Yohimbin

Yohimbin gilt als einer der ältesten pflanzlichen Wirkstoffe gegen erektile Dysfunktion. Als Alpha-2-Adrenozeptor-Antagonist beeinflusst er die Freisetzung von Noradrenalin und Stickstoffmonoxid – zwei Schlüsselfaktoren für die penile Gefäßregulation.

Yohimbin

Anwendung

Indikationen

Yohimbin wird angewendet zur unterstützenden Behandlung der leichten bis mittelschweren erektilen Dysfunktion im Rahmen weiterer therapeutischer Impotenzmaßnahmen.

Anwendungsart

Yohimbin ist in Form von Tabletten zu 5 mg erhältlich. Die Tabletten werden jeweils nach den Mahlzeiten mit einem Glas Wasser eingenommen. Die Behandlungsdauer beträgt üblicherweise etwa acht Wochen. Der Wirkungseintritt ist mit einer Latenz von zwei bis drei Wochen ab Einnahmebeginn zu erwarten.

Wirkmechanismus

Yohimbin ist ein kompetitiver Alpha-2-Adrenozeptor-Antagonist mit lokalisationsabhängig schwacher Affinität zu Alpha-1-Adrenozeptoren. Über präsynaptische Alpha-2-Rezeptoren an adrenergen, cholinergen und nicht-adrenergen Nervenenden hemmt Noradrenalin im Sinne einer negativen Rückkopplung seine eigene Freisetzung sowie die von Stickstoffmonoxid. Yohimbin blockiert diese Rückkopplung und steigert dadurch die Ausschüttung von Noradrenalin und Stickstoffmonoxid. An der glatten Muskulatur vermitteln Adrenalin und Noradrenalin über Alpha-2-Rezeptoren eine Kontraktion durch G-Protein-gekoppelte Inhibition der Adenylatcyclase. Die Blockade peniler Alpha-2-Rezeptoren durch Yohimbin sowie die erhöhten Stickstoffmonoxidspiegel vermindern die Kontraktilität und erhöhen die Relaxation, wodurch eine penile Erektion gefördert wird. Darüber hinaus wird eine zentrale Wirkung von Yohimbin diskutiert, die über das autonome Nervensystem die Erektion begünstigt. Zudem scheint Yohimbin die Dilatation peniler Blutgefäße zu fördern und direkt auf peniles Gewebe zu wirken. Ferner werden antagonistische Eigenschaften an dopaminergen D2-Rezeptoren sowie Aktivität an serotonergen 5-HT- und cholinergen Rezeptoren angenommen. Der exakte Wirkmechanismus bei erektiler Dysfunktion ist noch nicht vollständig verstanden.

Pharmakokinetik

Resorption

  • Yohimbin wird innerhalb von etwa einer Stunde vollständig resorbiert.
  • Die maximalen Plasmaspiegel werden nach 45–120 Minuten erreicht.
  • Die Bioverfügbarkeit unterliegt sehr starken inter- und intraindividuellen Schwankungen, was vor allem auf einen hepatischen First-Pass-Effekt zurückzuführen ist.

Verteilung

  • Yohimbin weist eine hohe Gewebsbindung auf.
  • Im Plasma ist Yohimbin zu ca. 82 % an Protein gebunden.
  • Nur ein geringer Anteil des Yohimbins sowie der aktive Metabolit 11-Hydroxyyohimbin sind in der Zerebrospinalflüssigkeit nachweisbar.

Metabolismus

  • Es konnten zwei hydroxylierte Metaboliten nachgewiesen werden: 10-Hydroxyyohimbin und der aktive Metabolit 11-Hydroxyyohimbin.

Elimination

  • Die Elimination erfolgt sowohl über hepatische als auch extrahepatische Metabolisierungswege.
  • Die Eliminationshalbwertszeit nach Einzelgabe variiert zwischen 0,25 und 2,5 Stunden (15–150 Minuten).
  • Der aktive Metabolit 11-Hydroxyyohimbin wird mit einer längeren Halbwertszeit von ca. 6 Stunden eliminiert.

Besondere Hinweise

  • Die Plasmakonzentrationen weisen generell eine hohe individuelle Variabilität auf.
  • Bei älteren Patienten kann die maximale Plasmakonzentration und AUC des aktiven Metaboliten 11-Hydroxyyohimbin verringert sein. Die klinische Relevanz ist unbekannt.

Dosierung

Die Therapie beginnt mit 2 × 1 Tablette (10 mg) pro Tag. Bei guter Verträglichkeit kann die Dosis schrittweise auf maximal 3 × 2 Tabletten (30 mg) pro Tag gesteigert werden. Beim Auftreten von Nebenwirkungen ist die Dosis zu reduzieren bzw. das Arzneimittel abzusetzen. 

