Rizatriptan

Ein selektiver 5-HT1B/1D-Rezeptoragonist, der durch Vasokonstriktion intrakranieller Gefäße und Hemmung der Neuropeptidfreisetzung die Migräne-Symptome lindert. Es wird zur akuten Behandlung von Migräneanfällen mit oder ohne Aura bei Erwachsenen eingesetzt.

Rizatriptan

Anwendung

Rizatriptan wird angewendet zur akuten Behandlung von Migräneanfällen mit oder ohne Aura bei Erwachsenen. Zur Prophylaxe ist Rizatriptan nicht geeignet.

Anwendungsart

Rizatriptan wird als Tablette oder Schmelztablette unzerkaut mit reichlich Flüssigkeit eingenommen. Die Einnahme wird auf nüchternen Magen empfohlen, um den Wirkungseintritt nicht zu verzögern.

Wirkmechanismus

Rizatriptan ist ein selektiver 5-HT1B/1D-Rezeptoragonist, der an serotonerge Rezeptoren auf den extrazerebralen intrakraniellen Blutgefäßen sowie auf sensorischen Trigeminusnervenendigungen wirkt. Die Agonisierung der Rezeptoren führt zur Vasokonstriktion der dilatierten intrakraniellen Arterien, wodurch die Migräne-induzierte Gefäßerweiterung und der perivaskuläre Entzündungsprozess reduziert werden.

Gleichzeitig hemmt die Aktivierung der 5-HT1D-Rezeptoren die Freisetzung von Neuropeptiden, insbesondere Substanz P, Calcitonin Gene-Related Peptide (CGRP) und Neurokinin A, wodurch die neurogene Entzündung und die zentrale Schmerzweiterleitung im Trigeminus-Schmerzsystem gehemmt werden.

Intrazellulär führt die Rezeptoraktivierung zur Hemmung der Adenylylcyclase, wodurch die zyklische-Adenosinmonophosphat(cAMP)-Konzentration sinkt und eine verminderte neuronale Erregbarkeit resultiert. Diese Mechanismen unterbrechen die Migräne-Kaskade sowohl auf vaskulärer als auch auf neuronaler Ebene. Zusätzlich kann die Serotonin-vermittelte Modulation der trigeminalen Schmerzbahn eine zentrale analgetische Wirkung verstärken.

Pharmakokinetik

Resorption

  • Schnelle und vollständige Resorption nach oraler Gabe
  • Bioverfügbarkeit: ca. 40–45%
  • Tmax1–1,5 Stunden
  • Einfluss von Nahrung: Verzögert Tmax um ca. 1 Stunde, verändert aber nicht die Bioverfügbarkeit

Verteilung

  • Plasmaproteinbindung: 14% 
  • Verteilungsvolumen: 140 Liter (Männer), 110 Liter (Frauen)

Elimination

  • Plasmahalbwertszeit: 2–3 Stunden
  • Renale Clearance: 20–30% der gesamten Clearance
  • Ausscheidung: 80% über Urin und 10% über Stuhl

Dosierung

  • Empfohlene Einzeldosis: 10 mg
  • Maximale Tagesdosis: 20 mg
  • Mindestabstand zwischen den Dosen: 2 Stunden
  • Falls Kopfschmerzen nach erstem Ansprechen wiederkehren: Eine zweite Dosis kann eingenommen werden (unter Beachtung der Tageshöchstmenge)
  • Falls erste Dosis nicht wirkt: Keine zweite Dosis für dieselbe Attacke empfohlen

Nebenwirkungen

Häufigste Nebenwirkungen von Rizatriptan (≥10%):

  • Schwindel
  • Schläfrigkeit
  • Schwäche/Müdigkeit
  • Übelkeit
  • Rachenbeschwerden
  • Hitzegefühl mit Hautrötung (Flush)

Wechselwirkungen

Folgende Wechselwirkungen sind bei der Anwendung von Rizatriptan zu beachten:

  • MAO-Hemmer: Verzögern den Abbau von Rizatriptan und erhöhen dessen Plasmaspiegel, Kombination ist kontraindiziert
  • Ergotamin, Ergotaminderivate und andere Triptane: Erhöhtes Risiko für Vasokonstriktion und Hypertonie, nicht gleichzeitig anwenden, Mindestabstand 24 Stunden
  • Propranolol: Erhöht die Plasmakonzentration von Rizatriptan um 70–80%, daher Dosisreduktion auf 5 mg erforderlich
  • Selektive Serotonin-Wiederaufnahmehemmer (SSRI) und Serotonin-Noradrenalin-Wiederaufnahmehemmer (SNRI): Erhöhtes Risiko für Serotoninsyndrom (Verwirrtheit, autonome Dysregulation, neuromuskuläre Symptome)
  • Johanniskraut (Hypericum perforatum): Kann das Risiko für Nebenwirkungen erhöhen
  • Betablocker (außer Propranolol): Keine klinisch relevanten Wechselwirkungen mit Nadolol oder Metoprolol nachgewiesen
  • Substrate von CYP2D6: Rizatriptan hemmt CYP2D6 in vitro

Kontraindikationen

Rizatriptan darf nicht angewendet werden bei:

