Pridinol
Pridinol ist ein zentral wirksames Muskelrelaxans, das als Antagonist an muskarinischen Acetylcholinrezeptoren die Freisetzung von Acetylcholin hemmt und somit die Signalübertragung in cholinergen Neuronen reduziert. Der Wirkstoff findet Anwendung bei der Behandlung von Muskelsteifigkeit und -krämpfen.
Pridinol: Übersicht

Anwendung
Pridinol ist bei Erwachsenen indiziert zur Behandlung von:
- Zentralen und peripheren Muskelspasmen
- Lumbalgie (Hexenschuss)
- Torticollis (Schiefhals)
- allgemeinen Muskelschmerzen
Wirkmechanismus
Pridinol gehört zur Wirkstoffgruppe der zentral wirksamen Muskelrelaxanzien. Der Wirkstoff hemmt die Übertragung exzitatorischer Signale in den Motoneuronen des Rückenmarks, indem es als Antagonist an muskarinischen Acetylcholinrezeptoren (mAChRs) wirkt. Diese Hemmung verringert die Freisetzung von Acetylcholin. Durch die Blockierung dieser Rezeptoren wird die Signalübertragung in cholinergen Neuronen reduziert, was eine Entspannung der Skelettmuskulatur zur Folge hat.
Pharmakokinetik
Resorption
- Maximale Blutkonzentration wird etwa eine Stunde nach oraler Anwendung erreicht.
Verteilung
- Gleichmäßige Verteilung im gesamten Körper.
Elimination
- Innerhalb von 24 Stunden überwiegend ausgeschieden.
- Ausscheidung erfolgt teils unverändert, teils als Glucuronat und Sulfokonjugat.
- Hauptsächlich über die Nieren.
Dosierung
- Empfohlene Dosis: Dreimal täglich 1,5 bis 3 mg Pridinol.
- Nächtliche Beinkrämpfe: 3 bis 6 mg Pridinol vor dem Zubettgehen.
- Dauer der Einnahme: Wird vom behandelnden Arzt festgelegt.
- Einnahmezeitpunkt: Unabhängig von den Mahlzeiten, schnellere Wirkung vor den Mahlzeiten.
Nebenwirkungen
Trotz der zentralen Wirkungsweise gilt Pridinol als gut verträglich. Seltene Nebenwirkungen von Pridinol sind Sehstörungen und Glaukom-Anfälle bei Patienten mit Engwinkelglaukom. Hautrötungen, Wärmestau und Mundtrockenheit sind weitere unerwünschte Effekte, ebenso wie allgemeine Unruhe, Schwindel, Tachykardie (Herzrasen), Hypotonie, Asthenie und Beschwerden beim Wasserlassen.
Kontraindikationen
Pridinol darf nicht angewendet werden bei:
- Überempfindlichkeit gegen den Wirkstoff
- Glaukom
- Prostatahypertrophie
- Syndrome mit Harnverhalt
- Obstruktionen im Bereich des Magen-Darm-Kanals
- Herzrhythmusstörungen
- Schwangerschaft im ersten Trimenon
Verkehrstüchtigkeit
Aufgrund der möglichen anticholinergen Wirkungen, die das Sehvermögen beeinträchtigen können, wird empfohlen, beim Führen von Fahrzeugen und beim Bedienen von Maschinen besondere Vorsicht walten zu lassen.
Anwendungshinweise
Bei schwerer Nieren- und/oder Leberinsuffizienz sollte Pridinol vorsichtig angewendet werden, da die Blutspiegel des Arzneimittels höher und/oder länger anhaltend sein können.
Alternativen
Mögliche Alternativen von Pridinol umfassen:
- Baclofen: Wirkt als Agonist an GABA-B-Rezeptoren und wird häufig bei Spastizität eingesetzt.
- Methocarbamol: Ein zentral wirkendes Muskelrelaxans, das zur Linderung akuter Muskel-Skelett-Schmerzen verwendet wird.
- Orphenadrin: Ein Anticholinergikum mit muskelrelaxierenden und antihistaminischen Eigenschaften, das bei akuten Muskel-Skelett-Schmerzen eingesetzt wird.
- Tizanidin: Ein α2-Adrenozeptor-Agonist, der die Freisetzung exzitatorischer Aminosäuren hemmt und somit Muskelspasmen reduziert.
Wirkstoff-Informationen
Fachinformation Pridinol










