Racecadotril
Racecadotril ist ein Antidiarrhoikum, das zur symptomatischen Behandlung von akutem Durchfall bei Erwachsenen und Kindern ab einem Alter von drei Monaten verwendet wird, wenn eine kausale Therapie nicht möglich ist.
Racecadotril: Übersicht

Anwendung
Racecadotril ist indiziert für die Behandlung zur symptomatischen Behandlung des akuten Durchfalls bei Erwachsenen und Kindern ab drei Monaten, sofern eine kausale Therapie nicht möglich ist. Sollte eine kausale Therapie möglich sein, kann Racecadotril als ergänzende Therapie gegeben werden.
Anwendungsart
Racecadotril wird oral in Form von Kapseln oder als Granulat, das in Wasser aufgelöst wird, eingenommen. Die Verabreichung erfolgt typischerweise dreimal täglich zu den Mahlzeiten, um eine gleichmäßige Wirksamkeit über den Tag zu gewährleisten.
Wirkmechanismus
Racecadotril ist ein Prodrug, das schnell zu seinem aktiven Metaboliten Thiorphan verarbeitet wird. Thiorphan hemmt die Enkephalinase, ein Enzym, das vor allem im Dünndarmepithel lokalisiert ist und zum Abbau von Peptiden wie Enkephalinen beiträgt. Diese Hemmung schützt die Enkephaline vor dem Abbau, verlängert ihre Wirkung an den Synapsen im Dünndarm und reduziert damit die durch Choleratoxine oder Entzündungen verursachte übermäßige Wasser- und Elektrolytsekretion.
Racecadotril wirkt ausschließlich lokal im Darm und beeinflusst nicht die basale Sekretion oder die Darmverweildauer. Es zeigt keine zentralnervösen Wirkungen und hat in klinischen Studien nicht zu sekundärer Obstipation geführt, wodurch es sich als sicher und effektiv in der Behandlung von Diarrhö ohne unerwünschte Magen-Darm-Nebenwirkungen herausstellt.
Pharmakokinetik
Resorption
- Nach oraler Verabreichung wird Racecadotril schnell aufgenommen, wobei die Plasmakonzentrationen ihren Höhepunkt etwa 1,5 Stunden später erreichen, wenn die Einnahme während einer Mahlzeit erfolgt.
- Die Bioverfügbarkeit bleibt durch Nahrungsaufnahme unbeeinträchtigt, jedoch verzögert die Nahrungsaufnahme die Spitzenaktivität um etwa anderthalb Stunden.
Verteilung
- Nach Verabreichung einer markierten Dosis weist Racecadotril im Plasma eine erheblich höhere Konzentration auf als in Blutzellen; die Plasmakonzentration ist mehr als dreimal so hoch wie im gesamten Blut.
- Etwa 90% des aktiven Metaboliten Thiorphan sind an Plasmaproteine gebunden, vorwiegend an Albumin.
- Das mittlere scheinbare Verteilungsvolumen liegt bei etwa 66,4 kg.
Metabolismus (Biotransformation)
- Die Halbwertszeit von Racecadotril beträgt rund drei Stunden.
- Racecadotril wird zu Thiorphan hydrolysiert, welches dann zu mehreren inaktiven Metaboliten weiterverarbeitet wird, darunter Sulfoxide und verschiedene Säuren. Keiner dieser Metaboliten überschreitet 10% der systemischen Exposition.
Elimination
- Racecadotril und seine Metaboliten werden überwiegend renal ausgeschieden, wobei 81,4% über die Nieren und etwa 8% über die Fäzes ausgeschieden werden. Weniger als 1% der Dosis wird über die Lunge ausgeschieden.
- Racecadotril zeigt selbst bei wiederholter Anwendung keine Kumulation im Körper.
Dosierung
Erwachsene
Die übliche Dosierung von Racecadotril bei Erwachsenen beträgt zu Beginn 100 mg, gefolgt von 100 mg dreimal täglich bis zum Abklingen der Symptome.
Kinder
Bei Kindern wird die Dosierung basierend auf dem Körpergewicht angepasst:
- Säuglinge (>3 Monate) und Kinder <13 kg Körpergewicht: 1,5 mg Racecadotril / kg Körpergewicht dreimal pro Tag
- Säuglinge (>3 Monate) und Kinder <9 kg Körpergewicht: 10 mg Racecadotril dreimal pro Tag
- Kinder >/=9 kg und <13 kg Körpergewicht: 20 mg Racecadotril dreimal pro Tag
- Kinder >/=13 kg und <27 kg Körpergewicht: 30 mg Racecadotril dreimal pro Tag
- Kinder >27 kg Körpergewicht: 60 mg Racecadotril dreimal pro Tag
Behandlungsdauer
- bis zum Auftreten von zwei normalen Stuhlgängen
- maximal sieben Tage (Behandlungsdauer in klinischen Studien: fünf Tage)
Spezielle Patientengruppen
- Säuglinge (<3 Monate): keine klinischen Daten vorliegend
- Ältere Patienten: keine Dosisanpassung erforderlich
- Beeinträchtigte Leber- und Nierenfunktion: Vorsicht bei der Anwendung
Überdosierung
Bei Erwachsenen sind bei Einmalgaben von über 2 g, entsprechend der 20-fachen Menge der therapeutischen Dosis keine schädlichen Wirkungen beschrieben worden.
