Tralokinumab
Tralokinumab ist ein vollständig humaner monoklonaler IgG4-Antikörper, der spezifisch IL-13 bindet und zur Behandlung der atopischen Dermatitis/Neurodermitis angewendet wird.
Tralokinumab: Übersicht
Anwendung
Tralokinumab (Adtralza) wird angewendet zur Behandlung mittelschwerer bis schwerer atopischer Dermatitis bei Erwachsenen und Jugendlichen ab 12 Jahren, die für eine systemische Therapie in Frage kommen.
Anwendungsart
Tralokinumab wird subkutan in den Oberschenkel oder den Bauch injiziert, außerhalb eines 5 cm großen Bereiches um den Bauchnabel. Bei Verabreichung durch eine andere Person kann die Injektion auch in den Oberarm erfolgen.
Es soll darauf geachtet werden für jede Injektion eine andere Injektionsstelle zu wählen und Tralokinumab nicht an Stellen, an denen die Haut empfindlich oder verletzt ist, oder in Narbengewebe bzw. Hämatome zu injizieren.
Wirkmechanismus
Tralokinumab ist ein Antikörper der Klasse IgG4, der gezielt das Typ-2-Zytokin Interleukin-13 (IL-13) bindet und dadurch verhindert, dass IL-13 mit seinen Rezeptoren interagieren kann. Diese Bindung führt dazu, dass Tralokinumab die biologischen Effekte von IL-13 neutralisiert, indem es speziell die Interaktion von IL-13 mit einer bestimmten Rezeptorkombination (IL-13Rα1/IL-4Rα) unterbindet. IL-13 spielt eine zentrale Rolle bei der Entwicklung von Typ-2-Entzündungsprozessen, die für Erkrankungen wie die atopische Dermatitis charakteristisch sind. Durch die Blockade des IL-13-Signalweges kann Tralokinumab die Entzündungsreaktionen, die mit Typ-2-Erkrankungen einhergehen, verringern.
Pharmakokinetik
Resorption
- Nach subkutaner Verabreichung erreicht Tralokinumab seine maximale Serumkonzentration innerhalb von 5 bis 8 Tagen.
- Die absolute Bioverfügbarkeit nach subkutaner Gabe beträgt etwa 76%.
Steady-State-Konzentrationen
- Werden nach einer Initialdosis von 600 mg, gefolgt von 300 mg alle zwei Wochen, in der 16. Woche erreicht.
- Mittlere Talkonzentration im Steady-State liegt zwischen 98,0 und 101,4 μg/ml.
Verteilung
- Das Verteilungsvolumen von Tralokinumab wird auf etwa 4,2 Liter geschätzt.
Biotransformation
- Als Protein wird Tralokinumab vermutlich zu kleinen Peptiden und Aminosäuren abgebaut.
Elimination
- Erfolgt durch nicht sättigbare Proteolyse mit einer Halbwertszeit von etwa 22 Tagen.
- Die Clearance liegt zwischen 0,149 l/Tag und 0,211 l/Tag.
Linearität/Nicht-Linearität
- Die Exposition gegenüber Tralokinumab steigt zwischen 150 und 600 mg proportional zur Dosis an.
Besondere Patientengruppen
- Geschlecht: Keine klinisch relevanten Auswirkungen auf die Exposition.
- Alter: Keine klinisch relevanten Auswirkungen, auch bei Teilnehmern über 65 Jahren.
- Ethnische Zugehörigkeit: Keine klinisch relevanten Auswirkungen.
- Leberfunktionsstörung: Nicht erwartet, dass signifikante hepatische Elimination stattfindet; leichte Leberfunktionsstörung hat keinen Einfluss auf die Pharmakokinetik.
- Nierenfunktionsstörung: Nicht erwartet, dass signifikante renale Elimination stattfindet; leichte bis mäßige Nierenfunktionsstörung hat keinen signifikanten Einfluss.
- Hohes Körpergewicht: Führt zu niedrigerer Tralokinumab-Exposition.
Kinder und Jugendliche
- Pharmakokinetik bei Kindern unter 12 Jahren nicht untersucht.
- Bei Jugendlichen (12-17 Jahre) mit atopischer Dermatitis liegt die Talkonzentration im Steady-State bei etwa 112,8 μg/ml.
