Kompakt: Cannabis in der Krebsschmerztherapie

Der Einsatz von medizinischem Cannabis in der Krebstherapie nimmt zu, jedoch sind die Ergebnisse bezüglich seiner Wirksamkeit und Sicherheit weiterhin kontrovers. Ein Review eines multinationalen Gremiums zur unterstützenden Behandlung von Krebspatienten unterstreicht insbesondere gravierende Bedenken. Hier alles auf einen Blick:

Cannabis Krebsschmerztherapie

Cannabis in der Medizin

  • Hauptbestandteile: Tetrahydrocannabinol (THC) und Cannabidiol (CBD)
  • Wirkmechanismus: beeinflussen GABAerge Interneurone und steigern dadurch die Dopaminausschüttung
  • Risiken (vor allem bei chronischem Konsum): physische und psychische Nebenwirkungen, einschließlich neurotoxischer Effekte

Cannabis in der Krebstherapie

  • Wachsender Trend trotz potenzieller Nebenwirkungen
  • Verwendung in Form von Ölextrakten, getrockneten Blüten und Fertigarzneimitteln
  • 18% der Krebspatienten nutzen Cannabis, hauptsächlich zur Schmerzlinderung

Das Review zur Datenlage

  • Durchgeführt vom multinationalen Komitee zur supportiven Therapie bei Krebserkrankungen (MASCC)
  • Auswertung von 34 randomisierten Studien und systematischen Reviews
  • Fazit: wenig überzeugende Evidenz und eine nicht zufriedenstellende Datenqualität

Hauptkritikpunkte und Bedenken

  • Die Fehlinterpretation von Daten aus Beobachtungs- und prospektiven Kohortenstudien in vielen Artikeln: Annahme von Kausalität, obwohl lediglich eine Korrelation vorliegt
  • Zudem wurden nicht signifikante Ergebnisse irreführend als "Tendenz" dargestellt
  • Begrenzte Langzeit-Sicherheitsdaten für Cannabinoide in der Krebsbehandlung: unerwünschte Nebenwirkungen können vor allem für durch Chemotherapie geschwächte Patienten gefährlich sein
  • Die Annahme, dass Cannabis die Opioid-Dosen bei Krebsschmerzen reduzieren könnte, konnte durch die Studien nicht belegt werden
  • Die Untersuchungen zeigen eine komplexe Beziehung zwischen Cannabis und Opioiden, wobei die Verstärkung von Opioid-Nebenwirkungen problematisch ist
  • Die immunsuppressive Wirkung der Cannabinoide kann möglicherweise die Effektivität einer Immuntherapie mit Checkpoint-Inhibitoren beeinträchtigen
  • Mögliche Wechselwirkungen zwischen Cannabis und anderen Medikamenten können nicht ausgeschlossen werden

Fazit und Ausblick

  • MASCC spricht sich bei der aktuellen Datenlage klar gegen den Einsatz von Cannabinoiden als ergänzendes Schmerzmittel aus
  • Das Komitee fordert bessere Studien, die sich umfassend und objektiv mit den Risiken und Vorteilen von Cannabis auseinandersetzen

Hier geht's zum Langtext Cannabis in der Krebsschmerztherapie: Ein Review zur aktuellen Evidenz

Autor:
Stand:
09.10.2023
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