Nebenwirkungen
Kopfschmerzen zählt zu den häufigen Nebenwirkungen, die während einer Racecadotril-Therapie auftreten können.
Wechselwirkungen
Es sind keine bedeutenden pharmakokinetischen Wechselwirkungen mit anderen Medikamenten bekannt, da Racecadotril hauptsächlich lokal im Darm wirkt und nur eine begrenzte systemische Exposition aufweist.
Kontraindikationen
Die Anwendung von Racecadotril ist generell kontraindiziert bei:
- Überempfindlichkeit gegen den Wirkstoff
- Durchfällen, die mit Fieber und/oder blutigem oder schleimigem (eitrigem) Stuhl einhergehen
- Durchfällen, die während oder nach der Einnahme von Antibiotika auftreten (pseudomembranöse Colitis)
- chronischen Durchfallerkrankungen
- Patienten, bei denen unter der Therapie mit ACE-Hemmern Angioödeme aufgetreten sind
Schwangerschaft
Für Racecadotril gibt es keine umfassenden Daten zur Anwendung bei schwangeren Frauen. Obwohl tierexperimentelle Studien keine direkten oder indirekten schädlichen Auswirkungen auf die Schwangerschaft, embryofetale Entwicklung oder die Geburt gezeigt haben, fehlen spezifische klinische Studien zu diesen Aspekten. Daher wird empfohlen, Racecadotril während der Schwangerschaft nicht einzusetzen.
Stillzeit
Da es an Daten zur Übertragung von Racecadotril in die Muttermilch fehlt, wird empfohlen, dieses Arzneimittel nicht bei stillenden Frauen einzusetzen.
Verkehrstüchtigkeit
Racecadotril hat keinen oder einen zu vernachlässigenden Einfluss auf die Verkehrstüchtigkeit und die Fähigkeit zum Bedienen von Maschinen. Jedoch können Nebenwirkungen wie Schwindel die Fähigkeit zur aktiven Teilnahme am Straßenverkehr beeinträchtigen.
Anwendungshinweise
Bei der Anwendung von sind folgende Warnhinweise zu beachten:
- Rehydratationsmaßnahmen: Die Anwendung von Racecadotril verändert die üblichen Rehydratationsmaßnahmen bei Durchfall nicht.
- Symptome schwerwiegender Erkrankungen: Das Auftreten von blutigen oder eitrigen Stühlen sowie Fieber während der Behandlung mit Racecadotril kann auf invasive Bakterien oder andere schwerwiegende Erkrankungen hinweisen. In solchen Fällen sollte Racecadotril nicht angewendet werden.
- Nicht getestete Bedingungen: Die Anwendung von Racecadotril bei chronischer Diarrhoe und antibiotika-assoziierter Diarrhoe wurde nicht ausreichend getestet.
- Eingeschränkte Nieren- oder Leberfunktion: Es gibt nur begrenzte Daten zur Anwendung von Racecadotril bei Patienten mit Nieren- oder Leberinsuffizienz. Vorsicht ist geboten.
- Reduzierte Verfügbarkeit: Bei Patienten mit anhaltendem Erbrechen könnte die Verfügbarkeit von Racecadotril reduziert sein.
- Hautreaktionen: Das Auftreten von Hautreaktionen ist möglich; diese können von leicht bis schwerwiegend reichen. Bei schweren Reaktionen sollte die Behandlung sofort abgebrochen werden.
- Hypersensitivität und Angioödeme: Über Fälle von Hypersensitivität und angioneurotischen Ödemen wurde berichtet, die jederzeit während der Behandlung auftreten können. Bei Anzeichen von Angioödemen sind sofortige Notfallmaßnahmen erforderlich.
- Erhöhtes Risiko für Angioödeme: Besondere Vorsicht ist geboten bei Patienten, die bereits in der Vergangenheit Angioödeme erfahren haben, sowie bei Patienten, die gleichzeitig ACE-Hemmer einnehmen, da dies das Risiko für Angioödeme erhöhen kann.
Wirkstoff-Informationen
- Freissmuth et al., Pharmakologie und Toxikologie, 2020, Springer
- Fachinformationen ausgewählter Racecadotril-Hersteller (z. B. TIORFAN 100 mg Hartkapseln)
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TIORFAN 4 mg/ml Suspension zum Einnehmen
Bioprojet Pharma
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Tiorfan® 10 mg Granulat zur Herstellung einer Suspension zum Einnehmen
Bioprojet Pharma
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Tiorfan® 30 mg Granulat zur Herstellung einer Suspension zum Einnehmen
Bioprojet Pharma
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TIORFAN 100 mg Hartkapseln
Bioprojet Pharma
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Tiorfan® 175 mg Filmtabletten
Bioprojet Pharma
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Vaprino® Gegen akuten Durchfall, 100 mg Hartkapseln
Zentiva Pharma GmbH










