Proguanil
Der Wirkstoff Proguanil ist als Kombination mit Atovaquon zur Prophylaxe und zur Behandlung der Malaria zugelassen. Kombinationspräparate sind gegenüber Blutschizonten sowie gegenüber hepatischen Schizonten von Plasmodium falciparum wirksam.
Proguanil: Übersicht

Anwendung
Anwendungsgebiete
In Kombination mit Atovaquon:
- Prophylaxe von Plasmodium falciparum Malaria (Malaria tropica)
- Behandlung der akuten unkomplizierten Plasmodium falciparum Malaria (Malaria tropica)
Anwendungsart
Proguanil ist in Kombination mit Atovaquon in Form von Filmtabletten auf dem deutschen Markt verfügbar.
Die Prophylaxe sollte 24 oder 48 Stunden vor der Einreise in ein Malaria-Endemiegebiet beginnen, während des Aufenthaltes und sieben Tage nach Verlassen des Gebietes fortgesetzt werden.
Wirkmechanismus
Proguanil greift in die Biosynthese von Pyrimidinbasen und somit in die Nukleinsäuresynthese ein. Proguanil ist ein Prodrug, welches im Körper zu Cycloguanil metabolisiert wird. Cycloguanil inhibiert die Dihydrofolatreduktase und somit die Folsäuresynthese. Von der Wirkung sind hauptsächlich Leberschizonten betroffen.
Pharmakokinetik
Resorption
- Proguanil wird nach oraler Einnahme schnell und nahezu vollständig resorbiert, unabhängig von der Nahrungsaufnahme.
Verteilung
- Verteilungsvolumen: 20–42 L/kg.
- Proteinbindung: Proguanil bindet zu etwa 75% an Plasmaproteine.
Metabolismus
- Biotransformation: Proguanil wird über CYP2C19 zu Cycloguanil und 4-Chlorphenylbiguanid metabolisiert.
- Ausscheidung: Etwa 40% der Dosis werden unverändert über den Urin eliminiert.
Elimination
- Halbwertszeit: 12–15 Stunden.
- Clearance: Nimmt mit steigendem Körpergewicht zu; 15–106 L/h.
Besondere Patientengruppen
- Kinder und Jugendliche: Pharmakokinetik vergleichbar mit Erwachsenen.
- Ältere Patienten: Erhöhte Verfügbarkeit von Cycloguanil.
- Eingeschränkte Nierenfunktion: Verlängerte Halbwertszeiten bei starker Einschränkung.
- Eingeschränkte Leberfunktion: Erhöhte systemische Verfügbarkeit (AUC) von Proguanil; verringerte AUC von Cycloguanil.
Dosierung
Prophylaxe der Malaria tropica
Erwachsene und Jugendliche (≥40 kg Körpergewicht)
- eine Filmtablette täglich (250 mg Atovaquon, 100 mg Proguanilhydrochlorid)
Kinder und Jugendliche (11–40 kg Körpergewicht):
- 11–20 kg: eine Filmtablette täglich (62,5 mg Atovaquon, 25 mg Proguanilhydrochlorid)
- 21–30 kg: zwei Filmtabletten täglich (jeweils 62,5 mg Atovaquon, 25 mg Proguanilhydrochlorid)
- 31–40 kg: drei Filmtabletten täglich (jeweils 62,5 mg Atovaquon, 25 mg Proguanilhydrochlorid)
Behandlungsdauer
- Beginn: 24–48 Stunden vor der Einreise in das Malaria-Endemiegebiet
- Fortsetzung: Für die gesamte Aufenthaltsdauer und sieben Tage nach Verlassen des Gebiets
Behandlung der akuten, unkomplizierten Malaria tropica
Erwachsene
- vier Filmtabletten (jeweils 250 mg Atovaquon, 100 mg Proguanilhydrochlorid) einmal täglich für drei Tage
Kinder (5–<11 kg Körpergewicht)
- 5–8 kg: zwei Filmtabletten einmal (jeweils 62,5 mg Atovaquon, 25 mg Proguanilhydrochlorid) täglich
- 9–10 kg: drei Filmtabletten (jeweils 62,5 mg Atovaquon, 25 mg Proguanilhydrochlorid) einmal täglich
- 11–20 kg: eine Filmtablette (250 mg Atovaquon, 100 mg Proguanilhydrochlorid) einmal täglich
- 21–30 kg: zwei Filmtabletten (jeweils 250 mg Atovaquon, 100 mg Proguanilhydrochlorid) einmal täglich
- 31–40 kg: drei Filmtabletten (jeweils 250 mg Atovaquon, 100 mg Proguanilhydrochlorid) einmal täglich
- ≥ 40 kg: vier Filmtabletten (jeweils 250 mg Atovaquon, 100 mg Proguanilhydrochlorid) einmal täglich
Behandlungsdauer
- 3 Tage
Dosierung bei besonderen Patientengruppen
Ältere Personen
- Keine Dosisanpassung erforderlich.
