Hohe Akzeptanz von Grippeschutzimpfungen in Apotheken

Eine neue Auswertung des Modellvorhabens zu Grippeschutzimpfungen in Apotheken der AOK Rheinland/Hamburg und des Apothekerverbandes Nordrhein e.V. hat gezeigt, dass Impfungen durch Apotheker von der Bevölkerung gut angenommen und gerne genutzt werden.

Gruppe geimpft

Seit knapp zwei Jahren laufen in einzelnen Regionen Deutschlands verschiedene Modellvorhaben zu Grippeschutzimpfungen in Apotheken. Rechtliche Grundlage hierfür ist das im März 2020 in Kraft getretene Masernschutzgesetz. Die Ampelkoalition plant nun die Grippeschutzimpfung in Apotheken zur Regelversorgung zu machen. Die Auswertung des Modellvorhabens der AOK Rheinland/Hamburg und des Apothekerverbandes Nordrhein e.V. durch die das Forschungsunternehmen „May & Bauer“ unterstützt die Pläne der Politik.

Ärzteschaft befürchtet Qualitätsminderung

Seitens der Ärzteschaft hagelte es scharfe Kritik für dieses Vorhaben. Die Bundesärztekammer (BÄK) erklärte beispielsweise in einer Pressemitteilung, das Impfen sei aus guten Grund eine urärztliche Aufgabe und es wäre kontraproduktiv, das hohe Qualitätsniveau von Impfleistungen in Deutschland durch die Ausweitung des Impfrechts zu senken. Zudem sei ein niedrigschwelliges Impfangebot nicht notwendig, da ausreichend Ärztinnen und Ärzte zur Verfügung stünden.

Impfquote deutlich unter Zielwert

Der Gesundheitsreport 2022 der AOK zeigt allerdings, dass die aktuelle Impfquote deutlich unter dem EU-Ziel von mindestens 75% bei älteren Menschen liegt. Die Auswertung des Modellvorhabens im Rheinland macht deutlich, dass Angebote für Grippeschutzimpfungen in Apotheken das Impfangebot in Arztpraxen ergänzen können. Über die Hälfte der 1.400 Geimpften gab an, dass sie sich ohne den niedrigschwelligen Zugang durch Apotheken nicht hätten impfen lassen. Gegenüber der letzten Auswertung sei dieser Wert nochmals gestiegen. Ein Großteil der Befragten erklärte außerdem, sich wenn möglich auch gegen andere Erkrankungen in der Apotheke impfen lassen zu wollen.

Impfungen in Apotheken sicher und notwendig

„Die Daten (…) bestätigen, dass die Apothekenimpfung sicher, effektiv und gesundheitsökonomisch sinnvoll ist.“, so Prof. Dr. Uwe May, Gesundheitsökonom des Forschungsunternehmens May & Bauer. Die Politikwissenschaftlerin Cosima Bauer M.A ergänzt, es sei versorgungspolitisch von großer Bedeutung, dass sich fast alle Befragten in der Apotheke auch gegen andere Erkrankungen impfen lassen würden. Hier zeige sich, dass ein niederschwelliges Impfangebot die Prävention vieler anderer Erkrankungen, wie beispielsweise Frühsommer-Meningoenzephalitis (FSME) und Pneumokokken, ebenfalls erheblich verbessern könnte.

Apotheken bereit zu weiteren Impfungen

Die Präsidentin der Bundesvereinigung Deutscher Apothekerverbände (ABDA), Gabriele Regina Overwiening, erklärte in einer separaten Pressemitteilung: „Die Apothekerschaft steht bereit, um die ärztlichen Impfangebote zu ergänzen (…). Wir erfüllen gerne die Wünsche der Patient*innen und der Politik nach zusätzlichen Anlaufstellen für Impfungen“. Sie kritisiert die Reaktion der BÄK. Es sei unverantwortlich Patientinnen und Patienten zu suggerieren, Impfungen in Apotheken wären riskant. „Erstens lässt sich das durch Fakten nicht belegen, zweitens konterkariert es alle Bemühungen, die Impfquoten zu verbessern.“

Ergänzung zu Arztpraxen

Sowohl der Vorstand der AOK Rheinland/Hamburg, Günter Wältermann, als auch der des Apothekerverbandes Nordrhein e.V., Thomas Preis, erklären, dass nach wie vor die Arztpraxen Hauptanlaufpunkt für Impfinteressierte seien. Wältermann macht aber auch deutlich: „Die Grippeschutzimpfung in Apotheken ist ein wichtiger ergänzender Baustein für ein niedrigschwelliges Impfangebot, deshalb würden wir es begrüßen, wenn der Gesetzgeber Menschen unabhängig von ihrer Krankenversicherung die Grippeschutzimpfung in Apotheken ermöglicht.“

Grippeschutzimpfungen ab Herbst möglich

„Wenn diese Regierungspläne jetzt auch schnell umgesetzt werden, können schon im nächsten Herbst alle Bürgerinnen und Bürger – egal, wie und wo sie versichert sind – davon profitieren, sich in unseren Apotheken gegen Grippe impfen zu lassen“, so Preis. Es hätten bereits in den vergangenen beiden Grippesaisons Versicherte anderer gesetzlicher sowie privater Krankenkassen großes Interesse hieran gezeigt.

Impfungen gegen weitere Erkrankungen

In Frankreich dürfen ab diesem Jahr in Apotheken bis auf wenige Ausnahmen alle Schutzimpfungen durchgeführt werden. Der Apothekerverband Nordrhein e.V. könnte sich deshalb ebenfalls vorstellen, dass auch in Deutschland noch weitere Impfungen in Apotheken durchgeführt werden, so zum Beispiel die Impfung gegen FSME. Sie sei unproblematisch in der Anwendung, gut verträglich und schütze gegen gefährliche, durch Zecken übertragene Virusinfektionen.

Autor:
Stand:
04.05.2022
Quelle:
  1. ABDA: Modellvorhaben Grippeschutzimpfungen (zuletzt abgerufen am 04.05.2022)
  2. ABDA: Pressemitteilung – Impfungen in Apotheken sind gewünscht und notwendig (28.04.2022)
  3. AOK Rheinland/Hamburg: Pressemitteilung – Grippeimpfungen in der Apotheke erzielen in der Bevölkerung höchste Zufriedenheitswerte (03.05.2022)
  4. BÄK: Pressemitteilung – Patientensicherheit nicht gefährden - Impfen muss ärztliche Aufgabe bleiben (25.04.2022)
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