Pilocarpin

Pilocarpin ist ein direkt wirkendes Parasympathomimetikum, das hauptsächlich zur Behandlung von Glaukom eingesetzt wird. Es senkt den Augeninnendruck durch Kontraktion der Ziliarmuskulatur und Verbesserung des trabekulären Abflusses des Kammerwassers.

Pilocarpin

Anwendung

Pilocarpin besitzt folgende Anwendungsgebiete:

  • Glaukom: Pilocarpin wird zur Senkung des erhöhten intraokularen Drucks bei verschiedenen Formen des Glaukoms eingesetzt, einschließlich Offenwinkelglaukom und Winkelblockglaukom.
  • Induzierte Miosis: Pilocarpin wird während chirurgischer Eingriffe am Auge verwendet, um eine Verengung der Pupille (Miosis) zu induzieren, beispielsweise während Kataraktoperationen.
  • Xerostomie (Mundtrockenheit): Pilocarpin wird zur Stimulierung der Speichelproduktion bei Patienten mit Mundtrockenheit verwendet, die häufig als Folge von Strahlentherapie bei Kopf- und Halskrebs oder als Symptom des Sjögren-Syndroms auftritt.

Wirkmechanismus

Pilocarpin ist ein Cholinergikum, das als Muskarinrezeptor-Agonist wirkt. Es bindet selektiv an muskarinische Acetylcholinrezeptoren im Auge und anderen Geweben. Im Auge führt Pilocarpin durch die Stimulation muskarinischer Rezeptoren zu einer Kontraktion der Ziliarmuskulatur und der Pupillenmuskulatur (Miosis), was den Schlemm-Kanal öffnet und den trabekulären und uveoskleralen Abfluss des Kammerwassers verbessert. Dies resultiert in einer Senkung des intraokularen Drucks, was es zu einer effektiven Behandlung für Glaukom macht. Zudem stimuliert Pilocarpin die Speichel- und Tränendrüsen, was es nützlich für die Behandlung von Mundtrockenheit, insbesondere bei Sjögren-Syndrom, macht.

Nebenwirkungen

Bei der äußerlichen Anwendung bleiben die Nebenwirkungen von Pilocarpin meist auf vorübergehende lokale Reizungen beschränkt. Es kann aber auch zu Kopfschmerzen oder Bindehautreizungen kommen.

Kontraindikationen

Pilocarpin darf nicht angewendet werden bei:

  • Erkrankungen, bei denen eine Pupillenverengung kontraindiziert ist, z. B. Iritis acuta, Pupillarblockglaukom, akuter Uveitis, Uveitis anterior, Iridozyklitis und einigen Formen des sekundären Glaukoms
  • Überempfindlichkeit gegen den Wirkstoff

Verkehrstüchtigkeit

Durch die pupillenverengende Wirkung kann Pilocarpin die Sehleistung vorübergehend herabsetzen. Damit ist die Fähigkeit zur Teilnahme am Straßenverkehr oder zum Führen von Maschinen nach der Anwendung möglicherweise eingeschränkt.

Alternativen

Behandlungsalternativen zu Pilocarpin hängen von der spezifischen Indikation ab. Einige Alternativen für die häufigsten Anwendungen umfassen:

Für Glaukom

  • Beta-Blocker (topisch): Medikamente wie Timolol oder Betaxolol, die den Augeninnendruck durch Verringerung der Kammerwasserproduktion senken.
  • Prostaglandin-Analoga: Latanoprost, Bimatoprost, Travoprost, die den uveoskleralen Abfluss des Kammerwassers erhöhen.
  • Alpha-Agonisten: Brimonidin und Apraclonidin, die die Kammerwasserproduktion reduzieren und den Abfluss erhöhen.
  • Carboanhydrase-nhibitoren (topisch oder systemisch): Dorzolamid, Brinzolamid (topisch) oder Acetazolamid (systemisch), die die Produktion von Kammerwasser verringern.

Chirurgische Verfahren

  • Lasertrabekuloplastik, Trabekulektomie, oder Mikroinvasive Glaukomchirurgie (MIGS), wenn medikamentöse Therapien nicht ausreichend wirksam sind.

Für induzierte Miosis

Für Xerostomie

  • Speichelersatzmittel: Künstlicher Speichel oder speichelstimulierende Produkte.
  • Andere Cholinergika: Cevimelin, ein weiteres Medikament, das die Speichelproduktion stimuliert.
  • Feuchtigkeitsspendende Mundspülungen und Gele: Zur Linderung der Trockenheitssymptome.

Wirkstoff-Informationen

Molare Masse:
208.26 g·mol-1
Autor:
Stand:
22.12.2023
Quelle:

Fachinformation Pilomann

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