Salbutamol

Salbutamol ist ein selektiver Beta-2-Adrenorezeptor-Agonist, der zur raschen Bronchodilatation durch Relaxation der glatten Bronchialmuskulatur führt. Es wird primär zur Behandlung akuter Asthmaanfälle sowie bei COPD eingesetzt.

Salbutamol

Anwendung

Salbutamol wird zur Behandlung von Atemwegserkrankungen eingesetzt, die mit einer reversiblen Atemwegsobstruktion einhergehen:

  • Akuter Asthmaanfall
  • Anfallsweise auftretende Atemnot bei Asthma bronchiale
  • Chronisch obstruktive Lungenerkrankungen (COPD) mit reversibler Komponente
  • Vorbeugung von durch Anstrengung oder Allergenkontakt ausgelösten Asthmaanfällen

Salbutamol ist in verschiedenen Darreichungsformen verfügbar, darunter Dosieraerosole und Inhalationslösungen für Vernebler.

Anwendungsart

Salbutamol wird primär durch Inhalation verabreicht, um eine schnelle und gezielte Wirkung auf die Atemwege zu erzielen. Die Anwendung erfolgt je nach Darreichungsform wie folgt:

Dosieraerosol

Der Patient sollte das Aerosol vor Gebrauch gut schütteln. Bei der Inhalation wird das Mundrohr mit den Lippen fest umschlossen, während ein tiefer und gleichmäßiger Atemzug durchgeführt wird. Ein Sprühstoß wird ausgelöst, sobald der Patient zu inhalieren beginnt. Anschließend sollte der Atem so lange wie möglich angehalten werden, um die Deposition des Wirkstoffes in den unteren Atemwegen zu maximieren.

Inhalationslösung (Vernebler)

Die Lösung wird mithilfe eines elektrischen Verneblergeräts in ein feines Aerosol umgewandelt. Der Patient inhaliert den erzeugten Nebel über ein Mundstück oder eine Gesichtsmaske, meist über mehrere Minuten hinweg. Dies ermöglicht die Verabreichung größerer Mengen Salbutamol bei akuter oder schwerer Atemnot.

Hinweis: Bei beiden Anwendungsarten ist es wichtig eine korrekte Inhalationstechnik sicherzustellen, um die therapeutische Wirksamkeit zu gewährleisten. Eine regelmäßige Schulung der Patienten, insbesondere von Kindern und älteren Personen, wird empfohlen.

Wirkmechanismus

Salbutamol ist ein selektiver Beta-2-Adrenozeptor-Agonist (Sympathomimetikum), der an Beta-2-Adrenozeptoren der glatten Bronchialmuskulatur bindet und diese aktiviert. Die Aktivierung der Rezeptoren führt zur Stimulation des G-Proteins, welches die Adenylylcyclase aktiviert. Dies resultiert in einem erhöhten intrazellulären cAMP-Spiegel.

Die cAMP aktiviert dann die Proteinkinase A (PKA), die wiederum die intrazelluläre Calciumkonzentration senkt, indem sie Calciumkanäle hemmt und die Freisetzung von Calcium aus dem sarkoplasmatischen Retikulum reduziert. Die Abnahme der freien Calciumionen führt zur Relaxation der glatten Muskulatur in den Bronchien (Bronchodilatation) und zur Hemmung der bronchokonstriktiven Substanzen wie Histamin. Die Bronchen weiten sich und die Atmung wird erleichtert.

Zusätzlich hemmt Salbutamol die Degranulation von Mastzellen, wodurch die Freisetzung entzündungsfördernder Mediatoren reduziert wird. In höheren Dosen kann Salbutamol auch Beta-1-Adrenozeptoren stimulieren, was zu kardialen Nebenwirkungen wie Tachykardie führen kann. Die bronchodilatatorische Wirkung tritt rasch ein (innerhalb von 5-10 Minuten) und hält etwa 4-6 Stunden an.

Pharmakokinetik

Resorption

  • Schnelle Resorption nach inhalativer Anwendung
  • Wirkungseintritt: innerhalb von 5-10 Minuten
  • Maximale Plasmakonzentration nach inhalativer Gabe: 0,5 -2 Stunden

Verteilung

  • Verteilungsvolumen (Vd): ca. 2,4 l/kg
  • Salbutamol verteilt sich vorrangig in der glatten Muskulatur der Bronchien.
  • Geringe Plasmaproteinbindung von ca. 10%

Elimination

  • Hauptausscheidung erfolgt renal zu 80-90%, in Form von Metaboliten und unverändertem Salbutamol
  • Geringfügige biliäre Exkretion
  • Plasmahalbwertszeit: ca. 4-6 Stunden

Spezielle Hinweise zur Pharmakokinetik

  • Bei Niereninsuffizienz kann die Elimination von Salbutamol verzögert sein, was zu einer Akkumulation führen kann.
  • Eine hohe inhalative Dosis kann zu systemischen Spiegeln führen, die kardiale Nebenwirkungen wie Tachykardie oder Hypokaliämie verstärken.
  • Bei intravenöser Gabe oder Verneblung in hohen Dosen kann eine Laktatazidose auftreten.

