Mikrobielle Dysbiose bei entzündlichen Hauterkrankungen

Dysbiosen auf der Haut oder im Darm können Erkrankungen auslösen und ihren Verlauf beeinflussen. Für atopische Dermatitis, Psoriasis und Hidradenitis suppurativa beleuchtet nun ein Review die aktuelle Studienlage.

Darmflora

Das menschliche Mikrobiom ist eine vielfältige Gemeinschaft von Mikroorganismen auf und im menschlichen Körper. Es enthält vor allem Bakterien, aber auch Pilze, Hefen, Archaeen und Viren. Die kommensale Mikrobiota und die Darm-Haut-Achse scheinen eine wichtige Rolle bei der Aufrechterhaltung der Homöostase der Haut spielen. Eine Dysbiose kann daher die Entstehung und Progression von entzündlichen Hauterkrankungen beeinflussen.

Das Mikrobiom der Haut und des Darms

Die Haut ist das größte Organ des Körpers und beherbergt verschiedene Mikroorganismen, die das angeborene und adaptive Immunsystem beeinflussen, den pH-Wert aufrechterhalten und eine Schutzbarriere bilden. Zu den bakteriellen Vertretern gehören unter anderem Cutibacterium-, Staphylococcus- und Corynebacterium-Arten sowie Actinobacteria, Firmicutes, Proteobacteria und Bacteriodetes. Auch der Verdauungstrakt stellt eine große Austauschfläche dar und beheimatet eine Vielzahl von Mikroorganismen.

Die bakteriellen Vertreter des Darms gehören vor allem zu den Stämmen der Firmicutes, Bacteroidota, Actinobacteria und Proteobacteria. Ihre genaue Zusammensetzung wird durch Genetik, Ernährung und Umwelt beeinflusst. Dysbiosen werden mit der Entstehung von Autoimmunerkrankungen, Herz-Kreislauf-Erkrankungen, Typ-2-Diabetes, Depressionen sowie Krebserkrankungen in Verbindung gebracht.

Die Darm-Haut-Achse

Das Mikrobiom von Darm und Haut ist über die Darm-Haut-Achse miteinander verbunden. Über Botenstoffe gelangen Informationen der Bakterien in das Gehirn und beeinflussen unter anderem Aussehen und Beschaffenheit der Haut. Schätzungen gehen davon aus, dass etwa 1013 mikrobielle Organismen involviert sind. Dysbiosen im Darm können so auch zu verschiedenen Erkrankungen der Haut führen, wie z. B. atopische Dermatitis (AD), Psoriasis und Hidradenitis suppurativa (HS).

Die Rolle von kurzkettigen Fettsäuren

Ein kürzlich erschienener Review hat die neuesten Informationen über den Zusammenhang zwischen mikrobieller Dysbiose und mikrobiologischen Therapien bei AD, Psoriasis und HS zusammengefasst [1]. Bei AD zeigte sich sowohl auf der Haut als auch im Darm eine erhöhte bakterielle Belastung, aber eine geringere mikrobielle Vielfalt im Vergleich zu gesunden Patienten. Auf der Haut fand sich insbesondere. eine Überbesiedelung mit Staphylococcus aureus, die mit einer erhöhten IgE-Reaktion und einem tendenziell schwereren Verlauf assoziiert war. Im Darm konnten vor allem Überbesiedelungen mit E. coli, Clostridium difficile und Staphylococcus aureus festgestellt werden.

Kurzkettige Fettsäuren (SCFA) wie Butyrat, Propionat und Acetat können aufgrund ihrer immunmodulatorischen Wirkung ebenfalls eine wichtige Rolle spielen. Verminderte SCFAs führen zu einer Störung der Epithelbarriere und ermöglichen das Eindringen von Antigenen, Toxinen und potenziellen Krankheitserregern in den Körperkreislauf. Sobald diese die Haut erreichen, lösen sie eine starke Reaktion aus und verursachen eine Gewebeentzündung. So führte die therapeutische Verabreichung von Faecalibacterium praunitzii und Akkermansia muciniphila, die beide zu den SCFA-Produzenten gehören, zu einer Verbesserung der AD.

Reduzierte mikrobielle Diversität

Auch bei Psoriasis fand sich allgemein eine reduzierte mikrobielle Diversität. In psoriatischen Plaques fanden sich häufiger Corynebacterien, Propionibacterien, Staphylokokken und Streptokokken. Im Darm kam es hauptsächlich zu Überbesiedelungen mit Candida albicans, Malassezia und Staphylococcus aureus, zu einer Reduktion von SCFAs und, bei Psoriasisarthritis, zu einer Verringerung von Akkermansia und Ruminococcus.

Die Evidenz für die Anwendung von Präbiotika bei der Behandlung von Psoriasis ist bisher begrenzt. Probiotika haben bereits positive Ergebnisse gezeigt, wobei vermutet wird, dass ihre Wirkung über immunmodulierende Effekte, wie z. B. eine Downregulation von Tumornekrosefaktor-alpha (TNF-α), zustande kommt. In einer Studie mit Lactobacillus-Stämmen kam es nach achtwöchiger Behandlung zu einem verringerten PASI-Wert und einer verbesserten Lebensqualität.

Bei HS zeigte sich ein Anstieg von anaeroben und opportunistischen Pathogenen auf der Haut sowie oftmals eine Verringerung von Cutibacterium. Cutibacterium bildet Propionsäure, die den pH-Wert der Mikroumgebung senkt und so eine antimikrobielle Wirkung aufweist. Im Darm konnte auch bei HS eine verringerte Diversität und ein tendenzieller Mangel an Firmicuten festgestellt werden. Jedoch existieren noch keine Studien, die den Einsatz von Prä- und Probiotika bei HS untersucht haben.

Autor:
Stand:
22.11.2023
Quelle:

Aguwa et al. (2023): Targeting Dysbiosis in Psoriasis, Atopic Dermatitis, and Hidradenitis Suppurativa: An Updated Review of the Gut-Skin Axis and Microbiome-Directed Therapy. Clinics in Dermatology, DOI: 10.1016/j.clindermatol.2023.09.019.

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