Landiolol

Landiolol ist ein ultra-kurzwirksamer Beta-1-Adrenozeptor-Blocker, der in der Akutbehandlung von supraventrikulären Tachykardien sowie zur schnellen Kontrolle der Kammerfrequenz bei Vorhofflimmern oder Vorhofflattern eingesetzt wird, besonders peri- oder postoperativ.

Landiolol

Anwendung

Landiolol ist zugelassen zur Behandlung von supraventrikulären Tachykardien (SVT), einschließlich Vorhofflimmern und Vorhofflattern, sowie zur schnellen Kontrolle der Herzfrequenz bei nicht-kompensierter Sinustachykardie. Es wird insbesondere in Situationen angewendet, in denen eine schnelle, aber kurz wirkende Senkung der Herzfrequenz erforderlich ist, z. B. in der Intensivmedizin oder perioperativ bei Herzpatienten.

Landiolol ist ein ultrakurz wirksamer Betablocker, der sich durch eine schnelle Einsetzbarkeit und kurze Halbwertszeit auszeichnet, was ihn in Notfallsituationen besonders nützlich macht.

Anwendungsart

Landiolol wird intravenös verabreicht und muss vor der Anwendung rekonstituiert und sofort nach dem Öffnen verwendet werden. Landiolol wird über einen zentralen oder peripheren Zugang verabreicht, jedoch nicht durch denselben Zugang wie andere Medikamente. Obwohl nach 24 Stunden kontinuierlicher Infusion keine Entwöhnungs-Tachykardie beobachtet wurde, ist eine engmaschige Überwachung der Patienten nach Beendigung der Verabreichung erforderlich.

Wirkmechanismus

Landiolol ist ein Betablocker, der die Beta-1-Rezeptoren am Herzen blockiert und dadurch die Wirkung der Katecholamine Adrenalin und Noradrenalin reduziert.

Diese Blockade führt zu einer Hemmung der Adenylylcyclase-Aktivierung und damit zu einer verminderten cAMP-Produktion. Infolgedessen sinkt die intrazelluläre Kalziumkonzentration, was eine Verringerung der Herzfrequenz, eine Verzögerung der atrioventrikulären Überleitung und eine Verlängerung der Refraktärzeit bewirkt.

Der schnelle Wirkungseintritt und das rasche Abklingen machen Landiolol besonders geeignet für die kurzfristige Kontrolle von Herzrhythmusstörungen, insbesondere bei perioperativen und postoperativen Patienten.

Pharmakokinetik

Resorption

  • Höchster Plasmaspiegel nach Bolusgabe: 0,294 µg/ml bei 100 µg/kg
  • Gleichgewichtsplasmaspiegel nach Infusion (10-40 µg/kg/min): 0,2-0,8 µg/ml
  • Höchste Plasmaspiegel bei kontinuierlicher Infusion (bis 80 µg/kg/min): 1,51-3,33 µg/ml
  • Keine signifikante Reabsorption durch renale Transporter (OAT1, OAT3, OCT2)

Verteilung

  • Verteilungsvolumen: 0,3-0,4 l/kg
  • Geringe Proteinbindung (<10%), dosisabhängig

Metabolismus

  • Metabolisiert durch Hydrolyse im Plasma, hauptsächlich durch Pseudocholinesterasen und Carboxylesterasen.
  • Hauptmetaboliten: M1 und M2, beide mit minimaler Beta-1-Adrenorezeptor-Aktivität
  • Keine relevante Hemmung oder Induktion von CYP450-Enzymen

Elimination

  • Ausscheidung primär über den Urin (75% innerhalb von 4 Stunden)
  • Hauptmetaboliten M1 und M2: >99% Ausscheidung innerhalb von 24 Stunden
  • Gesamtkörper-Clearance: 57-66,1 ml/kg/min
  • Eliminationshalbwertszeit: 3,20-4,52 Minuten

Spezielle Hinweise und therapierelevante Schlussfolgerungen

  • Schnelle Resorption und kurze Halbwertszeit ermöglichen eine präzise Steuerung der Therapie, besonders geeignet für Situationen, in denen eine schnelle Dosisanpassung notwendig ist.
  • Die minimale Interaktion mit CYP450-Enzymen reduziert das Risiko von Arzneimittelwechselwirkungen, was Landiolol sicherer macht bei gleichzeitiger Gabe anderer Medikamente.
  • Aufgrund der schnellen Elimination ist eine kontinuierliche Überwachung der Patienten nach Infusionsende erforderlich, um das Wiederauftreten von Tachykardien zu verhindern.
  • Bei Patienten mit leichter bis mittelschwerer Leberfunktionsstörung kann es zu einer Erhöhung der Plasmaspiegel um 40% kommen, sodass eine Dosisanpassung empfohlen wird.

