Psoriasis ist eine chronisch-entzündliche Systemerkrankung, die weltweit Millionen Menschen betrifft. Neben Hautmanifestationen ist sie mit zahlreichen Komorbiditäten wie kardiovaskulären Erkrankungen und Diabetes mellitus assoziiert. Die altersbedingte Makuladegeneration (AMD) wiederum stellt eine der häufigsten Ursachen für irreversible Sehbehinderungen im höheren Lebensalter dar. Laut GBD-Studie (Lancet Glob Health 2025) waren 2021 weltweit 8,06 Mio. Menschen von Sehbeeinträchtigung durch AMD betroffen; bis 2050 wird ein Anstieg auf rund 21,3 Mio. prognostiziert.
Forschungsansatz: Psoriasis als Risikofaktor für exsudative und nicht-exsudative AMD
Vor diesem Hintergrund untersuchte eine Forschungsgruppe an der University of Rochester, ob Psoriasis auch das Risiko für AMD erhöht. Die Ergebnisse wurden auf dem EADV-Kongress 2025 in Paris (Frankreich) vorgestellt. Ziel war es, den Zusammenhang zwischen Psoriasis und den beiden Hauptformen der AMD – exsudativ und nicht-exsudativ – zu analysieren und mögliche Unterschiede im Einfluss verschiedener Therapien auf das Erkrankungsrisiko zu prüfen.
Kohortenanalyse mit mehr als 22.000 Psoriasis-Patienten
Die retrospektive Kohortenstudie basierte auf Daten der US-amerikanischen TriNetX-Datenbank. Eingeschlossen wurden 22.901 Patienten über 55 Jahre mit Psoriasis. Zum Vergleich dienten drei Kontrollgruppen:
- Patienten mit melanozytären Nävi (dermatologisches Vergleichskollektiv; MN-Kohorte),
- Patienten mit Major Depression (Kontrolle für chronische Erkrankung und Gesundheitsnutzung; MDD-Kohorte),
- Patienten nach ophthalmologischer Untersuchung (Kontrolle für diagnostische Vergleichbarkeit).
Ausgeschlossen wurden alle Personen mit einer vorbestehenden AMD-Diagnose. Die Nachbeobachtung erstreckte sich über einen Zeitraum von bis zu zehn Jahren. Zusätzlich verglichen die Autoren Psoriasis-Patienten unter Biologika-Therapie mit Patienten, die ausschließlich topische Kortikosteroide erhielten.
Höheres Risiko für exsudative und nicht-exsudative AMD
Im Verlauf zeigte sich, dass Psoriasis-Patienten ein signifikant erhöhtes Risiko für AMD entwickelten:
- 56 % höheres Risiko im Vergleich zur MDD-Kohorte,
- 21 % höheres Risiko im Vergleich zur MN-Kohorte.
Bei der Betrachtung der Subtypen ergab sich:
- 40 % erhöhtes Risiko für exsudative AMD im Vergleich zur MDD-Kohorte,
- 13 % erhöhtes Risiko für nicht-exsudative AMD gegenüber der MDD-Kohorte.
Dr. Alison Treichel, Dermatologin an der University of Rochester und Erstautorin der Studie, erläuterte: „Psoriasis ist eine systemische Entzündungserkrankung, bei der Lipidfehlregulation zu kardiovaskulären Komplikationen beiträgt. Da eine abnorme Lipidablagerung in der Retina ein zentrales Merkmal der AMD ist, insbesondere der trockenen Form, erscheint ein Zusammenhang biologisch plausibel. Unsere Studie ist die erste, die eine Assoziation zwischen Psoriasis und nicht-exsudativer AMD nachweisen konnte.“
Biologika-Exposition geht mit geringerem AMD-Risiko einher
Ein weiterer Befund der Studie betrifft den Einfluss der Therapie. Patienten, die mit Biologika behandelt wurden, hatten ein um 27 % niedrigeres Risiko für AMD als solche, die ausschließlich topische Kortikosteroide erhielten.
Treichel betonte: „Unsere Ergebnisse stützen die Annahme eines Zusammenhangs zwischen Psoriasis und AMD, möglicherweise vermittelt durch gemeinsame Störungen des Lipidstoffwechsels. Zudem legen die Daten nahe, dass Biologika über ihre dermatologischen Effekte hinaus protektive Eigenschaften entfalten könnten.“
Klinische Empfehlungen und nächste Forschungsschritte
Die Autoren empfehlen, dass Patienten mit Psoriasis standardisierte augenärztliche Kontrolluntersuchungen einhalten und visuelle Veränderungen frühzeitig melden sollten. Spezifische Screening-Empfehlungen können derzeit jedoch nicht abgeleitet werden.
In Folgestudien plant das Team, Bildgebungsdaten von Psoriasis-Patienten auszuwerten, um retinale Veränderungen detaillierter zu charakterisieren, die Prävalenz von AMD in dieser Patientengruppe genauer zu bestimmen und den Langzeiteffekt von Biologika auf den Krankheitsverlauf zu untersuchen.









