Polydipsie etc.) mildert.

Pharmakokinetik

Resorption

  • Nach oraler Gabe beim Pferd gute Bioverfügbarkeit.
  • Humane pharmakokinetische Daten früherer Anwendungen zeigten ebenfalls gute orale Resorption.

Verteilung

  • Hohe Lipophilie und Proteinbindung.
  • Verteilung in ZNS-Gewebe.

Metabolisierung

  • Umfangreiche hepatische Metabolisierung über Cytochrom-P450-Enzyme.
  • Bildung inaktiver Metaboliten.

Elimination

  • Ausscheidung überwiegend über die Nieren als Metaboliten.
  • Halbwertszeit beim Pferd nicht standardisiert angegeben; beim Menschen früher ca. 27 Stunden.

Besondere Hinweise

  • Keine aktuellen Humanarzneimitteldaten verfügbar, da die Zulassung erloschen ist.

Dosierung

Hinweis: Keine zugelassene Dosierung für Menschen in Deutschland.

Für Pferde gilt:

Die Dosierung richtet sich nach Körpergewicht, klinischem Ansprechen und individuellen Faktoren:

  • Anfangsdosis: ca. 2 µg/kg Körpergewicht einmal täglich.
  • Dosierungsbereich in Studien: 0,6–10 µg/kg täglich.
  • Individuelle Titration erforderlich.
  • Tablettenstärken veterinärmedizinisch: 1 mg Pergolid (als Mesilat).
  • Lebenslange Therapie erforderlich bei PPID.

Nebenwirkungen

Beim Pferd beobachtet:

  • Inappetenz, Anorexie
  • Lethargie, depressive Verstimmung, milde Ataxie
  • Schwitzen
  • Diarrhö, Koliken

Beim Menschen (historisch bekannt, aber nicht mehr zugelassen):

  • Übelkeit, Erbrechen
  • Halluzinationen, Verwirrtheit
  • Dyskinesien
  • Orthostatische Hypotonie
  • Fibrotische Veränderungen von Herzklappen und anderen serösen Häuten (z. B. Pleura, Peritoneum, Perikard)

Wechselwirkungen

Folgende Wechselwirkungen sind bei der Anwendung von Pergolid zu beachten:

Kontraindikationen

Pergolid darf nicht angewendet werden bei:

  • Pferden mit bekannter Überempfindlichkeit gegen Pergolidmesilat oder andere Mutterkornalkaloid-Derivate.
  • Pferden unter 2 Jahren.
  • Für die Humanmedizin keine zugelassene Anwendung; daher keine Humanindikationen zugelassen.

Schwangerschaft

Beim Pferd: Nur nach Nutzen-Risiko-Abwägung durch den Tierarzt anwenden.

  • Unbedenklichkeit in der Trächtigkeit nicht belegt.
  • Tierstudien zeigen keine Teratogenität, aber reduzierte Fertilität bei hohen Dosen.

Beim Menschen: Keine aktuelle Zulassung. Früher wurde in Schwangerschaft und Stillzeit wegen dopaminerger Effekte (Prolaktinhemmung) abgeraten.

Stillzeit

Beim Pferd: Anwendung nicht empfohlen, da Unbedenklichkeit nicht belegt ist.

  • In Tierstudien reduzierte Laktation und Überlebensraten der Nachkommen bei Mäusen.

Beim Menschen: Anwendung obsolet. Früher kontraindiziert wegen Prolaktinhemmung und möglicher Auswirkungen auf die Laktation.

Verkehrstüchtigkeit

Für die Tiermedizin nicht relevant.

  • Beim Menschen (früher): Schläfrigkeit, orthostatische Hypotonie und Halluzinationen konnten auftreten und die Fahrtüchtigkeit beeinträchtigen.

Anwendungshinweise

Folgende Warnhinweise und Vorsichtsmaßnahmen sind bei der Anwendung von Pergolid zu beachten:

  • Veterinärmedizinisch: Vor Beginn Diagnose einer PPID sichern (z. B. ACTH-Test, Dexmethason-Suppressionstest).
  • Regelmäßige endokrinologische Kontrollen zur Dosisanpassung erforderlich.
  • Ältere Pferde haben oft Komorbiditäten, die die Therapie beeinflussen können.
  • Bei Unverträglichkeit Dosisreduktion oder kurzzeitiges Absetzen empfohlen.
  • Für Menschen: Keine zugelassene Anwendung mehr aufgrund von Sicherheitsrisiken (v. a. fibrotische Herzklappenerkrankungen).

Alternativen

Als mögliche Alternativen zu Pergolid kommen folgende Wirkstoffe infrage:

  • Für Pferde: Keine spezifische zugelassene Alternative, Pergolid ist Standardtherapie bei PPID.
  • Für Menschen (früher, heute nicht mehr zugelassen): Andere Dopaminagonisten wie Pramipexol, Ropinirol, Rotigotin oder Cabergolin (alle mit eigenem Risikoprofil).

Wirkstoff-Informationen

Molare Masse:
314.49 g·mol-1
Kindstoff(e):
Autor:
Stand:
22.10.2025
Quelle:

Fachinformation Prascend® 1 mg Tabletten für Pferde, Stand 07/2017.

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