Dosierung

Die Dosierempfehlung richtet sich nach der Anwendungsart von Salbutamol. Die maximalen Dosen beim Vernebeln sind auf Grund des Verneblerverlustes wesentlich höher als bei der Aerosolinhalation. Die lungengängige Fraktion beim Aerosol ist somit effizienter als beim Vernebler.

Dosieraerosol (Inhalation)

Akutbehandlung bei Erwachsenen und Jugendlichen (ab 12 Jahren)

  • Einzeldosis: 1-2 Sprühstöße (100-200 µg Salbutamol)
  • Maximale Tagesgesamtdosis: 1,2 mg (12 Sprühstöße zu je 100 µg Salbutamol)

Akutbehandlung bei Kindern (4-11 Jahre)

  • Einzeldosis: 1 Sprühstoß (100 µg Salbutamol)
  • Maximale Tagesgesamtdosis: 0,6 mg (6 Sprühstöße zu je 100 µg Salbutamol)

Vorbeugung bei Belastungsasthma oder Allergenkontakt

  • Anwendung: 1 Einzeldosis 10-15 Minuten vor der Belastung

Inhalationslösung (Vernebler)

Erwachsene und Jugendliche (ab 12 Jahren)

  • Einzeldosis: 10 Tropfen (2,5 mg Salbutamol)
  • Bei Bedarf: Steigerung auf 5 mg möglich
  • Maximale Tagesdosis: Bis zu 4 Einzeldosen pro Tag (entspricht 10 mg/Tag)

Kinder (4-11 Jahre)

  • Einzeldosis: 10 Tropfen (2,5 mg Salbutamol)
  • Maximale Tagesdosis: Bis zu 4 Einzeldosen pro Tag (entspricht 10 mg/Tag)

Schwere Fälle bei Erwachsenen (unter ärztlicher Kontrolle)

  • Höchstdosis: Bis zu 40 mg/Tag (entspricht 8 ml Lösung à 5 mg/ml)

Nebenwirkungen

Die häufigsten Nebenwirkungen sind Störungen des Geschmacksempfindens und Beschwerden am Verabreichungsort, feinschlägiger Tremor, Übelkeit, Schwitzen, Unruhe, Kopfschmerzen und Schwindel. In der Regel bilden sie sich innerhalb von ein bis zwei Wochen nach Behandlungsbeginn zurück.

Bei Kindern und Jugendlichen wurden auch zentralnervöse Stimulationen wie Übererregbarkeit Hyperaktivität, Schlafstörungen und Halluzinationen beobachtet.

Im Folgenden sind weitere Nebenwirkungen nach ihrer Häufigkeit aufgelistet:

Häufig (≥1% bis <10%)

  • Muskeltremor
  • Kopfschmerzen
  • Tachykardie

Gelegentlich (≥0,1% bis <1%)

  • Palpitationen
  • Reizung im Mund- und Rachenbereich
  • Muskelkrämpfe

Selten (≥0,01% bis <0,1%)

  • Hypokaliämie
  • Periphere Vasodilatation

Sehr selten (<0,01%)

  • Überempfindlichkeit, einschließlich Angioödem, Urtikaria, Pruritus, Bronchospasmus, Hypotonie und Kollaps
  • Laktatazidose
  • Hyperaktivität
  • Herzrhythmusstörungen einschließlich Vorhofflimmern, supraventrikuläre Tachykardie und Extrasystolen
  • paradoxer Bronchospasmus

Nebenwirkungen mit unbekannter Häufigkeit

  • Hyperglykämie
  • Anstieg des Blutspiegels von Insulin
  • Nervosität
  • Schlafstörungen
  • Halluzinationen
  • Schwindel
  • Myokardischämie
  • Blutdruckanstieg oder -abfall
  • Missempfinden im Mund- und Rachenbereich
  • Husten
  • Schwitzen
  • Myalgien

Wechselwirkungen

Folgende pharmakologischen Wechselwirkungen sind bei der Anwendung von Salbutamol zu beachten:

  • Beta-Rezeptorenblocker (nicht-selektiv): 
    Können die Wirkung von Salbutamol abschwächen und zu einem Bronchospasmus führen.
  • Theophyllin und andere Sympathomimetika: 
    Verstärken die Wirkung von Salbutamol, erhöhen jedoch auch das Risiko für kardiovaskuläre Nebenwirkungen wie Tachykardie oder Herzrhythmusstörungen.
  • Digitalisglykoside: 
    Erhöhen das Risiko für kardiale Arrhythmien, vor allem bei gleichzeitiger Hypokaliämie.
  • Halogenierte Anästhetika (z. B. Halothan, Enfluran): 
    Können in Kombination mit Salbutamol das Risiko für schwere Herzrhythmusstörungen und Blutdruckabfallerhöhen.
  • Diuretika, Kortikoide und Methylxanthine (z. B. Theophyllin): 
    Verstärken die Hypokaliämie, die durch Salbutamol verursacht werden kann. Regelmäßige Kontrolle der Kaliumwerte ist empfehlenswert.
  • Monoaminoxidasehemmer (MAO-Hemmer) und trizyklische Antidepressiva: 
    Verstärken die kardiovaskuläre Wirkung von Salbutamol.
  • Mutterkornalkaloide (z. B. Ergotamin): 
    Können die Vasomotorik unvorhersehbar beeinflussen und zu vasokonstriktiven oder vasodilatatorischen Reaktionen führen.
  • Procarbazin: 
    Kann in Kombination mit Salbutamol zu hypertonen Reaktionen führen.

