Rasburicase
Das Enzym Rasburicase katalysiert als starkes Urolytikum den Abbau von Harnsäure in wasserlösliches Allantoin, das leicht über die Nieren ausgeschieden werden kann. So wird ein akuter Anstieg der Harnsäurespiegel verhindert.
Rasburicase: Übersicht
Anwendung
Rasburicase ist indiziert zur Behandlung und Prophylaxe einer akuten Hyperurikämie, um ein akutes Nierenversagen bei Erwachsenen, Kindern und Jugendlichen (im Alter von 0 bis 17 Jahren) mit hämatologischen Malignomen mit hoher Tumorlast und dem Risiko einer raschen Tumorlyse oder -verringerung nach Beginn der Chemotherapie (Tumorlysesyndrom) zu verhindern.
Anwendungsart
Der Wirkstoff steh in Form eines Pulvers mit beigefügtem Lösungsmittel zur Herstellung eines Infusionslösungskonzentrates zur Verfügung. Vor der Anwendung sind zunächst die Rekonstitution des Konzentrates und anschließend die Verdünnung mit isotonischer Natriumchloridlösung nötig.
Die Anwendung sollte unmittelbar vor oder zum Zeitpunkt der Einleitung einer Chemotherapie über einen getrennten Zugang erfolgen. Die Dauer der intravenösen Infusion sollte dabei 30 Minuten betragen. Rasburicase wird einmal täglich über bis zu 7 Tage angewendet.
Wirkmechanismus
Bei dem Wirkstoff Rasburicase handelt es sich um ein rekombinantes Uratoxidase-Enzym, das von einem genetisch modifizierten Saccharomyces-cerevisiae-Stamm gebildet wird. Rasburicase katalysiert als sehr starkes Urikolytikum die enzymatische Oxidation von Harnsäure in Allantoin. Das wasserlösliche Abbauprodukt kann leicht über die Nieren ausgeschieden werden.
Maligne Tumorerkrankungen und Chemotherapien können das Absterben einer großen Anzahl von Zellen verursachen, was zur Freisetzung von Zellbestandteilen wie DNA führt, die aus Purinbasen besteht. Harnsäure stellt den letzten Schritt des Purinabbaus dar. Ein plötzlicher Anstieg des Harnsäurespiegels im Blut kann aufgrund der Ausfällung von Harnsäurekristallen in den Nierentubuli zu zu Nierenfunktionsstörungen und Nierenversagen führen. Rasburicase katalysiert den Harnsäureabbau und verhindert so, dass die Harnsäurespiegel zu stark ansteigen.
Pharmakokinetik
Resorption
Nach der Infusion von Rasburicase in der empfohlenen Dosierung wird das Fließgleichgewicht nach zwei bis drei Tagen erreicht. Zwischen Tag 1 und Tag 5 wurde eine minimale Akkumulation von Rasburicase (<1,3-fach) beobachtet.
Verteilung
Das durchschnittliche Verteilungsvolumen entspricht etwa dem physiologischen Gefäßvolumen und lag bei Kindern und Jugendlichen im Bereich von 110-127 ml/kg und bei Erwachsenen bei 75,8-138 ml/kg.
Metabolismus
Da es sich bei Rasburicase um ein Protein handelt, ist es wahrscheinlich, dass der Wirkstoff durch Peptidhydrolyse abgebaut wird und nicht an Plasmaproteine bindet. Demnach sind bei Leberfunktionsstörungen keine Auswirkungen auf die Pharmakokinetik zu erwarten.
Elimination
Es wurde eine Clearance von 3,5 ml/h/kg ermittelt. Die durchschnittliche terminale Halbwertszeit lag für Kinder, Jugendliche und Erwachsene zwischen 15,7 und 22,5 Stunden. Die Clearance bei Kindern und Jugendlichen ist im Vergleich zu Erwachsenen um etwa 35% erhöht.
Dosierung
Die empfohlene Dosierung von Rasburicase beträgt sowohl für Erwachsene als auch Kinder und Jugendliche 0,20 mg/kg/Tag.
Nebenwirkungen
Die folgenden Nebenwirkungen können bei der Anwendung von Rasburicase häufig (≥1/100, <1/10) bis sehr häufig (≥1/10) auftreten.
Wechselwirkungen
Es wurden keine Studien zur Erfassung von Wechselwirkungen durchgeführt. Da es sich bei Rasburicase selbst um ein Enzym handelt, ist nicht mit Arzneimittelwechselwirkungen zu rechnen.
Kontraindikationen
Rasburicase sollte in den folgenden Fällen nicht angewendet werden.
- Überempfindlichkeit gegen den Wirkstoff
- G6PD-Mangel und andere metabolische Störungen im Zellstoffwechsel, die eine hämolytische Anämie auslösen können
Alternativen
Neben Rasburicase sind auch die Urikostatika Allopurinol und Febuxostat sowie das Urikosurikum Probenecid zur Therapie eines Tumorlysesyndroms zugelassen. Febuxostat kann zudem auch prophylaktisch angewendet werden.
- EMA, EPAR Adenuric, zuletzt abgerufen am 1. März 2023
- Fachinformation Allopurinol
- Fachinformation Biokanol
- Fachinformation Fasturtec
- Geisslinger, Menzel, Gundermann, Hinz, Ruth (2020) Mutschler Arzneimittelwirkungen, 11. Auflage, Wissenschaftliche Verlagsgesellschaft Stuttgart