Dosierung

  • Initiale Infusionsrate: 10 – 40 µg/kg/min, Wirkungseintritt innerhalb von 10 – 20 Minuten
  • Schneller Wirkungseintritt (optional): 100 µg/kg/min als Bolusgabe über 1 Minute, gefolgt von einer kontinuierlichen Infusion von 10 – 40 µg/kg/min
  • Maximaldosis: Erhaltungsdosis bis 80 µg/kg/min, Tageshöchstdosis 57,6 mg/kg/Tag (40 µg/kg/min für 24 Stunden)

Dosierungsempfehlungen bei spezielle Patientengruppen

  • Kardiale Dysfunktion/Septischer Schock: Beginnend mit 1 µg/kg/min, schrittweise Erhöhung nach Bedarf bis maximal 40 µg/kg/min
  • Leberfunktionsstörung: Vorsichtige Dosierung, Start mit niedrigerer Dosis empfohlen
  • Ältere Patienten und Nierenfunktionsstörung: Keine Dosisanpassung erforderlich

Bei Umstieg auf eine alternative medikamentöse Therapie, sollte eine Reduktion der Infusionsrate um 50% innerhalb der ersten Stunde nach Beginn der alternativen Medikation durchgeführt werden. Das vollständige Absetzen erfolgt durch Überwachung beim Erreichen der klinischen Stabilität.

Nebenwirkungen

Am häufigsten beobachtete Nebenwirkungen (≥ 10%) von Landiolol:

Wechselwirkungen

  • Calciumkanalantagonisten: Die gleichzeitige Verwendung von Calciumkanalantagonisten (z. B. Nifedipin) kann das Risiko einer Hypotonie erhöhen. Bei Herzinsuffizienz kann die Kombination mit Betablockern die Herzinsuffizienz verschlimmern; daher sollte Landiolol vorsichtig titriert und die Hämodynamik überwacht werden.
  • Antiarrhythmika: Landiolol kann in Kombination mit Verapamil, Diltiazem, Antiarrhythmika der Klasse I, Amiodaron oder Digitalispräparaten die Herzfunktion übermäßig unterdrücken und/oder zu Leitungsabnormalitäten führen. Landiolol sollte nicht gleichzeitig mit Verapamil oder Diltiazem bei Patienten mit atrioventrikulären Leitungsabnormalitäten angewendet werden.
  • Antidiabetika: Die gleichzeitige Gabe von Landiolol und Insulin oder oralen Antidiabetika kann die blutzuckersenkende Wirkung beeinflussen und Anzeichen einer Hypoglykämie verschleiern. Die Blutzuckerwerte sollten überwacht werden.
  • Anästhetika: Während der Narkose kann Landiolol das Risiko von Arrhythmien reduzieren, aber gleichzeitig die Wirkung von Inhalationsanästhetika verstärken. Die Dosierung sollte angepasst werden, um die Hämodynamik zu stabilisieren. Vorsicht ist geboten, wenn Landiolol mit herzfrequenzsenkenden Anästhetika oder Esterasesubstraten verwendet wird.
  • NSAR: Nichtsteroidale Antirheumatika (NSAR) können die blutdrucksenkenden Effekte von Betablockern verringern. Bei gleichzeitiger Anwendung von NSAR wie Floctafenin sollte besondere Vorsicht geboten sein.
  • Blutdrucksenkende Medikamente: Die Kombination von Landiolol mit trizyklischen Antidepressiva, Barbituraten, Phenothiazinen oder anderen Antihypertensiva kann die blutdrucksenkende Wirkung verstärken, was eine sorgfältige Dosierung erfordert.
  • Sympathomimetika: Sympathomimetika mit beta-adrenerger Aktivität können die Wirkungen von Landiolol entgegenwirken. Die Dosis sollte je nach Reaktion des Patienten angepasst oder alternative Therapien in Betracht gezogen werden.
  • Katecholamin-depletierende Mittel: Medikamente wie Reserpin und Clonidin können in Kombination mit Landiolol zu verstärkter Hypotonie oder Bradykardie führen.
  • Heparin: Bei gleichzeitiger Verabreichung von Heparin kann es zu einer Reduktion des Landiolol-Plasmaspiegels um 50% kommen, was eine Anpassung der Dosierung erforderlich machen könnte.
  • Anaphylaktische Reaktionen: Betablocker können die Wirkung von Epinephrin bei anaphylaktischen Reaktionen vermindern. In solchen Fällen kann eine intravenöse Injektion von Glucagon hilfreich sein.
  • Metaboliten: Die Auswirkungen der Landiolol-Metaboliten M1 und M2 auf andere Arzneimittel sind nicht gut untersucht, werden jedoch als klinisch nicht relevant angesehen.

