Höheres Adipositas-Risiko bei Säuglingen mit Covid-19-Exposition im Mutterleib?

Kinder, deren Mütter sich in der Schwangerschaft mit SARS-CoV-2 infiziert hatten, nehmen nach der Geburt schneller zu als diejenigen ohne Covid-19-Exposition in utero. Das könnte das Risiko von Adipositas, Diabetes oder kardiovaskulären Erkrankungen erhöhen.

Fötus im Amnion

Hintergrund

Seit dem Ausbruch von Covid-19 wächst eine neue Population von Kindern heran, die während der Schwangerschaft einer mütterlichen SARS-CoV-2-Infektion ausgesetzt waren und deren gesundheitliche Folgen noch weitgehend unbekannt sind. Forschende um Erstautorin Mollie W. Ockene von der Metabolism Unit am Massachusetts General Hospital in Boston, USA, berichten jetzt, dass Babys mit einer Covid-19-Exposition in-utero nach der Geburt Veränderungen im Gewichtsverlauf aufweisen. Damit könnte sich das Risiko erhöhen, später Adipositas, Diabetes oder kardiovaskuläre Erkrankungen zu entwickeln. Die Ergebnisse der Studie sind im Journal of Clinical Endocrinology & Metabolism veröffentlicht [1].

Wachstumsverläufe von Säuglingen mit und ohne Covid-19-Exposition im Mutterleib verglichen

In einer prospektiven Kohortenstudie verglichen die Forschenden die Wachstumsverläufe von 149 Säuglingen mit Covid-19-Exposition im Mutterleib mit denen von 127 nicht exponierten Kontrollpersonen. Gewicht, Länge und Body-Mass-Index (BMI) wurden bei der Geburt sowie nach zwei, sechs und zwölf Monaten aus den Krankenakten entnommen und anhand von Wachstumstabellen der Weltgesundheitsorganisation (WHO) standardisiert.

Niedrigeres Geburtsgewicht und beschleunigte Gewichtszunahme

Im Ergebnis hatten Säuglinge, die im Mutterleib einer maternalen SARS-CoV-2-Infektion ausgesetzt waren, bei der Geburt ein niedrigeres Gewicht und einen geringeren BMI (Effektgröße: -0,35, 95%-Konfidenzintervall [KI] -0,66 bis -0,03). Im ersten Lebensjahr nahmen sie jedoch schneller an Gewicht zu als nicht exponierte Kinder (Effektgröße: 0,53, 95%-KI 0,06 bis 0,99). Bezüglich der Körperlänge gab es zwischen beiden Gruppen keine Unterschiede.

Risikofaktor für Adipositas und kardiovaskuläre Erkrankungen

Die beschleunigte postnatale Gewichtszunahme bei Kindern, die in utero einer maternalen Covid-19-Infektion ausgesetzt waren, könnte ein Vorbote für spätere Pathologien wie Adipositas, Diabetes mellitus und kardiovaskuläre Erkrankungen sein, schreibt das Forschungsteam. Hier sind weitere Studien mit längeren Nachbeobachtungszeiträumen erforderlich, um die kardiometabolischen Folgeerscheinungen in der wachsenden Post-Pandemie-Population von Kindern zu untersuchen.

Einschränkungen der Studie

Eine Einschränkung der Studie besteht darin, dass es zwischen den Gruppen soziodemografische Unterschiede gab. Zudem waren die meisten Säuglinge in der Expositionskohorte dem mütterlichen Covid-19 ausgesetzt, bevor SARS-CoV-2-Varianten wie Alpha, Delta und Omikron auftauchten.

Autor:
Stand:
12.04.2023
Quelle:

Ockene, M. W. et al. (2023): Accelerated Longitudinal Weight Gain Among Infants With In Utero COVID-19 Exposure. The Journal of Clinical Endocrinology and Metabolism, DOI: 10.1210/clinem/dgad130.

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