Chronische Entzündung als möglicher Auslöser für Hautkrebs bei Rosazea

Eine kürzlich veröffentlichte Studie beschreibt die Assoziation von Rosazea mit dem malignen Melanom. Untersuchungen verschiedener alters- und geschlechtsgemischter Kohorten unterschiedlicher Ethnien zeigten ein signifikant höheres Melanomrisiko – insbesondere bei Kaukasiern.

Rosacea junge Frau

Rosazea – mehr als nur ein kosmetisches Problem

Rosazea ist eine chronisch entzündliche Hauterkrankung, die vorzugsweise das Gesicht betrifft. Sie manifestiert sich durch Rötungen, Papeln und Pusteln und geht mit Schüben und Remissionen einher. Die geschätzte Prävalenz von 5-10% bei hellhäutigen Menschen ist im Vergleich mit der weltweiten Schätzung von 1-7% etwas höher.

Als Auslöser werden verschiedenen Faktoren wie Hitze, Stress, UV-Licht, Rauchen und Alkohol diskutiert. Die wissenschaftliche Datenlage ist aber noch unzureichend.

Jüngste Forschungen haben eine Verbindung zwischen Rosazea und Infektionen mit Demodex-Arten aufgezeigt. Dies hat dazu geführt, dass bei Auftreten von Symptomen orale Antibiotika zur bevorzugten klinischen Maßnahme geworden sind. Diese Maßnahmen bieten jedoch nur eine vorübergehende Linderung, und es gibt derzeit keine langfristige Heilung der Krankheit.

Malignes Melanom – potenziell tödlich mit steigender Tendenz

Das maligne Melanom entwickelt sich aus den pigmentbildenden Zellen (Melanozyten) der Haut und ist für seine hohe Mortalität bekannt. Maligne Melanome machen zwar nur 4% aller Hautkrebserkrankungen aus, sind aber für mehr als 50% der jährlichen Todesfälle im Zusammenhang mit Hautkrebs verantwortlich. Damit sind sie die tödlichste und aggressivste Form dieser Erkrankung.

Groß angelegte retrospektive globale Studie

Rosazea wird häufig als kosmetisches Problem betrachtet, ist aber bekanntermaßen mit einer Vielzahl von Begleiterkrankungen verbunden. Um diese Risiken zu ermitteln, wurden zwei alters- und geschlechtsgemischte Kohorten aus der TriNetX-Plattform von jeweils 122.444 Patienten (69,2 % weiblich) mit und ohne Rosazea ausgewertet, die zwischen Juni und Juli 2023 erhoben wurden.

Die untersuchte Kohorte umfasste verschiedene Ethnien wie Kaukasier (82%), Schwarze (3%), Asiaten (1,6%) sowie weitere Ethnien wie beispielsweise Alaskaner, Indianer, Hawaiianer oder Pazifikinsulaner (insgesamt 10%).

Assoziationen mit diversen Begleiterkrankungen identifiziert

Jüngste Forschungsergebnisse deuten darauf hin, dass Rosazea mit entzündlichen Darmerkrankungen, Autoimmunerkrankungen, koronaren Herzkrankheiten und ähnlichen chronischen Entzündungszuständen in Verbindung steht.

Die Ergebnisse der aktuellen Studie zeigen, dass Rosazea mit einem signifikanten Anstieg des Risikos für verschiedene Komorbiditäten assoziiert ist. Dazu gehören:

Alarmierende Ergebnisse in Bezug auf das maligne Melanom

Die Ergebnisse der Studie zu malignem Melanom zeigen eine signifikante Assoziation mit Rosazea. Die am stärksten mit Rosazea verbundenen Komorbiditäten waren Hautneoplasmen, einschließlich maligner Melanome.

Die Autoren um Stebut et al. weisen auf einen signifikanten Zusammenhang von Rosazea mit dem malignen Melanom bei kaukasischen Patienten hin (Odds Ratio 6,02). Die Assoziation war bei Frauen stärker als bei Männern und nahm mit dem Alter zu. Patienten mit okulärer Rosazea hatten das höchste Melanom-Risiko.

Bei anderen ethnischen Gruppen (z.B. Asiaten) zeigte sich kein erhöhtes Risiko.

Die beschriebenen Assoziationen blieben auch nach Anpassung an andere Risikofaktoren wie Alter, Geschlecht und UV-Exposition bestehen.

Des Weiteren war die Mortalität aufgrund des malignen Melanoms bei Rosazea-Patienten deutlich erhöht (p=0,059).

Was steckt hinter diesem Zusammenhang?

Die Studie legt nahe, dass die chronische Entzündung bei Rosazea eine Rolle bei der Entwicklung von Melanomen spielen könnte. Die zugrunde liegenden pathophysiologischen Mechanismen sind jedoch noch nicht vollständig verstanden und bedürfen weiterer Forschung.

Hautkrebsvorsorge bei Rosazea-Patienten lebensrettend?

Für die klinische Praxis bedeuten diese Ergebnisse, dass bei Patienten mit Rosazea eine erhöhte Wachsamkeit hinsichtlich der Entwicklung von Melanomen geboten ist. Bei der Untersuchung von Rosazea-Patienten sollten Dermatologen verstärkt auf Anzeichen von Melanomen achten und gegebenenfalls engmaschigere Kontrollen empfehlen. Dadurch könnten Melanome frühzeitig erkannt und die Prognose für betroffene Patienten verbessert werden. Insbesondere Patienten mit okulärer Rosazea könnten davon profitieren.

Bemerkenswert ist, dass die kaukasische Teilkohorte im Gegensatz zur asiatischen Kohorte ein deutlich erhöhtes Melanomrisiko aufwies. Das Ergebnis, das mit der ethnischen Zugehörigkeit verknüpft ist, könnte die widersprüchlichen Berichte über Komorbiditäten aus früheren Studien erklären. Daher sollte dieser Aspekt in weiterführenden Studien berücksichtigt werden.

Autor:
Stand:
12.07.2024
Quelle:
  1. Stebut J. et al. (2024): Rosacea is strongly associated with melanoma in Caucasians. Scientific reports, DOI: 10.1038/s41598-024-62552-8
  2. Holmes, A. D., et al. (2018): Evidence-based update on rosacea comorbidities and their common physiologic pathways. Journal of the American Academy of Dermatology, DOI: 10.1016/j.jaad.2017.07.055
  3. Thapa L. et al. (2023): Rosacea and its association with malignancy: Systematic review. Journal of medical internet research dermatology, DOI: 10.2196/47821
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