Dosierung
Für Erwachsene und Jugendliche ab 12 Jahren:
- Anfangsdosis: 600 mg; Verabreichungsmöglichkeiten: Vier Injektionen zu je 150 mg (Fertigspritzen) oder zwei Injektionen zu je 300 mg (Fertigpens)
- Folgedosierung: 300 mg alle zwei Wochen; Verabreichungsmöglichkeiten: Zwei Injektionen zu je 150 mg (Fertigspritzen) oder eine Injektion zu 300 mg (Fertigpen)
Optionale Anpassung nach 16 Wochen:
- Bei Patienten mit erscheinungsfreier oder fast erscheinungsfreier Haut kann eine Dosierung alle vier Wochen in Erwägung gezogen werden, allerdings mit möglicherweise geringerer Wahrscheinlichkeit zur Erhaltung des Hautzustandes.
Behandlungsbewertung nach 16 Wochen:
- Kein Ansprechen: Absetzen der Behandlung erwägen.
- Partielles Ansprechen: Fortführung der Behandlung alle zwei Wochen kann weiterhin vorteilhaft sein.
Kombinationstherapie:
- Kann mit oder ohne topische Kortikosteroide angewendet werden.
- Topische Calcineurininhibitoren sind optional, sollten aber auf Problemzonen beschränkt bleiben.
Versäumte Dosis:
- Sollte so schnell wie möglich nachgeholt werden, anschließend Fortsetzung der Dosierung zum regulär geplanten Zeitpunkt.
Nebenwirkungen
Die häufigsten Nebenwirkungen von Tralokinumab sind:
- Infektionen der oberen Atemwege (hauptsächlich als Erkältung gemeldet)
- Reaktionen an der Injektionsstelle
- Konjunktivitis
- Allergische Konjunktivitis
Wechselwirkungen
Folgende Wechselwirkungen sind bei der Anwendung von Tralokinumab zu beachten:
- Lebendimpfstoffe und attenuierte Lebendimpfstoffe: Die Sicherheit und Wirksamkeit einer gleichzeitigen Anwendung von Tralokinumab mit diesen Impfstoffen wurden nicht erforscht. Für Details zu Lebendimpfstoffen siehe spezifische Empfehlungen.
- Totimpfstoffe: Eine Studie mit erwachsenen Patienten mit atopischer Dermatitis zeigte, dass die Antikörperantworten auf einen Tdap-Kombinationsimpfstoff sowie einen Meningokokkenimpfstoff nach 12 Wochen Tralokinumab-Behandlung denen in der Placebogruppe ähnlich waren, ohne dass unerwünschte Wechselwirkungen festgestellt wurden. Daher können Totimpfstoffe parallel zu Tralokinumab verabreicht werden.
- Wechselwirkung mit Cytochrom P450 (CYP) Enzymen: Da Tralokinumab weder durch hepatische Enzyme verstoffwechselt noch renal ausgeschieden wird, sind klinisch relevante Wechselwirkungen mit Medikamenten, die CYP-Enzyme inhibieren, induzieren oder als Substrate nutzen, nicht zu erwarten. Eine Dosisanpassung bei gleichzeitiger Anwendung mit Tralokinumab ist demnach nicht nötig.
- Studien zur Pharmakokinetik von CYP-Substraten: Untersuchungen zu den Auswirkungen von Tralokinumab auf die Pharmakokinetik von Substraten verschiedener CYP-Enzyme (CYP1A2, CYP2C9, CYP2D6, CYP2C19, CYP3A) zeigten keine klinisch signifikanten Effekte. Insbesondere wurden keine Einflüsse auf Koffein und Warfarin beobachtet, und nur kleine, klinisch nicht signifikante Veränderungen wurden für Omeprazol, Metoprolol und Midazolam festgestellt. Somit ist nicht von einem klinisch relevanten Einfluss von Tralokinumab auf die Pharmakokinetik von Begleitmedikamenten, die durch CYP-Enzyme metabolisiert werden, auszugehen.
Kontraindikationen
Tralokinumab darf nicht angewendet werden bei Überempfindlichkeit gegen den Wirkstoff oder einen der genannten sonstigen Bestandteile des Arzneimittels.
