Rifaximin

Rifaximin ist ein nicht resorbierbares Rifamycin-Antibiotikum, das die bakterielle RNA-Synthese irreversibel hemmt. Es wird hauptsächlich zur Behandlung von Reisedurchfall eingesetzt und wirkt lokal im Gastrointestinaltrakt mit breitem antibakteriellem Spektrum.

Rifaximin

Anwendung

Rifaximin wird angewendet bei:

  • Reisedurchfall: Behandlung von Diarrhö durch nicht-invasive enteropathogene Bakterien (Escherichia coli, ETEC, EAEC) aus mediterranen, subtropischen oder tropischen Regionen, bei Erwachsenen ab 18 Jahren ohne systemische Infektionszeichen wie Fieber oder blutigen Stuhl.
  • Hepatische Enzephalopathie: Prävention des Wiederauftretens von Episoden bei Patienten mit chronischen Lebererkrankungen (off-label teils als Begleittherapie).
  • Reizdarmsyndrom mit Diarrhö (IBS-D): Symptomlinderung bei Patienten mit diarrhödominantem Reizdarmsyndrom (in einigen Ländern zugelassen).
  • Divertikulitis (off-label): Unterstützung der Behandlung von Symptomen durch Modulation der Darmflora.

Anwendungsart

Rifaximin wird per oral als Filmtablette mit einem Glas Wasser, unabhängig von der Nahrungsaufnahme eingenommen.

Die Behandlungsdauer richtet sich nach der Indikation und variiert entsprechend. Folgende Empfehlungen aus der Fachinformation für Reisedurchfall, hepatische Enzephalopathie und Reizdarmsyndrom mit Diarrhö:

  • Reisedurchfall: Behandlung sollte maximal 3 Tage dauern.
  • Hepatische Enzephalopathie: Langzeitbehandlung zur Prävention, über Monate oder Jahre möglich.
  • Reizdarmsyndrom mit Diarrhö (IBS-D): Kurzzeittherapie über 10–14 Tage; Wiederholungszyklen möglich.

Wirkmechanismus

Rifaximin ist ein halbsynthetisches Rifamycin-Derivat, das durch irreversible Bindung an die β-Untereinheit der DNA-abhängigen RNA-Polymerase die bakterielle RNA-Synthese hemmt. Dies blockiert die Transkription und führt zur Inhibition der Proteinsynthese, wodurch der Stoffwechsel pathogener Keime unterbrochen wird und diese absterben. Da Rifaximin kaum systemisch resorbiert wird (<1%), entfaltet es seine bakterizide Wirkung lokal im Darmlumen.

Bei Patienten mit hepatischer Enzephalopathie reduziert Rifaximin gezielt Ammoniak-produzierende Bakterien und unterbricht dadurch die Signalwege, die zu neurotoxischen Effekten führen. Eine zentrale Rolle spielt hierbei der NF-κB-Signalweg: Durch die Reduktion proinflammatorischer Stimuli wie Ammoniak und Lipopolysacchariden (LPS) wird die Aktivierung von NF-κB gehemmt. Dies verringert die Produktion von Zytokinen wie TNF-α, IL-1β und IL-6, die eine wichtige Rolle bei systemischer Entzündung und der Schädigung der Blut-Hirn-Schranke spielen.

Darüber hinaus beeinflusst Rifaximin die Gallensäure-Signalwege, insbesondere über den Farnesoid-X-Rezeptor (FXR). Die Aktivierung von FXR stärkt die intestinale Barrierefunktion und moduliert die Mikrobiota, indem sie die Proliferation schädlicher Bakterien hemmt. Diese kombinierten Effekte tragen nicht nur zur Verbesserung der hepatischen Enzephalopathie bei, sondern auch zur Reduktion systemischer Komplikationen durch eine verbesserte Mikrobiom-Homöostase und Darmgesundheit.

Pharmakokinetik

Resorption

  • Minimale systemische Resorption unter 1%
  • Nach oraler Gabe verbleibt der Wirkstoff primär im Gastrointestinaltrakt.
  • Resorption bleibt sowohl im nüchternen Zustand als auch nach fettreicher Mahlzeit klinisch irrelevant.

Verteilung

  • Nahezu vollständige Verfügbarkeit im Darmlumen, wo hohe lokale Wirkstoffkonzentrationen erreicht werden.
  • Bindung an Plasmaproteine: circa 67,5% bei gesunden Probanden, circa 62% bei Patienten mit Leberfunktionsstörung

Elimination

  • Nahezu vollständig (96,9%) über den Stuhl
  • Ungefähr 0,4% der Dosis werden über den Urin eliminiert.

Dosierung

Die Dosierung richtet sich nach der Indikation und gilt im Folgenden für Erwachsene ab 18 Jahren.