Eingeschränkte Nierenfunktion
- Leichte bis mittelschwere Einschränkungen: Keine Dosisanpassung notwendig.
- Schwere Einschränkungen (Kreatinin-Clearance <30 ml/min): Malariaprophylaxe ist kontraindiziert; für die Behandlung der akuten Malaria möglichst Alternativen verwenden.
Eingeschränkte Leberfunktion
- Leichte bis mittelschwere Einschränkungen: Keine Dosisanpassung notwendig.
- Schwere Einschränkungen: Keine speziellen Maßnahmen erforderlich.
Überdosierung
Bei einer Überdosierung von Proguanil liegen keine ausreichenden Erfahrungen zur Vorhersage der Folgen oder zur Empfehlung spezifischer Maßnahmen vor. Die beobachteten Effekte entsprachen den bekannten Nebenwirkungen des Arzneimittels. Bei Überdosierung sollte der Patient überwacht und mit unterstützenden Maßnahmen behandelt werden.
Nebenwirkungen
In klinischen Studien zur Behandlung der Malaria mit Atovaquon/Proguanil waren die am häufigsten berichteten Nebenwirkungen:
- Anämie
- Neutropenie
- Allergische Reaktionen
- Hyponatriämie
- Appetitlosigkeit
- Abnorme Träume
- Depression
- Schlaflosigkeit
- Benommenheit
- Kopfschmerzen
- Übelkeit
- Erbrechen
- Diarrhö
- Bauchschmerzen
- Erhöhte Leberenzymwerte
- Pruritus
- Hautausschlag
- Fieber
- Husten
Wechselwirkungen
Folgende Wechselwirkungen sind bei der Anwendung von Proguanil zu beachten:
- Warfarin und andere Cumarin-basierende Antikoagulanzien: gerinnungshemmende Wirkung kann verstärkt werden
- Substrate oder Inhibitoren von CYP2C19 (z.B. Moclobemid, Fluvoxamin)
- Induktoren von CYP2C19 (z.B. Artemisinin, Carbamazepin)
Kontraindikationen
Die Anwendung von Proguanil ist generell kontraindiziert bei:
- Überempfindlichkeit gegen den Wirkstoff
- schweren Nierenfunktionsstörungen (Kreatinin-Clearance <30 ml/min)
Schwangerschaft
Es liegen keine Erfahrungen über die Sicherheit der Anwendung während der Schwangerschaft vor. Das potenzielle Risiko ist unbekannt. Die Anwendung sollte deshalb nur dann erfolgen, wenn der erwartete Nutzen für die Mutter jedes potenzielle Risiko für den Fötus überwiegt.
Stillzeit
Proguanil tritt in geringen Mengen in die Muttermilch über. Der Wirkstoff sollte während der Stillzeit nicht eingenommen werden.
Verkehrstüchtigkeit
Bei der Einnahme von Proguanil kann Benommenheit auftreten. Patienten sollten in solchen Fällen darauf verzichten, Fahrzeuge zu führen, Maschinen zu bedienen oder Tätigkeiten auszuführen, die in diesem Zustand eine Gefahr für sich selbst oder andere darstellen könnten.
Anwendungshinweise
Bei der Anwendung von Proguanil sind folgende Warnhinweise zu beachten:
- Erbrechen und Diarrhö: Bei Erbrechen innerhalb einer Stunde zusätzliche Dosis einnehmen. Bei Diarrhö Dosierung unverändert fortsetzen. Schutzmaßnahmen beachten.
- Akute Malaria: Bei Erbrechen oder Diarrhö alternative Behandlung erwägen. Bei Einsatz von Atovaquon/Proguanil engmaschige Überwachung notwendig.
- Schwere Malaria: Nicht zur Behandlung schwerer Malaria geeignet.
- Allergische Reaktionen: Bei schweren Reaktionen (Anaphylaxie) Behandlung sofort absetzen.
- Plasmodium vivax/P. ovale: Wirkt nicht gegen Hypnozoiten von P. vivax/P. ovale. Zusätzliche Therapie erforderlich.
- Wiederauftreten von Infektionen: Bei erneuter Infektion oder Versagen der Prophylaxe alternative Therapie wählen.