  • Überempfindlichkeit gegen den Wirkstoff oder einen der sonstigen Bestandteile
  • Gleichzeitige Einnahme von MAO-Hemmern oder innerhalb von 2 Wochen nach deren Absetzen
  • Schwere Leberfunktionsstörung oder schwere Niereninsuffizienz
  • Schlaganfall oder transitorische ischämische Attacke (TIA) in der Anamnese
  • Mäßige oder schwere Hypertonie sowie unbehandelte leichte Hypertonie
  • Bestehende koronare Herzerkrankung (z. B. Angina pectoris, Herzinfarkt in der Vorgeschichte, stumme Ischämie)
  • Anzeichen oder Symptome einer ischämischen Herzerkrankung oder Prinzmetal-Angina
  • Periphere Gefäßerkrankung
  • Gleichzeitige Anwendung mit Ergotamin, Ergotaminderivaten (einschließlich Methysergid) oder anderen Triptanen
  • Relative Kontraindikation: Stillzeit

Schwangerschaft

Bisherige Daten (300–1.000 Schwangerschaftsausgänge) deuten nicht auf ein erhöhtes Fehlbildungsrisiko hin, allerdings sind die Erfahrungen im zweiten und dritten Trimenon begrenzt. Eine Anwendung sollte nur erfolgen, wenn der Nutzen das potenzielle Risiko überwiegt.

Stillzeit

Studien an Ratten zeigen einen starken Übertritt von Rizatriptan in die Muttermilch, allerdings traten nur bei sehr hohen Dosen geringfügige Wachstumsverzögerungen der Jungtiere auf. Beim Menschen wird Rizatriptan in geringen Mengen in die Muttermilch ausgeschieden (<1% der mütterlichen Dosis), daher sollte Rizatriptan bei stillenden Frauen nur mit Vorsicht angewendet werden; zur Reduktion der Säuglingsexposition wird empfohlen, nach der Einnahme für 12 Stunden auf das Stillen zu verzichten.

Verkehrstüchtigkeit

Migräne selbst sowie die Behandlung mit Rizatriptan können Schläfrigkeit, Schwindel und reduzierte Aufmerksamkeit verursachen. Patienten sollten daher ihre individuelle Reaktion auf das Medikament abwägen, bevor sie Fahrzeuge führen oder Maschinen bedienen.

Anwendungshinweise

Folgende Warnhinweise und Vorsichtsmaßnahmen sind bei der Anwendung von Rizatriptan zu beachten:

  • Eindeutige Migränediagnose: Rizatriptan sollte nur angewendet werden, wenn eine sichere Migränediagnosevorliegt.
  • Basilar- und hemiplegische Migräne sind Kontraindikationen, da die Vasokonstriktion riskant sein kann.
  • Kardiovaskuläre Sicherheit: Kann zu Brustschmerzen oder Druckgefühl führen; bei Verdacht auf eine ischämische Herzerkrankung sollten keine weiteren Dosen eingenommen werden.
  • Koronare Risiken: Wie andere 5-HT1B/1D-Agonisten kann Rizatriptan Koronarspasmen, Myokardischämie oder Herzinfarkt verursachen.
  • Bluthochdruck: Kann zu einem Blutdruckanstieg führen, insbesondere bei Patienten mit unkontrollierter Hypertonie.
  • Serotoninsyndrom: Risiko erhöht bei gleichzeitiger Anwendung von SSRI, SNRI oder MAO-Hemmern, Symptome umfassen Verwirrung, autonome Dysregulation und neuromuskuläre Störungen.
  • Interaktionen mit Ergotaminhaltigen Präparaten: Abstand von mindestens 24 Stunden zwischen Rizatriptan und Ergotamin-haltigen Arzneimitteln einhalten.
  • Angioödem: Fälle von Gesichtsödem, Zungenschwellung oder Pharynxödem wurden berichtet.
  • Medikamenteninduzierter Kopfschmerz: Übermäßige Anwendung kann zu einer Verschlechterung der Kopfschmerzen führen.
  • Wechselwirkungen mit CYP2D6-Substraten: Potenzielle Interaktionen mit Medikamenten, die über CYP2D6 metabolisiert werden.

Alternativen

Alternativen zu Rizatriptan:

Alle genannten Wirkstoffe gehören zur Gruppe der Triptane und wirken als selektive 5-HT1B/1D-Rezeptoragonisten, wodurch sie die Vasodilatation intrakranieller Gefäße reduzieren und die Freisetzung von Neuropeptiden hemmen. Unterschiede bestehen vor allem in Wirkbeginn, Wirkdauer und Nebenwirkungsprofil.

Wirkstoff-Informationen

Molare Masse:
269.34 g·mol-1
Kindstoff(e):
Autor:
Stand:
16.03.2025
Quelle:
  1. Fachinformation Rizatriptan Heumann 5/10 mg Tabletten (2024). HEUMANN PHARMA. Nürnberg. (Aufgerufen am: 23.02.2025)
  2. Fachinformation Rizatriptan AbZ 10 mg Schmelztabletten (2024). AbZ-Pharma GmbH. Ulm. (Aufgerufen am: 23.03.2025)
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