Polatuzumab vedotin

Polatuzumab Vedotin ist ein Antikörper-Wirkstoff-Konjugat zur Behandlung von malignen B-Zell-Lymphomen. Der monoklonale Antikörper richtet sich gegen CD79b und ist über einen Linker mit dem Mitosehemmer Monomethylauristatin E (MMAE) verbunden. Polatuzumab Vedotin ermöglicht eine zielgerichtete Zytotoxizität gegen maligne B-Zellen.

Anwendung

Die Zulassung von Polatuzumab Vedotin umfasst zwei zentrale Bereiche:

  1. Erstlinientherapie des unbehandelten DLBCL:
    o In Kombination mit R-CHP (Rituximab, Cyclophosphamid, Doxorubicin und Prednison).
    o Zur Behandlung von erwachsenen Patienten mit zuvor unbehandeltem diffusem großzelligem B-Zell-Lymphom.
    o Diese Kombination, bekannt als Pola-R-CHP, hat in der zulassungsrelevanten POLARIX-Studie gezeigt, dass sie das progressionsfreie Überleben im Vergleich zum bisherigen Standard R-CHOP signifikant verbessert. Polatuzumab Vedotin ersetzt hierbei Vincristin aus dem CHOP-Schema.
  2. Zweitlinien-/Drittlinientherapie des rezidivierten oder refraktären DLBCL:
    o In Kombination mit Bendamustin und Rituximab (P-BR).
    o Zur Behandlung erwachsener Patienten mit einem rezidivierten oder refraktären (r/r) DLBCL, die nicht für eine hämatopoetische Stammzelltransplantation (HSZT) in Frage kommen. Dies war die ursprüngliche Zulassung von 2020.

Anwendungsart

Polatuzumab Vedotin wird als intravenöse Infusion über einen Zeitraum von 30–90 Minuten unter ärztlicher Aufsicht verabreicht. Eine Prämedikation mit Antihistaminika und Antipyretika ist empfohlen.

Wirkmechanismus

Polatuzumab Vedotin ist ein Antikörper-Wirkstoff-Konjugat, bestehend aus:

  • einem humanisierten monoklonalen IgG1-Antikörper gegen CD79b, einer B-Zell-spezifischen Zelloberflächenstruktur,
  • und dem zytotoxischen Wirkstoff Monomethylauristatin E (MMAE), welcher über einen spaltbaren Linker an den Antikörper gebunden ist.
    Nach Bindung an CD79b wird der Komplex internalisiert und MMAE intrazellulär freigesetzt. MMAE hemmt die Mikrotubuli-Funktion, unterbricht die Mitose und führt zur Apoptose der malignen B-Zellen.

Pharmakokinetik

Resorption

  • Nach intravenöser Gabe ist die Bioverfügbarkeit vollständig.

Verteilung

  • Verteilungsvolumen von Antikörper-gebundenem MMAE (acMMAE): ca. 3,15 l.
  • MMAE ist nicht relevant an Plasmaproteine gebunden.

Metabolisierung

  • MMAE wird primär durch CYP3A4 metabolisiert.

Elimination

  • Plasmahalbwertszeit (acMMAE): ca. 12 Tage.
  • Unkonjugiertes MMAE wird überwiegend hepatisch eliminiert.

Besondere Hinweise

  • Bei leichter Leberfunktionsstörung (z. B. Bilirubin > ULN bis ≤1,5×ULN) erfolgt kein signifikanter Anstieg der MMAE-Exposition.
  • Bei mäßiger bis schwerer Leberfunktionsstörung sollte Polatuzumab Vedotin vermieden werden.

Dosierung

Die Dosierung von Polatuzumab Vedotin richtet sich nach Art der Erkrankung und erfolgt in Kombination mit weiteren Zytostatika:

  • Unbehandeltes DLBCL:
    1,8 mg/kg als i.v.-Infusion alle 21 Tage über 6 Zyklen in Kombination mit R-CHP.
  • Rezidiviertes/refraktäres DLBCL:
    1,8 mg/kg als i.v.-Infusion alle 21 Tage über 6 Zyklen in Kombination mit Bendamustin (90 mg/m² an Tag 1+2) und Rituximab (375 mg/m² an Tag 1).
  • Bei peripherer Neuropathie oder Myelosuppression können Dosisanpassungen erforderlich sein.

Nebenwirkungen

Häufige Nebenwirkungen (≥1/10):

  • Hämatologisch: Neutropenie, Anämie, Thrombozytopenie, febrile Neutropenie
  • Gastrointestinal: Übelkeit, Diarrhö, Erbrechen, Mukositis
  • Neurologisch: periphere Neuropathie, Schwindel
  • Allgemein: Fatigue, Fieber, infusionsbedingte Reaktionen

Wechselwirkungen

Folgende Wechselwirkungen sind bei der Anwendung von Polatuzumab Vedotin zu beachten:

Kontraindikationen

Polatuzumab Vedotin darf nicht angewendet werden bei:

  • Überempfindlichkeit gegen Polatuzumab Vedotin oder einen der sonstigen Bestandteile.
  • Aktiven schweren Infektionen.

Schwangerschaft

Polatuzumab Vedotin wird während der Schwangerschaft nicht empfohlen, da tierexperimentelle Daten Hinweise auf embryo-fetale Toxizität liefern. Frauen im gebärfähigen Alter sollten während der Behandlung und für mindestens 9 Monate danach eine zuverlässige Kontrazeption anwenden.

Stillzeit

Es ist nicht bekannt, ob Polatuzumab Vedotin in die Muttermilch übergeht. Eine Stillpause für mindestens 3 Monate nach der letzten Dosis wird empfohlen.

Verkehrstüchtigkeit

Polatuzumab Vedotin kann Schwindel, Fatigue und periphere Neuropathien verursachen. Die Verkehrstüchtigkeit kann dadurch beeinträchtigt sein.

Anwendungshinweise

Folgende Warnhinweise und Vorsichtsmaßnahmen sind bei der Anwendung von Polatuzumab Vedotin zu beachten:

  • Myelosuppression: regelmäßige Kontrolle des Blutbilds empfohlen, ggf. G-CSF-Prophylaxe.
  • Periphere Neuropathie: Dosisreduktion oder Abbruch bei anhaltenden Symptomen.
  • Infektionen: engmaschige Kontrolle, ggf. Prophylaxe mit Antiinfektiva.
  • PML: Bei Verdacht sofortige Diagnostik und Therapieabbruch.
  • TLS: Bei hoher Tumorlast präventive Maßnahmen gemäß Leitlinie.
  • Infusionsreaktionen: Prämedikation mit Antihistaminikum und Antipyretikum empfohlen.
  • Hepatotoxizität: Leberwerte regelmäßig kontrollieren.

Alternativen

Als mögliche Alternativen zu Polatuzumab Vedotin kommen folgende Wirkstoffe infrage:

  • Rituximab-basierte Kombinationen ohne Polatuzumab (z. B. R-CHOP)
  • CAR-T-Zell-Therapien bei refraktärem DLBCL
  • Antikörper-Drug-Konjugate mit anderen Targets (z. B. Brentuximab Vedotin bei anderen Lymphomentypen)
Autor:
Stand:
29.10.2025
Quelle:

Fachinformation Polivy® (EMA)

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2 Präparate mit Polatuzumab vedotin