Minocyclin
Minocyclin ist ein Breitbandantibiotikum aus der Klasse der Tetracycline. Es wird zur Behandlung zahlreicher bakterieller Infektionen eingesetzt, insbesondere bei Infektionen mit intrazellulären Erregern sowie zur Therapie bestimmter dermatologischer Erkrankungen.
Minocyclin: Übersicht

Anwendung
Minocyclin ist indiziert zur Behandlung von Infektionen mit Minocyclin-empfindlichen Erregern, insbesondere bei:
- Atemwegsinfektionen (z. B. akute Schübe chronischer Bronchitis, Sinusitis, Pneumonien durch Mykoplasmen, Rickettsien und Chlamydien)
- Infektionen des HNO-Bereichs (Otitis media)
- Urogenitalinfektionen (z. B. Urethritis durch Chlamydia trachomatis oder Ureaplasma urealyticum, Prostatitis, unkomplizierte Gonorrhoe, Syphilis bei Penicillin-Allergie)
- Gastrointestinale Infektionen (z. B. Cholera, Yersiniose, Campylobacteriose, Shigellose)
- Hauterkrankungen wie schwere Akne vulgaris oder Rosazea
- Infektionen durch Borrelia burgdorferi (z. B. Erythema chronicum migrans)
- Seltene bakterielle Infektionen (u. a. Brucellose, Ornithose, Listeriose, Bartonellose)
- Umgebungsprophylaxe bei Meningokokken-Meningitis
Anwendungsart
Minocyclin wird oral in Form von Hartkapseln eingenommen. Die Einnahme erfolgt idealerweise zu den Mahlzeiten mit ausreichend Flüssigkeit, jedoch nicht mit Milchprodukten. Die Einnahme im Liegen oder unmittelbar vor dem Schlafengehen ist zu vermeiden.
Wirkmechanismus
Minocyclin hemmt die bakterielle Proteinsynthese durch reversible Bindung an die 30S-Untereinheit des Ribosoms. Dadurch wird die Anlagerung der Aminoacyl-tRNA blockiert und die Elongation der Peptidkette unterbrochen. Die Wirkung ist vorwiegend bakteriostatisch. Es besteht eine Kreuzresistenz mit anderen Tetracyclinen, wobei Minocyclin gegenüber einigen tetracyclinresistenten Stämmen wirksam sein kann.
Pharmakokinetik
- Resorption: Fast vollständige enterale Resorption mit Plasmaspiegeln nach 30–60 Minuten
- Verteilung: Gute Gewebepenetration, hohe Konzentrationen in Leber, Galle und Liquor bei entzündeten Meningen; Proteinbindung ca. 70–75 %
- Metabolismus: Ca. 50 % metabolisiert
- Elimination: Überwiegend biliär/fäkal (über Galle und Darmschleimhaut), zu ca. 10–15 % renal; Halbwertszeit 14–22 Stunden
Dosierung
Die Dosierung richtet sich nach Körpergewicht, Alter, Infektionsart und Schweregrad:
- Erwachsene und Jugendliche über 50 kg KG: Initial 200 mg, anschließend 100 mg alle 12 Stunden
- Kinder ab 8 Jahren (< 50 kg KG): Initial 4 mg/kg KG, danach 2 mg/kg KG alle 12 Stunden (in geeigneter Darreichungsform)
Spezialdosierungen:
- Gonorrhoe: 2 × 100 mg/Tag über 7–10 Tage
- Syphilis: Initial 200 mg, dann 2 × 100 mg/Tag für 15 Tage
- Akne/Rosazea: 1 × 100 mg/Tag, 7–21 Tage
- Meningokokkenprophylaxe: 2 × 100 mg/Tag für 3 Tage
Nebenwirkungen
Zu den häufigsten Nebenwirkungen zählen:
- Gastrointestinal: Übelkeit, Erbrechen, Bauchschmerzen, Durchfall
- ZNS: Kopfschmerzen, Benommenheit, intrakranielle Drucksteigerung
- Haut: Exanthem, Juckreiz, photosensible Reaktionen, schwerwiegende Hautreaktionen (z. B. Stevens-Johnson-Syndrom)