Reisedurchfall

  • 200 mg alle 8 Stunden oder 400 mg alle 12 Stunden
  • Behandlungsdauer: maximal 3 Tage

Hepatische Enzephalopathie

  • 550 mg zweimal täglich
  • Behandlungsdauer: Langzeitbehandlung

Reizdarmsyndrom mit Diarrhö (IBS-D)

  • 550 mg dreimal täglich.
  • Behandlungsdauer: 10–14 Tage. Wiederholungskuren sind möglich.

Hinweise zur Dosierung

  • Keine Dosisanpassung bei älteren Patienten oder bei Patienten mit Leber- oder Nierenfunktionsstörungen erforderlich.
  • Kinder und Jugendliche: Keine ausreichenden Daten zur Dosierung vorhanden.

Nebenwirkungen

Die häufigsten Nebenwirkungen von Rifaximin (≥10%) sind:

  • Übelkeit
  • Abdominale Schmerzen/Blähungen
  • Diarrhö
  • Kopfschmerzen
  • Müdigkeit

Wechselwirkungen

Folgende Wechselwirkungen sind bei der Anwendung von Rifaximin zu beachten:

P-Glykoprotein-Inhibitoren (z. B. Cyclosporin)

Eine gleichzeitige Einnahme kann die systemische Konzentration von Rifaximin deutlich erhöhen (bis zu 124-facher Anstieg der AUC). Die klinische Relevanz dieser Erhöhung ist jedoch unklar.

Warfarin (und andere Antikoagulanzien)

Schwankungen der INR (International Normalized Ratio) wurden berichtet – sowohl Erhöhungen als auch Senkungen, in einigen Fällen verbunden mit Blutungsrisiken. Eine engmaschige Überwachung der INR und gegebenenfalls Anpassung der Antikoagulanzien-Dosis ist erforderlich.

CYP3A4-Substrate (z. B. orale Kontrazeptiva, Antiepileptika, Antiarrhythmika)

Aufgrund einer erhöhten systemischen Exposition bei Patienten mit Leberfunktionsstörung kann Rifaximin die Wirkung von CYP3A4-Substraten verringern.

Aktivkohle

Die Einnahme von Rifaximin sollte mindestens 2 Stunden nach Aktivkohle erfolgen, um eine Reduktion der Wirksamkeit zu vermeiden.

Andere Rifamycine

Keine Erfahrungen bei gleichzeitiger Anwendung mit anderen Rifamycin-Derivaten. Vorsicht ist geboten, um eine mögliche Beeinflussung der Darmflora zu vermeiden.

Kontraindikationen

Rifaximin darf nicht angewendet werden bei:

  • Überempfindlichkeit gegen Rifaximin, andere Rifamycin-Derivate oder einen der sonstigen Bestandteile des Präparats
  • Darmverschluss (intestinale Obstruktion)
  • Invasiven Darminfektionen: Patienten mit Fieber oder blutigem Stuhl, da Rifaximin bei systemischen Infektionen keine ausreichende Wirksamkeit zeigt.

Schwangerschaft

Daten zur Anwendung von Rifaximin in der Schwangerschaft sind begrenzt; tierexperimentelle Studien zeigen mögliche vorübergehende Skelettveränderungen. Aus Vorsicht sollte Rifaximin während der Schwangerschaft vermieden werden.

Stillzeit

Es ist nicht bekannt, ob Rifaximin oder seine Metaboliten in die Muttermilch übergehen. Die Entscheidung zur Anwendung sollte Nutzen und Risiko für Mutter und Kind sorgfältig abwägen.

Verkehrstüchtigkeit

Es kann zu Schwindelerscheinung während der Therapie mit Rifaximin kommen. Der Einfluss auf die Verkehrstüchtigkeit ist jedoch vernachlässigbar.

Anwendungshinweise

Folgende Warnhinweise und Vorsichtsmaßnahmen sind bei der Anwendung von Rifaximin zu beachten:

  • Schwere Hautreaktionen: Es wurden schwere Hautreaktionen wie Stevens-Johnson-Syndrom (SJS) und toxische epidermale Nekrolyse (TEN) berichtet.
  • Clostridium-difficile-assoziierte Diarrhö (CDAD): Es besteht ein Risiko für CDAD, das mit fast allen Antibiotika in Verbindung gebracht wird.

Alternativen

Mögliche therapeutische Alternativen zu Rifaximin:

Alle genannten Wirkstoffe sind antibiotische Mittel, die gegen enteropathogene Bakterien wirken und zur Behandlung von bakteriellen Darminfektionen wie Reisedurchfall eingesetzt werden können. Sie unterscheiden sich jedoch in ihrem Spektrum, ihrer Resorption und den möglichen Nebenwirkungen.

Wirkstoff-Informationen

Molare Masse:
785.88 g·mol-1
Autor:
Stand:
12.01.2025
Quelle:
  1. Fachinformation Xifaxan® 550 mg Filmtabletten (2024), Norgine GmbH, Amsterdam
  2. Fachinformation Xifaxan® 200 mg Filmtablette (2023), Norgine GmbH, Amsterdam
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