Kontraindikationen

Landiolol darf nicht angewendet werden bei:

  • Überempfindlichkeit gegen den Wirkstoff oder sonstige Bestandteile
  • Schwerer Bradykardie
  • Sinusknotensyndrom
  • AV-Block 2. oder 3. Grades
  • Kardiogenen Schock
  • Schwerer Hypotonie
  • Dekompensierte Herzinsuffizienz, sofern sie nicht mit der Arrhythmie zusammenhängt
  • Pulmonale Hypertonie
  • Unbehandeltes Phäochromozytom
  • Akuten Asthmaanfall
  • Schwerer, unkorrigierbarer metabolischen Azidose

Schwangerschaft

Es liegen begrenzte Daten zur Anwendung von Landiolol in der Schwangerschaft vor. Aufgrund der möglichen Risiken sollte die Anwendung in der Schwangerschaft vermieden und das Neugeborene nach der Geburt engmaschig überwacht werden.

Stillzeit

Es ist nicht bekannt, ob Landiolol oder seine Metaboliten in die Muttermilch übertreten, jedoch zeigen Tierstudien eine Exkretion in die Milch. Eine Entscheidung über das Stillen sollte auf Basis des Nutzen-Risiko-Verhältnisses getroffen werden, wobei der Nutzen für das Kind und die Mutter berücksichtigt werden müssen.

Verkehrstüchtigkeit

Da Landiolol ein ultra-kurz wirksamer Wirkstoff ist, der nur im Rahmen einer intensiven klinischen Überwachung angewendet wird, ist der Einfluss auf die Verkehrstüchtigkeit praktisch nicht relevant.

Anwendungshinweise

Folgende Warnhinweise und Vorsichtsmaßnahmen sind bei der Anwendung von Landiolol zu beachten:

  • Rekonstitution und Anwendung: Landiolol muss vor der Anwendung rekonstituiert und sofort nach dem Öffnen verwendet werden.
  • Überwachung: Kontinuierliche Überwachung von Blutdruck und EKG bei allen Patienten ist empfohlen.
  • Syndrom vor der Untersuchung: Bei Patienten mit Vorhofflimmern und vorzeitigem Erregungssyndrom ist Landiolol wegen des Risikos einer verstärkten ventrikulären Fibrillation zu vermeiden.
  • Kardialer Block ersten Grades: Landiolol sollte bei Patienten mit kardialem Block ersten Grades nur mit Vorsicht eingesetzt werden.
  • Prinzmetal-Angina:  Landiolol nur mit großer Vorsicht anwenden.
  • Herzinsuffizienz und hämodynamisch instabile Patienten: Landiolol sollte bei Zuständen, welche die myokardiale Kontraktilität beeinträchtigen, nur sorgfältig angewendet werden.
  • Gleichzeitige Verabreichung: Die gleichzeitige Gabe von Landiolol mit Verapamil oder Diltiazem wird bei Patienten mit atrioventrikulären Leitungsabnormalitäten nicht empfohlen.
  • Diabetes-Patienten: Landiolol sollte bei Diabetes oder Hypoglykämie nur vorsichtig verwendet werden, da Betablocker Symptome einer Hypoglykämie verschleiern können.
  • Nierenversagen: Bei Nierenfunktionsstörungen sollte Landiolol mit Vorsicht verwendet werden, da der Hauptmetabolit M1 möglicherweise akkumulieren kann.
  • Phäochromozytom: Landiolol sollte bei Phäochromozytom nur nach Vorbehandlung mit Alpha-Rezeptor-Blockern verwendet werden.
  • Bronchospastische Erkrankung: Bei bronchospastischen Erkrankungen sollte Landiolol wegen seiner Beta-1-Selektivität nur mit Vorsicht angewendet werden. Bei Bronchospasmen ist die Infusion sofort abzubrechen.
  • Periphere Durchblutungsstörungen: Bei peripheren Durchblutungsstörungen sollte Landiolol nur mit äußerster Vorsicht eingesetzt werden. Betablocker können anaphylaktische Reaktionen verschärfen.

Alternativen

Mögliche Alternativen zu Landiolol sind:

Diese Medikamente sind selektive Beta-1-Adrenorezeptor-Inhibitoren, die hauptsächlich auf das Herz wirken, um die Herzfrequenz zu senken und den Blutdruck zu reduzieren. Sie werden häufig zur Behandlung von Hypertonie, Herzinsuffizienz und Tachykardien eingesetzt.

Wirkstoff-Informationen

Molare Masse:
509.59 g·mol-1
Kindstoff(e):
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2 Präparate mit Landiolol