Kontraindikation

Salbutamol darf nicht angewendet werden bei:

  • Überempfindlichkeit gegen Salbutamol oder einen der sonstigen Bestandteile
  • Gleichzeitiger Behandlung mit nicht-selektiven Beta-Rezeptorenblockern (z. B. Propranolol)
  • Schweren Herzerkrankungen wie frischem Myokardinfarkt, tachykarden Arrhythmien oder hypertropher obstruktiver Kardiomyopathie
  • Unkontrolliertem art. Hypertonus 
  • Phäochromozytom
  • Aneurysmen

Achtung: Da Salbutamol die Leistung steigern kann, kann es zu positiven Dopingkontrollen führen.

Schwangerschaft

Salbutamol sollte während der Schwangerschaft, insbesondere im ersten Trimester, nur nach strenger Indikationsstellung angewendet werden, da es die Plazentaschranke passiert und wehenhemmende Effekte am Ende der Schwangerschaft möglich sind.

Stillzeit

Salbutamol geht wahrscheinlich in die Muttermilch über, daher sollte die Anwendung in der Stillzeit nur nach sorgfältiger Nutzen-Risiko-Abwägung erfolgen.

Verkehrstüchtigkeit

Durch individuell auftretende Nebenwirkungen wie Tremor, Schwindel oder Kopfschmerzen kann die Fähigkeit zur aktiven Teilnahme am Straßenverkehr oder zum Bedienen von Maschinen beeinträchtigt werden. Dies gilt besonders zu Behandlungsbeginn oder bei höheren Dosierungen sowie im Zusammenwirken mit Alkohol.

Anwendungshinweise

Folgende Warnhinweise und Vorsichtsmaßnahmen sind bei der Anwendung von Salbutamol zu beachten:

  • Herzerkrankungen: Bei bestehenden Herzerkrankungen wie frischem Herzinfarkt, Arrhythmien oder koronarer Herzkrankheit ist besondere Vorsicht geboten, da Salbutamol kardiale Nebenwirkungen verstärken kann.
  • Unkontrollierte Hypertonie: Bei schwerem, unbehandeltem Bluthochdruck sollte Salbutamol nur unter strenger ärztlicher Kontrolle angewendet werden.
  • Diabetes mellitus: Salbutamol kann den Blutzuckerspiegel erhöhen; bei schwer einstellbarem Diabetes ist eine engmaschige Kontrolle erforderlich.
  • Hypokaliämie: Hohe Dosen von Salbutamol können zu einer Senkung des Kaliumspiegels führen, besonders bei gleichzeitiger Anwendung von Diuretika, Kortikoiden oder Theophyllin.
  • Hyperthyreose: Patienten mit Schilddrüsenüberfunktion reagieren empfindlicher auf die sympathomimetische Wirkung von Salbutamol.
  • Phäochromozytom: Salbutamol kann Symptome verstärken, daher ist Vorsicht geboten.
  • Paradoxer Bronchospasmus: In seltenen Fällen kann Salbutamol die Atemwege verengen; bei einer Verschlechterung der Symptome muss die Behandlung sofort abgebrochen werden.
  • Zunehmender Bedarf: Ein steigender Bedarf an Salbutamol deutet auf eine Verschlechterung der Atemwegserkrankung hin und erfordert eine Überprüfung der Therapie.
  • Laktatazidose: Bei hohen Dosen kann es zu einem Anstieg des Laktatspiegels kommen, der Atemnot verstärken kann und eine Überwachung erfordert.
  • Dopinghinweis: Salbutamol kann bei Dopingkontrollen zu positiven Ergebnissen führen und die Gesundheit bei missbräuchlicher Anwendung gefährden.

Alternativen

Mögliche pharmakologische Alternativen zu Salbutamol:

Alle genannten Wirkstoffe gehören zur Gruppe der Beta-2-Sympathomimetika und bewirken eine Bronchodilatation durch Relaxation der glatten Bronchialmuskulatur. Sie unterscheiden sich vor allem in ihrer Wirkeintrittszeit und Wirkdauer (kurz- oder langwirksam).

Wirkstoff-Informationen

Molare Masse:
239.31 g·mol-1
Kindstoff(e):
Autor:
Stand:
07.01.2025
Quelle:
  1. Fachinformation Salbutamol-ratiopharm® N Dosieraerosol (2024) (aufgerufen am: 14.12.2024)
  2. Fachinformation Salbutamol-ratiopharm® Inhalationslösung (2024) (aufgerufen am: 14.12.2024)
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