- Allergisch/immunologisch: Hypersensitivität, Arzneimittelexanthem, DRESS-Syndrom
- Weitere: Zahnverfärbungen (v. a. bei Kindern), reversible Myopie, Leber- und Nierenschädigungen bei Langzeittherapie
Wechselwirkungen
Folgende Wechselwirkungen sind bei der Anwendung von Minocyclin zu beachten:
- Milchprodukte, Eisen-, Magnesium-, Calciumpräparate: vermindern die Resorption
- Antiepileptika (z. B. Carbamazepin, Barbiturate): beschleunigen den Metabolismus
- Betalaktam-Antibiotika: gegenseitige Wirkungsabschwächung
- Isotretinoin: erhöht das Risiko eines Pseudotumor cerebri
- Theophyllin: vermehrt GI-Beschwerden möglich
- Antidiabetika/Antikoagulanzien: mögliche Wirkungsverstärkung
- Methotrexat, Ciclosporin A: potenzierte Toxizität
- Methoxyfluran/Nierentoxine: erhöhtes Risiko für Nierenschäden
- Laboranalysen: Interferenzen bei Harnzucker-, Eiweiß- und Katecholaminnachweisen möglich
Kontraindikationen
Minocyclin darf nicht angewendet werden bei:
- Überempfindlichkeit gegen Minocyclin, andere Tetracycline oder Bestandteile des Präparats
- Schweren Leberfunktionsstörungen
- Kindern unter 8 Jahren wegen Risiken für Zahnverfärbungen und Knochenwachstumsstörungen
Schwangerschaft
Minocyclin darf während der Schwangerschaft nicht angewendet werden, es sei denn, der therapeutische Nutzen überwiegt eindeutig das potenzielle Risiko. Minocyclin kann beim Feten Zahn- und Knochenschäden verursachen.
Stillzeit
Da Minocyclin in die Muttermilch übergeht und potenziell das Kind schädigen kann, sollte Minocyclin in der Stillzeit nicht angewendet werden.
Verkehrstüchtigkeit
Minocyclin kann das Reaktionsvermögen beeinträchtigen. Die gleichzeitige Einnahme mit Alkohol verstärkt diesen Effekt. Vorsicht ist beim Führen von Fahrzeugen oder Bedienen von Maschinen geboten.
Anwendungshinweise
Folgende Warnhinweise und Vorsichtsmaßnahmen sind bei der Anwendung von Minocyclin zu beachten:
- Allergien: Risiko schwerer Überempfindlichkeitsreaktionen; sorgfältige Anamnese erforderlich
- Lupus erythematodes: kann ausgelöst oder verschlechtert werden
- Pseudomembranöse Kolitis: bei anhaltender Diarrhoe an diese Komplikation denken
- Hepatotoxizität: mögliche immunvermittelte oder toxische Leberreaktionen
- Myasthenia gravis: mögliche Verschlimmerung der Symptome
- Intrakranieller Druckanstieg: reversible Pseudotumor-cerebri-Symptomatik möglich
- Schwerwiegende Hautreaktionen: bei Symptomen wie Hautausschlag oder Blasen sofort Therapieabbruch
- Phototoxizität: Sonnenbestrahlung vermeiden
- Ösophagitis-Risiko: nicht im Liegen oder vor dem Schlafengehen einnehmen
- Langzeittherapie: regelmäßige Laborkontrollen (Blutbild, Leber-, Nierenwerte) erforderlich
- Chelatbildung: keine gleichzeitige Einnahme mit mehrwertigen Kationen
Alternativen
Als mögliche Alternativen zu Minocyclin kommen u.a. folgende Wirkstoffe infrage:
- Doxycyclin
- Tetracyclin
- Makrolide (z. B. Erythromycin) bei Unverträglichkeit oder Kontraindikationen
Wirkstoff-Informationen
Fachinformation Minocyclin-ratiopharm® 100 mg Hartkapseln, Stand März 2024










