Piribedil

Piribedil ist ein dopaminerger Agonist aus der Gruppe der Anti-Parkinson-Mittel. Es bindet an Dopamin-D2- und D3-Rezeptoren sowie antagonistisch an zentrale alpha-2-Adrenozeptoren. Aufgrund dieser dualen Wirkung eignet es sich zur symptomatischen Behandlung der Parkinson-Krankheit, sowohl als Monotherapie als auch in Kombination mit Levodopa.

Piribedil

Anwendung

Piribedil wird eingesetzt zur:

  • Monotherapie der idiopathischen Parkinson-Krankheit
  • Kombinationstherapie mit Levodopa ab Therapiebeginn oder sekundär

Anwendungsart

Piribedil wird oral in Form von Retardtabletten eingenommen. Die Einnahme erfolgt unzerkaut nach den Mahlzeiten mit einem halben Glas Wasser. Eine Teilung der Tabletten ist nicht zulässig.

Wirkmechanismus

Piribedil wirkt als Agonist an Dopamin-D2- und D3-Rezeptoren im zentralen Nervensystem und antagonisiert zusätzlich die α2A- und α2C-Adrenozeptoren. Diese duale Wirkweise führt zu einer dopaminergen Stimulation sowie einer erhöhten noradrenergen Neurotransmission, was synergistisch zur Verbesserung der motorischen Parkinson-Symptome beiträgt. In Tiermodellen zeigte Piribedil eine geringere Dyskinesierate im Vergleich zu Levodopa bei vergleichbarer antikinetischer Wirksamkeit.

Pharmakokinetik

Resorption

  • Rasche und nahezu vollständige Absorption im Gastrointestinaltrakt
  • Maximale Plasmakonzentration 3–6 Stunden nach Einnahme

Verteilung

  • Moderate Plasmaproteinbindung (ungebundene Fraktion: 0,2–0,3)
  • Geringes Risiko für Interaktionen aufgrund Proteinbindung

Metabolisierung

  • Extensive hepatische Metabolisierung

Elimination

  • Biphasische Plasmaelimination mit einer mittleren Halbwertszeit von ca. 12 Stunden
  • 75% der resorbierten Substanz werden renal, überwiegend als Metaboliten, ausgeschieden

Besondere Hinweise

  • Gleichmäßige Plasmaspiegel unter Steady-State-Bedingungen durch Retardformulierung

Dosierung

Die Dosierung von Piribedil richtet sich nach Art der Anwendung (Monotherapie oder Kombination) sowie individuellen Patientenfaktoren:

  • Initial: einschleichend mit 50 mg alle zwei Wochen erhöhen
  • Erhaltungsdosis: 150–250 mg täglich (3–5 Retardtabletten), verteilt auf drei Einzelgaben
  • Eine schrittweise Reduktion ist erforderlich beim Absetzen zur Vermeidung eines malignen neuroleptischen Syndroms

Nebenwirkungen

Häufige Nebenwirkungen (≥1/100 bis <1/10) umfassen:

  • Magen-Darm-Beschwerden: Übelkeit, Erbrechen, Blähungen
  • Psychiatrisch: Zerstreutheit, Erregung, Halluzinationen
  • ZNS: Schwindel
  • Herz-Kreislauf: Orthostatische Hypotonie
  • Allgemein: periphere Ödeme
  • Sehr selten: plötzliche Schlafanfälle, übermäßige Tagesschläfrigkeit
  • Impulskontrollstörungen: z. B. pathologisches Spielen, Hypersexualität, Zwangskäufe

Wechselwirkungen

Folgende Wechselwirkungen sind bei der Anwendung von Piribedil zu beachten:

  • Neuroleptika (außer Clozapin): Kombination kontraindiziert wegen antagonistischen Effekten
  • Tetrabenazin: nicht empfohlen wegen antagonistischem Wirkprofil
  • Sedativa: verstärkte sedierende Effekte möglich
  • Alkohol: gleichzeitige Einnahme wird nicht empfohlen

Kontraindikationen

Piribedil darf nicht angewendet werden bei:

  • Überempfindlichkeit gegenüber Piribedil, Ponceau 4R oder sonstigen Bestandteilen
  • kardiovaskulärem Schock
  • akuter Phase eines Herzinfarkts
  • gleichzeitiger Anwendung mit Neuroleptika (außer Clozapin)

Schwangerschaft

Piribedil wird während der Schwangerschaft nicht empfohlen, da keine ausreichenden Daten zur Anwendung beim Menschen vorliegen. Eine Anwendung sollte nur erfolgen, wenn keine alternativen Therapieoptionen bestehen und der potenzielle Nutzen das Risiko überwiegt.

Stillzeit

Piribedil sollte nicht während der Stillzeit angewendet werden, da ein Übertritt in die Muttermilch nicht ausgeschlossen werden kann.

Verkehrstüchtigkeit

Patienten, bei denen während der Behandlung mit Piribedil Schläfrigkeit oder plötzliche Schlafanfälle auftreten, dürfen keine Fahrzeuge führen oder Maschinen bedienen. Eine Anpassung der Dosis oder Therapiepause kann erforderlich sein.

Anwendungshinweise

Folgende Warnhinweise und Vorsichtsmaßnahmen sind bei der Anwendung von Piribedil zu beachten:

  • Schläfrigkeit und Schlafanfälle: Patienten sollten auf die Gefahr plötzlicher Schlafanfälle hingewiesen werden.
  • Orthostatische Hypotonie: Zu Behandlungsbeginn ist eine Kontrolle des Blutdrucks angezeigt.
  • Impulskontrollstörungen: Regelmäßige Überwachung auf pathologische Verhaltensweisen ist erforderlich.
  • Psychotische Symptome: Dosisanpassung bei Auftreten von Wahn, Delir oder Halluzinationen notwendig.
  • Dyskinesien: In Kombination mit Levodopa mögliche Verstärkung – Dosisanpassung empfohlen.
  • Malignes neuroleptisches Syndrom: Risiko bei abruptem Absetzen – ausschleichende Reduktion notwendig.
  • Periphere Ödeme: Beobachtet unter Dopaminagonisten – bei Auftreten engmaschige Überwachung.

Alternativen

Als mögliche Alternativen zu Piribedil kommen folgende Wirkstoffe infrage:

Wirkstoff-Informationen

Molare Masse:
298.34 g·mol-1
Autor:
Stand:
29.10.2025
Quelle:

Fachinformation Clarium® 50 mg, Stand 05/2023

  • Teilen
  • Teilen
  • Teilen
  • Drucken
  • Senden
29 Präparate mit Piribedil