Die Hidradenitis suppurativa (Acne inversa) ist eine chronisch-entzündliche, schubförmig verlaufende Hauterkrankung der Talgdrüsen und Terminalhaarfollikel. Sie ist durch schmerzhafte noduläre Läsionen, Abszesse und Fistelbildung gekennzeichnet. Die Prävalenz der Erkrankung liegt je nach Region bei etwa 0,3–4 % der Bevölkerung. Studien zeigten bereits, dass Patienten mit Hidradenitis suppurativa ein erhöhtes kardiovaskuläres Risiko aufweisen.
Beeinflusst Schweregrad der Erkrankung das Ausmaß des kardiovaskulären Risikos?
Daten darüber, wie stark der Schweregrad der Erkrankung dieses Risiko beeinflusst, sind limitiert. Eine aktuelle Studie setzte sich zum Ziel, diese Wissenslücke zu schließen. Hierfür untersuchten die Wissenschaftler 1.045 Erwachsene, die an einer Hidradenitis suppurativa litten. 437 (41,8 %) der Patienten wurden als mild, 439 (42 %) als moderat und 169 (16,2 %) als schwer betroffen klassifiziert. Der Schweregrad wurde hierfür wie folgt eingeteilt: mild - Behandlung mit keiner oder ausschließlich topischen Therapie, moderat - orale systemische Therapien und schwer - Therapie mittels Biologika, chirurgischen Eingriffen oder ≥ 3 unterschiedlichen Therapien.
Die Studienautoren bestimmten zudem das 10-Jahres- und Lebensrisiko für atherosklerotische Herz-Kreislauferkrankungen (ASCVD). Außerdem untersuchten sie die ASCVD-Risikoäquivalente der Patienten. Zu diesen zählten eine vorhandene atherosklerotische Herz-Kreislauferkrankung, ein Diabetes mellitus als Komorbidität oder ein 10-Jahres ASCVD-Risiko ≥ 20 %.
Lebens-ASCVD-Risiko war mit dem Hidradenitis suppurativa-Schweregrad assoziiert
Die Wissenschaftler fanden heraus, dass das 10-Jahres-ASCVD-Risiko bei 77,6 % der Patienten gering war, während es für 5 % als hoch eingeschätzt wurde. Das Lebens-ASCVD-Risiko stieg mit dem Hidradenitis suppurativa-Schweregrad. So betrug es 32,36 % bei milder, 34,21 % bei moderater und 36,61 % bei schwerer Krankheitsausprägung (p = 0,03). Das bedeutet: wer an einer schwereren Hidradenitis suppurativa leidet, hat eine höhere Wahrscheinlichkeit, eine kardiovaskuläre Erkrankung zu entwickeln.
Assoziation höherer Krankheitsschweregrad mit höherer Prävalenz von ASCVD-Risiko-Äquivalenten
Eine höhere Ausprägung der Krankheitsschwere war mit einer höheren Prävalenz von ASCVD-Risiko-Äquivalenten assoziiert. Dennoch erreichten nur 90,1 % der Patienten den Hämoglobin (Hb)A1c-Zielwert < 7 %, 55,1 % einen kontrollierten Blutdruck und 47,5 % der Studienteilnehmer erreichten den Zielwert für das Low-Density-Lipoprotein (LDL). Noch weniger Patienten (23,2 %) erreichten alle drei Therapieziele.
Hidradenitis suppurativa Patienten mit ≥ 1 ASCVD-Risikoäquivalent erreichten seltener die Therapieziele
Trotz des identifizierten Risikos war die Nutzung von Statinen und antihypertensiven Medikamenten unzureichend. So verwendeten nur 238 Patienten (22,8 %) Antihypertensiva und 182 (17,5 %) Statine. Dieses Defizit wurde über alle Schweregrade hinweg festgestellt, besonders aber bei mittelschwerer bis schwerer Hidradenitis suppurativa. So erreichten unter den Patienten, die ≥ 1 ASCVD-Risikoäquivalent aufwiesen, nur 61,4 % ihren HbA1c-Zielwert, 41,1 % eine Blutdruckkontrolle und 21,5 % den LDL-Zielwert. Nur 9,3 % erfüllten alle drei Therapieziele.
Insbesondere Hidradenitis suppurativa mit schwerem Verlauf sollten kardiovaskuläres Screening erhalten
Eine schwere Hidradenitis suppurativa war mit einer höheren Prävalenz kardiometabolischer Risikofaktoren und einem höheren Risiko für atherosklerotische Herz-Kreislauferkrankungen assoziiert. Gleichzeitig zeigten die Wissenschaftler, dass die Behandlungsraten für modifizierbare Risikofaktoren dennoch niedrig waren. Aktuelle Empfehlungen raten zu einem Routine-Screening für Komorbiditäten, wie beispielsweise Adipositas, arterielle Hypertonie, Dyslipidämie und kardiovaskuläre Erkrankungen bei Patienten mit Hidradenitis suppurativa.
Aufgrund der Studienergebnisse empfehlen die Wissenschaftler insbesondere bei Patienten mit schwerer Hidradenitis suppurativa auf die Durchführung eines frühen Screenings auf kardiometabolische Risikofaktoren zu achten. Hierfür können validierte Werkzeuge, wie beispielsweise der ASCVD-Risiko-Kalkulator genutzt werden.








