Reduziertes Mortalitätsrisiko bei Vitiligo

Vitiligo ist eine häufige und psychisch oft sehr belastende Hauterkrankung. Eine aktuelle Studie untersuchte das Mortalitätsrisiko bei Vitiligo-Patienten, wobei die Ergebnisse auf einen möglichen protektiven Effekt der Autoimmunität hinweisen.

Vitiligo Frau

Vitiligo ist eine weit verbreitete autoimmune Hauterkrankung, die durch lokal oder disseminiert auftretende Hypo- und Depigmentierung gekennzeichnet ist. Die genaue Ätiologie ist unbekannt, vermutlich sind multiple genetische und metabolische Faktoren an der Pathogenese der Erkrankung beteiligt. Zudem ist Vitiligo mit weiteren Autoimmunerkrankungen z.B. der Schilddrüse oder Alopecia areata assoziiert.

Trotz ihrer Verbreitung gibt es nur begrenzte Informationen über das Mortalitätsrisiko bei Patienten mit Vitiligo. Eine aktuelle Studie hat das Ziel, die Mortalität bei Patienten mit Vitiligo zu untersuchen und einen detaillierten Einblick in das allgemeine und ursachenspezifische Mortalitätsrisiko zu geben.

Die Studie wurde als populationsbasierte Kohortenstudie durchgeführt, bei der Daten aus der koreanischen National Health Insurance Service-Datenbank und dem National Death Registry verknüpft wurden. Insgesamt wurden 107.424 Patienten mit neu diagnostiziertem Vitiligo und 537.120 soziodemografisch gematchte Kontrollpatienten ohne Vitiligo in die Studie aufgenommen.

Protektiver Effekt der Autoimmunität?

Das mittlere Alter der Studienteilnehmer betrug 48,07 Jahre, 39,61% der Teilnehmer waren männlich. Die Ergebnisse der Studie zeigten, dass die Mortalitätsraten bei Patienten mit Vitiligo signifikant niedriger waren im Vergleich zu den Kontrollpersonen (34,8 gegenüber 45,3 pro 10.000 Personenjahre). Auch die 5- und 10-Jahresmortalitätsraten fielen bei den Vitiligo-Patienten niedriger aus. Nach Anpassung verschiedener Variablen zeigten Patienten mit Vitiligo ein um 25% reduziertes Mortalitätsrisiko (adjustierte Hazard Ratio (HR), 0,75; 95% Konfidenzintervall, 0,72-0,78).

Ursachenspezifische Mortalität ebenfalls geringer

Onkologische Erkrankungen stellten die häufigste ursachenspezifische Todesursache dar. Interessanterweise war die ursachenspezifische Mortalität aufgrund von Infektionskrankheiten, onkologischen Erkrankungen, hämatologischen Erkrankungen, endokrinen Erkrankungen, neurologischen Erkrankungen, kardiovaskulären Erkrankungen, Atemwegserkrankungen sowie renalen/urogenitalen Erkrankungen bei Patienten mit Vitiligo ebenfalls signifikant niedriger. Die Mortalitätsrate aufgrund von Suizid/psychischen Erkrankungen, gastrointestinalen Erkrankungen und Kollagenosen unterschied sich nicht signifikant zwischen beiden Gruppen.

Am häufigsten verstarben Patienten mit Vitiligo aufgrund von Lungenkrebs, gefolgt von hepatozellulärem Karzinom und hämorrhagischem Schlaganfall. Das Mortalitätsrisiko für mehrere Erkrankungen, darunter Diabetes mellitus, Lungenkrebs und Myokardinfarkt, war signifikant niedriger bei Vitiligo-Patienten. In der Subgruppenanalyse zeigten sich die geringeren Mortalitätsraten bei Vitiligo ebenfalls konsistent, unabhängig von Faktoren wie Alter, Endorganerkrankungen oder Komorbiditätsindex.

Fazit

Die Studie legt nahe, dass Patienten mit Vitiligo ein geringeres Mortalitätsrisiko aufweisen. Die Autoren vermuten, dass die mit Vitiligo assoziierte Autoimmunität möglicherweise zu einer reduzierten Morbidität und Mortalität beiträgt. Dies könnte neue Perspektiven für das Verständnis der Pathophysiologie von Vitiligo und der damit verbundenen autoimmunen Mechanismen eröffnen. Um die klinische Relevanz dieser Befunde zu beurteilen, sind weitere Studien erforderlich, welche die zugrunde liegenden Mechanismen des protektiven Effekts der Autoimmunität bei Vitiligo genauer untersuchen.

Zu den Limitationen der Studie gehören ein möglicher Selektionsbias sowie fehlende Informationen über Schweregrad und Vitiligo-Subtyp, sodass Aussagen über einen Zusammenhang zwischen Schweregrad und Mortalität nicht möglich sind.

Autor:
Stand:
12.10.2023
Quelle:

Ju HJ, Kang H, Han JH, Lee JH, Lee S, Bae JM. All-cause and cause-specific mortality among patients with vitiligo: A nationwide population-based study in Korea [published online ahead of print, 2023 Jul 28]. J Invest Dermatol. 2023;S0022-202X(23)02481-8. doi:10.1016/j.jid.2023.07.007

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