- Wechselwirkungen: Anwendung mit bestimmten Medikamenten (z. B. Tetracyclin, Efavirenz) vermeiden oder vorsichtig sein.
- Schwere Nierenfunktionsstörungen: Alternativen zur Behandlung verwenden.
Alternativen
Alternativ können zur Behandlung bei unkomplizierter Malaria auch folgende Wirkstoffe zur Behandlung verwendet werden:
- Artemether/Lumefantrin oder Dihydroartemisinin/Piperaquin (1. Wahl)
- Chloroquin
- Hydroxychloroquin
Wirkstoff-Informationen
- Freissmuth et al., Pharmakologie und Toxikologie, 2020, Springer
- Fachinformationen ausgewählter Proguanil-Hersteller (z. B. Atovaquon/Proguanilhydrochlorid-ratiopharm® 250 mg/100 mg Filmtabletten)
-
Atovaquon/Proguanil-HCl Aaragon 250 mg/100 mg Filmtabletten
Aaragon Pharma S.R.O.
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Atovaquon/Proguanil-HCl-Carefarm 250 mg/100 mg Filmtabletten
1 0 1 Carefarm GmbH
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Atovaquon/Proguanilhydrochlorid AL 250 mg/100 mg Filmtabletten
ALIUD PHARMA® GmbH
-
Atovaquon/Proguanilhydrochlorid Amarox 62,5 mg/25 mg Filmtabletten
Amarox Pharma GmbH
-
Atovaquon/Proguanilhydrochlorid Amarox 250 mg/100 mg Filmtabletten
Amarox Pharma GmbH
-
Atovaquon/Proguanilhydrochlorid Glenmark 250 mg /100 mg Filmtabletten
Glenmark Arzneimittel GmbH
-
Atovaquon/Proguanilhydrochlorid-ratiopharm® 62,5 mg/25 mg Filmtabletten
ratiopharm GmbH
-
Atovaquon/Proguanilhydrochlorid-ratiopharm® 250 mg/100 mg Filmtabletten
ratiopharm GmbH
-
Atovaquon/Proguanilhydrochlorid STADA® 250 mg/100 mg Filmtabletten
STADAPHARM GmbH
-
Malarex 250 mg/100 mg Filmtabletten
Viatris Healthcare GmbH
-
Malarone 250 mg/100 mg Allomedic Filmtabletten
Allomedic GmbH
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Malarone Filmtabletten, 250 mg/100 mg 1 4U Pharma Filmtabletten
1 4 U Pharma GmbH
-
Malarone Filmtabletten, 250 mg/100 mg 2care4 Filmtabletten
2care4 ApS
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Malarone Filmtabletten, 250 mg/100 mg Aaragon Filmtabletten
Aaragon Pharma S.R.O.
-
Malarone Filmtabletten, 250 mg/100 mg Abacus Filmtabletten
Abacus Medicine A/S
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Malarone Filmtabletten, 250 mg/100 mg ACA Filmtabletten
A.C.A. Müller ADAG Pharma AG
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Malarone Filmtabletten, 250 mg/100 mg axicorp Filmtabletten
axicorp Pharma GmbH
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Malarone Filmtabletten, 250 mg/100 mg CC Pharma Filmtabletten
CC Pharma GmbH
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Malarone Filmtabletten, 250 mg/100 mg docpharm Filmtabletten
Docpharm GmbH
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Malarone Filmtabletten, 250 mg/100 mg Emra Filmtabletten
Emra-Med Arzneimittel GmbH
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Malarone Filmtabletten, 250 mg/100 mg Eurim Filmtabletten
Eurim-Pharm Arzneimittel GmbH
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Malarone Filmtabletten, 250 mg/100 mg Fd Pharma Filmtabletten
FD Pharma GmbH
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Malarone Filmtabletten, 250 mg/100 mg Filmtabletten
GlaxoSmithKline GmbH & Co. KG
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Malarone Filmtabletten, 250 mg/100 mg Gerke Filmtabletten
Pharma Gerke Arzneimittelvertriebs GmbH
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Malarone Filmtabletten, 250 mg/100 mg kohlpharma Filmtabletten
kohlpharma GmbH
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Malarone Filmtabletten, 250 mg/100 mg Orifarm Filmtabletten
Orifarm GmbH
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Malarone Junior Filmtabletten, 62,5 mg/25 mg Filmtabletten
GlaxoSmithKline GmbH & Co. KG
-
Malarone Junior Orifarm Filmtabletten
Orifarm GmbH