Schwangerschaft
Bisher liegen nur begrenzte Erfahrungen mit der Anwendung von Tralokinumab bei Schwangeren vor. Tierexperimentelle Studien ergaben keine Hinweise auf direkte oder indirekte gesundheitsschädliche Wirkungen in Bezug auf eine Reproduktionstoxizität. Als Vorsichtsmaßnahme sollte eine Anwendung von Tralokinumab während der Schwangerschaft vermieden werden.
Stillzeit
Es ist nicht bekannt, ob Tralokinumab in die Muttermilch übergeht oder nach Einnahme systemisch absorbiert wird. Es muss eine Entscheidung darüber getroffen werden, ob das Stillen zu unterbrechen ist oder ob auf die Behandlung mit Tralokinumab verzichtet werden soll. Dabei soll sowohl der Nutzen des Stillens für das Kind als auch der Nutzen der Therapie für die Frau berücksichtigt werden.
Verkehrstüchtigkeit
Tralokinumab hat keinen oder einen zu vernachlässigenden Einfluss auf die Verkehrstüchtigkeit und die Fähigkeit zum Bedienen von Maschinen.
Anwendungshinweise
Überempfindlichkeit
Wenn eine systemische Überempfindlichkeitsreaktion (unmittelbar oder verzögert) auftritt, soll die Anwendung von Tralokinumab beendet und eine geeignete Therapie eingeleitet werden.
Bindehautentzündung
Patienten, die mit Tralokinumab behandelt werden und eine Bindehautentzündung entwickeln, die nach Standardbehandlung nicht abklingt, sollten sich einer augenärztlichen Untersuchung unterziehen.
Helminthose
Patienten mit bekannter Helminthose wurden von der Teilnahme an klinischen Studien ausgeschlossen. Es ist nicht bekannt, ob Tralokinumab die Immunantwort auf eine Helminthose durch Inhibition des IL-13-Signalwegs beeinflusst. Patienten mit einer bestehenden Helminthose sind vor Einleitung der Tralokinumab-Therapie zu behandeln. Wenn sich Patienten während der Tralokinumab-Therapie infizieren und auf eine Behandlung der Helminthose nicht ansprechen, ist die Behandlung mit Tralokinumab zu unterbrechen, bis die Infektion abgeklungen ist.
Impfungen
Lebendimpfstoffe und attenuierte Lebendimpfstoffe dürfen nicht gleichzeitig mit Tralokinumab angewendet werden, da die klinische Sicherheit und Wirksamkeit nicht erwiesen sind. Die Immunantworten auf Tetanus-Totimpfstoff und Meningokokken-Impfstoff wurden untersucht. Es wird empfohlen, vor der Behandlung mit Tralokinumab den Impfstatus der Patienten mit Lebendimpfstoffen und attenuierten Lebendimpfstoffen gemäß den aktuellen Impfempfehlungen auf den neuesten Stand zu bringen.
Alternativen
Neben Tralokinumab ist der monoklonale Antikörper Dupilumab zugelassen, der an die gemeinsame α-Untereinheit des IL-4- und IL-13-Rezeptors bindet und so in der Folge den IL4-/IL13-Signalweg inhibiert.
EMA: Fachinformation Adtralza
-
Adtralza 150 mg Abacus Injektionslösung in einer Fertigspritze
Abacus Medicine A/S
-
Adtralza® 150 mg Injektionslösung in einer Fertigspritze
LEO Pharma GmbH
-
Adtralza 150 mg kohlpharma Injektionslösung in einer Fertigspritze
kohlpharma GmbH
-
Adtralza 150 mg Orifarm Injektionslösung in einer Fertigspritze
Orifarm GmbH
-
Adtralza 300 mg Abacus Injektionslösung in einem Fertigpen
Abacus Medicine A/S
-
Adtralza® 300 mg Injektionslösung in einem Fertigpen
LEO Pharma GmbH
-
Adtralza 300 mg kohlpharma Injektionslösung in einem Fertigpen
kohlpharma GmbH
-
Adtralza 300 mg Orifarm Injektionslösung in einem Fertigpen
Orifarm GmbH










