Rund jeder fünfte Erwachsene in Deutschland leidet unter einer erhöhten Stressbelastung. Besonders betroffen sind Frauen, Menschen im erwerbsfähigen Alter sowie Personen mit niedriger oder mittlerer Bildung. Das zeigt eine aktuelle Auswertung des Robert Koch-Instituts (RKI) auf Basis der repräsentativen Panelstudie „Gesundheit in Deutschland“, deren Ergebnisse jetzt im Journal of Health Monitoring veröffentlicht wurden.
Stress als Gesundheitsrisiko
Stress gilt als wichtiger Risikofaktor für die körperliche und psychische Gesundheit. Chronisch wahrgenommener Stress kann langfristige Veränderungen von emotionalen, körperlichen und verhaltensbezogenen Reaktionen auslösen und damit die Entstehung und den Verlauf von Erkrankungen beeinflussen. Er wird unter anderem mit Herz-Kreislauf-Erkrankungen, Depressionen, einer erhöhten Sterblichkeit sowie einem geringeren psychischen Wohlbefinden in Verbindung gebracht.
Wie Menschen mit belastenden Situationen umgehen, spielt dabei eine entscheidende Rolle. Zur Stressbewältigung kommen sogenannte Copingstrategien zum Einsatz, also kognitive, emotionale und verhaltensbezogene Methoden, um Belastungen zu bewältigen. Welche Strategien angewendet werden, beeinflusst maßgeblich, wie erfolgreich Stress verarbeitet werden kann.
Jeder fünfte mit erhöhter Stressbelastung
Für die Untersuchung wurden Daten von 27.102 Erwachsenen zwischen 18 und 99 Jahren ausgewertet, darunter mehr als 14.000 Frauen und über 12.000 Männer. Die Daten stammen aus der Jahreserhebung 2024 des RKI-Panels „Gesundheit in Deutschland“, das die deutschsprachige Bevölkerung in Privathaushalten regelmäßig befragt und Entwicklungen im Zeitverlauf erfassen soll.
Insgesamt wiesen 19,9 % der Befragten eine erhöhte Stressbelastung auf. Frauen berichteten deutlich häufiger von Stress als Männer.
Besonders hoch war die Belastung bei jungen Erwachsenen zwischen 18 und 29 Jahren. Mit zunehmendem Alter nahm das Stressempfinden zunächst ab, stieg bei den über 80-Jährigen jedoch wieder leicht an. Auch Menschen mit niedriger oder mittlerer formaler Bildung waren häufiger betroffen als Personen mit hohem Bildungsabschluss.
Aktive Bewältigungsstrategien helfen
Neben dem Stresserleben untersuchten die Wissenschaftler auch verschiedene Copingstrategien. Am häufigsten wurden Problemlösen, Beharrlichkeit und Coping-Flexibilität genannt. Letztere beschreibt die Fähigkeit, je nach Situation unterschiedliche Bewältigungsstrategien einzusetzen.
Die Analyse zeigte deutliche Unterschiede zwischen hilfreichen und weniger hilfreichen Strategien: Problemlösen, Coping-Flexibilität und proaktives Handeln gingen mit geringerem Stresserleben einher. Verdrängung und Wunschdenken waren dagegen mit einer höheren Stressbelastung verbunden.
Unterschiede zwischen den Bevölkerungsgruppen
Frauen nutzten häufiger soziale Unterstützung, berichteten aber auch häufiger über Verdrängung und Wunschdenken. Männer setzten eher auf problemlösende und proaktive Strategien. Zudem zeigte sich, dass ältere Menschen häufiger adaptive Bewältigungsstrategien anwenden und seltener auf vermeidende Verhaltensweisen zurückgreifen. Personen mit höherer Bildung berichteten häufiger über aktive und gesundheitsförderliche Copingstrategien und gleichzeitig seltener über Verdrängung oder Wunschdenken.
Ansatzpunkte für Prävention
Die Autoren betonen die hohe Bedeutung des Themas für die öffentliche Gesundheit. Ihre Ergebnisse würden die Public-Health-Relevanz von Stress unterstreichen und zugleich auf mögliche Ansatzpunkte für Präventionsmaßnahmen hinweisen. Dazu sollten geeignete und zielgruppenspezifische Copingstrategien gefördert werden.
Aus Sicht der Forscher sollten Präventionsangebote Frauen, Menschen im Erwerbsalter und Personen mit niedriger und mittlerer Bildung in den Blick nehmen. Neben strukturellen Maßnahmen, etwa zur Verbesserung von Arbeitsbedingungen, könnten Programme zur Förderung von Problemlösekompetenzen und Coping-Flexibilität einen wichtigen Beitrag zur Stressprävention leisten.












