Safinamid

Safinamid ist ein selektiver und reversibler Monoaminoxidase-B-Hemmer zur Zusatzbehandlung der idiopathischen Parkinson-Krankheit. Der Wirkstoff entfaltet seine Wirkung sowohl über dopaminerge als auch über nicht-dopaminerge Mechanismen. Er wird bei Patienten im mittleren bis späten Krankheitsstadium mit motorischen Fluktuationen eingesetzt.

Safinamid

Anwendung

Indikationen

Safinamid ist indiziert zur Behandlung erwachsener Patienten mit idiopathischer Parkinson-Krankheit als Zusatztherapie zu einer stabilen Dosis Levodopa, entweder als Monotherapie oder in Kombination mit anderen Parkinson-Arzneimitteln, bei Patienten im mittleren bis späten Krankheitsstadium mit motorischen Fluktuationen.

Anwendungsart

Safinamid wird oral angewendet und sollte mit Wasser eingenommen werden. Die Einnahme kann unabhängig von den Mahlzeiten erfolgen. Eine regelmäßige tägliche Einnahme zur gleichen Tageszeit wird empfohlen.

Wirkmechanismus

Safinamid ist ein reversibler Inhibitor der Monoaminoxidase B, wodurch es zu einer Erhöhung des extrazellulären Dopaminspiegels im Striatum kommt. Zusätzlich hemmt Safinamid zustandsabhängig spannungsgesteuerte Natriumkanäle und moduliert die stimulierte Freisetzung von Glutamat. Der Beitrag der nicht-dopaminergen Effekte zur klinischen Gesamtwirkung ist nicht abschließend geklärt.
 

Pharmakokinetik

Resorption

  • Rasche Resorption nach oraler Gabe
  • Maximale Plasmakonzentration nach etwa 1,8–2,8 Stunden
  • Hohe absolute Bioverfügbarkeit von etwa 95  %

Verteilung

  • Verteilungsvolumen von etwa 165 Litern
  • Plasmaeiweißbindung von 88–90  %

Metabolisierung

  • Fast vollständige Metabolisierung
  • Hauptsächlich über Amidasen mit hoher Kapazität
  • Keine relevante Abhängigkeit von Cytochrom-P450-Enzymen

Elimination

  • Weniger als 10  % unverändert renal ausgeschieden
  • Hauptausscheidung über den Urin
  • Eliminationshalbwertszeit von Safinamid etwa 20–30 Stunden

Besondere Hinweise

  • Steady State wird innerhalb einer Woche erreicht
  • Erhöhte Exposition bei mittelschwerer Leberfunktionsstörung

Dosierung

Die Behandlung mit Safinamid sollte mit einer Dosis von 50 mg einmal täglich begonnen werden. Abhängig von den individuellen klinischen Erfordernissen kann die Tagesdosis auf 100 mg erhöht werden. Bei Patienten mit mittelschwer eingeschränkter Leberfunktion wird eine Dosis von 50 mg täglich empfohlen. Bei älteren Patienten sowie bei eingeschränkter Nierenfunktion ist keine Dosisanpassung erforderlich. Wird eine Dosis ausgelassen, sollte die nächste Dosis am folgenden Tag zur üblichen Zeit eingenommen werden.

Nebenwirkungen

Sehr häufig tritt unter Safinamid eine Dyskinesie auf, insbesondere bei Anwendung in Kombination mit Levodopa. Häufig werden Somnolenz, Schwindel, Kopfschmerzen, Übelkeit, orthostatische Hypotonie und Schlaflosigkeit beobachtet. Gelegentlich können Halluzinationen, Depressionen, Angstzustände, Parästhesien, Gleichgewichtsstörungen sowie gastrointestinale Beschwerden auftreten. Selten wurden schwerwiegende kardiovaskuläre Ereignisse, hypertensive Krisen, Myokardinfarkte sowie ausgeprägte psychiatrische Symptome berichtet.

Wechselwirkungen

Folgende Wechselwirkungen sind bei der Anwendung von Safinamid zu beachten:

Kontraindikationen

Safinamid darf nicht angewendet werden bei:

  • Überempfindlichkeit gegen Safinamid oder einen der sonstigen Bestandteile
  • Gleichzeitiger Behandlung mit anderen Monoaminoxidase-Hemmern
  • Gleichzeitiger Behandlung mit Pethidin
  • Schwerer Beeinträchtigung der Leberfunktion
  • Albinismus
  • Netzhautdegeneration, Uveitis oder erblich bedingter Retinopathie
  • Schwerer progressiver diabetischer Retinopathie

Schwangerschaft

Bisher liegen keine oder nur sehr begrenzte Erfahrungen mit der Anwendung von Safinamid bei Schwangeren vor. Tierexperimentelle Studien haben eine Reproduktionstoxizität gezeigt. Die Anwendung von Safinamid während der Schwangerschaft und bei Frauen im gebärfähigen Alter, die nicht verhüten, wird nicht empfohlen.

Stillzeit

Tierexperimentelle Daten zeigen, dass Safinamid in die Muttermilch übergeht. Ein Risiko für den gestillten Säugling kann nicht ausgeschlossen werden. Safinamid sollte während der Stillzeit nicht eingenommen werden.

Verkehrstüchtigkeit

Unter der Behandlung mit Safinamid können Somnolenz und Schwindel auftreten. Patienten sollten vor dem Führen von Fahrzeugen oder dem Bedienen von Maschinen gewarnt werden, solange nicht sichergestellt ist, dass Safinamid ihre Reaktionsfähigkeit nicht beeinträchtigt.

Anwendungshinweise

Folgende Warnhinweise und Vorsichtsmaßnahmen sind bei der Anwendung von Safinamid zu beachten:

  • Serotonerges Syndrom: Besondere Vorsicht bei gleichzeitiger Anwendung serotonerg wirksamer Arzneimittel.
  • Leberfunktion: Vorsicht bei mittelschwerer Leberfunktionsstörung, Absetzen bei Progression zur schweren Einschränkung.
  • Netzhauterkrankungen: Nicht anwenden bei ophthalmologischen Vorerkrankungen mit erhöhtem Netzhautrisiko.
  • Dyskinesien: Verstärkung levodopabedingter Dyskinesien möglich, gegebenenfalls Dosisanpassung von Levodopa erforderlich.
  • Impulskontrollstörungen: Patienten und Betreuer sollten auf entsprechende Verhaltensänderungen achten.

Alternativen

Als mögliche Alternativen zu Safinamid kommen folgende Wirkstoffe infrage:

  • Rasagilin als irreversibler MAO-B-Hemmer zur Zusatztherapie bei Parkinson-Krankheit.
  • Selegilin als älterer MAO-B-Hemmer mit dopaminerger Wirkungsverstärkung.
  • Entacapon als COMT-Hemmer zur Verlängerung der Levodopa-Wirkung.

Wirkstoff-Informationen

Molare Masse:
302.34 g·mol-1
Kindstoff(e):
Quelle:

Zusammenfassung der Merkmale des Arzneimittels Safinamid, Stand September 2019. 

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