Nebenwirkungen

  • Häufig: Schlaflosigkeit, Angst, Unruhe, Agitiertheit, Reizbarkeit, Kopfschmerzen, Übelkeit, erhöhte Häufigkeit des Wasserlassens.
  • Gelegentlich: Nervosität, verminderte Libido, Schwindelgefühl, kalte Füße, Parästhesien, Steigerung des Blutdrucks und der Herzfrequenz, Herzklopfen, Tachykardie, Hypotonie, allergische Reaktionen, Erbrechen, Appetitlosigkeit, gastrointestinale Störungen (epigastrischer Schmerz, Reflux, Flatulenz, Obstipation, Durchfall), Hautrötung, Ausschlag, Urtikaria, vermehrter Haarwuchs, Schwitzen, Schüttelfrost, Fieber, Ermüdung.
  • Sehr selten: Tremor, Bronchospasmus, Exanthem, Dysurie, verminderter Harndrang, Schmerzen im Genitalbereich.
  • Nicht bekannt: Agranulozytose.

Wechselwirkungen

Folgende Wechselwirkungen sind bei der Anwendung von Yohimbin zu beachten:

  • Antihypertensiva: Yohimbin kann die Wirkung antihypertensiv wirksamer Substanzen antagonisieren.
  • Clonidin: Die gleichzeitige Anwendung ist zu vermeiden, da sich die Wirkungen gegenseitig aufheben.
  • Antidepressiva: Die Wirkung bzw. Nebenwirkungen von Antidepressiva können verstärkt werden. Interaktionen wurden für Antidepressiva vom Imipramin-Typ, Fluoxetin, Clomipramin und Amitriptylin gezeigt. Clomipramin erhöht die Plasmaspiegel von Yohimbin und kann zu dessen Wirkungssteigerung führen.
  • Alprazolam: Yohimbin antagonisiert die Verhaltens- und biochemische Reaktion sowie die Blutdruckreaktion auf Alprazolam.
  • Amphetamine: Von einer gleichzeitigen Verabreichung wird aufgrund einer möglichen Wirkungsverstärkung dringend abgeraten.
  • Opiate: Yohimbin kann zu einer Wirkungssteigerung von Opiaten führen.
  • Phenothiazine: Wechselwirkungen sind möglich.
  • Sibutramin: Insbesondere bei Patienten mit kardiovaskulären Risikofaktoren wird von einer gleichzeitigen Verabreichung abgeraten, da dies möglicherweise zu Tachykardie und Blutdrucksteigerung führt.

Kontraindikationen

Yohimbin darf nicht angewendet werden bei:

Schwangerschaft

Yohimbin ist ausschließlich zur Behandlung von Männern zugelassen und nicht für die Anwendung bei Frauen indiziert. Tierexperimentelle Studien an männlichen Ratten zeigten keine Auswirkungen auf Fertilität oder Reproduktionsverhalten; bei Dosierungen oberhalb von 6 mg/kg Körpergewicht wurden jedoch erniedrigte Hoden- und Nebenhodengewichte beobachtet. Daten über die Wirkungen auf die Fertilität beim Menschen liegen nicht vor.

Stillzeit

Yohimbin ist nicht zur Behandlung von Frauen indiziert. Eine Anwendung in der Stillzeit ist nicht vorgesehen.

Verkehrstüchtigkeit

Yohimbin kann individuell unterschiedliche Reaktionen hervorrufen und die Fähigkeit zur aktiven Teilnahme am Straßenverkehr oder zum Bedienen von Maschinen beeinträchtigen. Dies gilt in verstärktem Maße im Zusammenwirken mit Alkohol.

Anwendungshinweise

Folgende Warnhinweise und Vorsichtsmaßnahmen sind bei der Anwendung von Yohimbin zu beachten:

  • Bei schweren organisch oder psychisch bedingten Erektionsstörungen sowie bei organischer Genese mit möglicher Kausaltherapie ist Yohimbin nicht angezeigt.
  • Bei Epileptikern kann Yohimbin die Anfallsneigung erhöhen.
  • Yohimbin kann eine bestehende Niereninsuffizienz verschlechtern.
  • Eine eingeschränkte Leberfunktion kann die Biotransformation von Yohimbin beeinträchtigen und dessen Wirkungen und Nebenwirkungen verstärken.
  • Die Effekte bei gleichzeitiger Einnahme weiterer Medikamente zur Behandlung der erektilen Dysfunktion sind nicht bekannt; eine Potenzierung von Nebenwirkungen kann nicht ausgeschlossen werden.

Alternativen

Als mögliche Alternativen zu Yohimbin können folgende Wirkstoffe infrage kommen:

Wirkstoff-Informationen

Molare Masse:
354.44 g·mol-1
Kindstoff(e):
Autor:
Stand:
07.08.2026
Quelle:

Fachinformation YOCON-GLENWOOD® Tabletten 5 mg, CHEPLAPHARM Arzneimittel GmbH (Stand: Februar 2017)

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1 Präparate mit Yohimbin