Cochrane-Übersicht zweifelt an konservativen Behandlungen bei Großzehenarthrose

Eine neue Cochrane-Übersichtsarbeit stellt die Wirksamkeit konservativer Behandlungen bei schmerzhafter Großzehenarthrose in Frage. Die Ergebnisse werfen wichtige Fragen zur optimalen, konservativen Versorgung von Patienten auf und unterstreichen die Notwendigkeit weiterer Studien.

Hallux rigidus

Die Osteoarthrose des Großzehengrundgelenks ist eine häufige und schmerzhafte Erkrankung. Neben der operativen Versorgung existieren zahlreiche nicht-chirurgische Behandlungsmethoden, die bereits 2010 im Rahmen einer Cochrane-Übersichtsarbeit hinsichtlich Ihres Nutzens bewertet wurden. Nach Erscheinen neuer Studien zu diesem Thema wurde nun ein Update dieses Reviews erstellt, dessen Ergebnis infragestellt, wie nützlich diese Methoden tatsächlich sind.

Durchführung einer Cochrane-Recherche

In die Cochrane-Recherche wurden bis Februar 2023 veröffentlichte randomisierte Studien eingeschlossen, die nicht-chirurgische Behandlungen mit Placebo, keiner Behandlung oder anderen Behandlungsformen verglichen. Beurteilt wurden die Ergebnisse anhand der Kriterien Schmerz, Funktion, Lebensqualität, radiografische Gelenkstruktur, unerwünschte Ereignisse (z. B. Fuß-, Hüft- und Rückenschmerzen sowie Blasen) und Studienabbrüche aufgrund unerwünschter Ereignisse nach zwölf Wochen.

Fokus auf drei zentrale Behandlungsmöglichkeiten

Aufgrund der Heterogenität der Interventionen wurden in die finale Analyse nur drei der ursprünglich in der Recherche inkludierten sechs Behandlungsmethoden eingeschlossen. Allen drei eingeschlossenen Studien gemein war dabei der Vergleich mit Placebo bzw. Scheineinlagen. Genauer betrachtet wurden:

  •  Orthosen vs. Schein-Einlagen
  •  Einlagen mit Sohlenversteifung vs. Schein-Einlagen sowie
  •  einmalige intraartikulären Hyaluronsäure-Injektionen vs. Placebo

Orthosen und Einlagen mit Sohlenversteifung zeigen keine Vorteile gegenüber Schein-Einlagen

Eine Studie mit 88 Teilnehmern zeigte, dass Orthosen wahrscheinlich keinen wesentlichen Unterschied bei Schmerz, Funktion oder Lebensqualität im Vergleich zu Schein-Einlagen bewirken. Der Unterschied im Schmerzscore betrug 0,4 Punkte zugunsten der Orthosen, was klinisch nicht signifikant ist. Auch bei den unerwünschten Ereignissen und Studienabbrüchen aufgrund unerwünschter Ereignisse gab es keinen nennenswerten Unterschied. Eine weitere Studie mit 100 Teilnehmern ergab ähnliche Ergebnisse für Einlagen mit Sohlenversteifung. Auch hier wurden keine klinisch bedeutsamen Unterschiede in Schmerz, Funktion oder Lebensqualität festgestellt. Die Häufigkeit unerwünschter Ereignisse und Studienabbrüche war ebenfalls vergleichbar.

Hyaluronsäure-Injektion mit weniger unerwünschten Ereignissen als Placebo

Nach Auswertung der dritten Studie zeigte auch eine einzelne intraartikuläre Injektion von Hyaluronsäure im Vergleich zu Placebo keine wesentlichen Unterschiede bei Schmerz oder Funktion. Die Lebensqualität wurde geringfügig verbessert, jedoch nicht in einem klinisch relevanten Ausmaß. Unerwünschte Ereignisse traten bei Hyaluronsäure-Injektionen im Vergleich zu Placebo jedoch seltener auf.

Wenig belastbare Evidenz für den Nutzen nicht-chirurgischer Therapiemöglichkeiten

Die aktuelle Cochrane-Übersichtsarbeit zeigt, dass die Wirksamkeit nicht-chirurgischer Behandlungen für Hallux rigidus begrenzt ist und verdeutlicht die Notwendigkeit weiterer qualitativ hochwertiger Studien, um effektive und evidenzbasierte Behandlungsempfehlungen für diese schmerzhafte und weit verbreitete Erkrankung zu entwickeln.

Autor:
Stand:
03.07.2024
Quelle:

Munteanu et al. (2024): Non‐surgical interventions for treating osteoarthritis of the big toe joint. Cochrane Library, DOI: 10.1002/14651858.CD007809.pub3

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