Viele an Diabetes erkrankte Menschen haben eine eingeschränkte Nierenfunktion, da ein dauerhaft erhöhter Blutglucosespiegel die Blutgefäße der Nierenkörperchen angreift und diese schädigt. Um die Nieren zu entlasten, wird deshalb neben einer reduzierten Salzzufuhr auch die Verringerung der Proteinaufnahme diskutiert. Diese Interventionen sollen den Filtrationsdruck verringern und so der pathologischen Hyperfiltration entgegenwirken. Zwei Cochrane-Reviews haben nun die präventiven und therapeutischen Auswirkungen der Ernährungsumstellung untersucht.
Effekt der reduzierten Salzaufnahme mit dem eines Antihypertensivums vergleichbar
In dem ersten Cochrane-Review prüften australische Wissenschaftler um Elisabeth Hodson vom Children´s Hospital at Westmead 13 randomisierte und kontrollierte Studien mit insgesamt 313 an Typ-1- oder Typ-2-Diabetes erkrankten Personen. Der Unterschied zwischen einer niedrigen und einer hohen Natriumzufuhr betrug dabei mindestens 34 mmol/Tag. Es zeigte sich, dass die Reduktion der Salzzufuhr um durchschnittlich 5 g/Tag den systolischen Blutdruck um 7 mmHg und den diastolischen Blutdruck um 3 mmHg senken konnte. In vier Studien konnte zudem eine verringerte Albuminausscheidung im Urin nachgewiesen werden [1,2].
Eiweißarme Diät bei Diabetes und chronischer Nierenerkrankung
In der zweiten aktualisierten Übersichtsarbeit untersuchte ein chinesisches um Wenige Li vom China-Japan Friendship Hospital in Beijing acht randomisierte und kontrollierte Studien mit 486 Patienten, die sowohl an einem Diabetes (Typ 1 oder 2) sowie an einer chronischen Nierenerkrankung litten. In den Studien wurde eine eiweißarme Diät (0,6 bis 0,8 g/kg Körpergewicht/Tag) mit einer uneingeschränkten Eiweißzufuhr (≥ 1,0 g/kg/Tag) verglichen. Die durchschnittliche Dauer der Interventionen betrug zwei Jahre, wobei die Spanne von 12 Monate bis zu fünf Jahren reichte. Laut den Autoren wiesen die meisten der eingeschlossenen Studien jedoch ein hohes oder unklares Risiko für Verzerrungen auf und aufgrund der Art der Interventionen nahmen sie auch eine hohe Wahrscheinlichkeit für Leistungsverzerrungen an.
Enttäuschende Ergebnisse nach proteinarmer Diät
Die Kreatinin-Clearance sowie das Auftreten von Protein- bzw. Albuminurien veränderten sich durch die Proteinrestriktion kaum. Zudem ist die Auswirkung auf die glomeruläre Filtrationsrate und damit auf die Nierenfunktion unsicher. Es kann sein, dass das Mortalitätsrisiko sowie die Wahrscheinlichkeit eines dialysepflichtigen Nierenversagens durch eine reduzierte Proteinzufuhr nur gering bis gar nicht beeinflusst wird. Allerdings stuften die Autoren die Vertrauenswürdigkeit der Evidenz ihrer Ergebnisse als gering bis sehr gering ein.
Qualitativ hochwertige Studien zur proteinarmen Diät benötigt
Als Grund für den niedrigen Evidenzgrad geben die Autoren an, dass die eingeschlossenen Studien größtenteils mangelhaft durchgeführt worden waren und Daten nicht angegeben wurden. So wurde beispielsweise die eiweißarme Diät teilweise nur unzureichend eingehalten und Daten zur Lebensqualität sowie zu unerwünschten Wirkungen wie z. B. hyperglykämischen Ereignissen sind kaum vorhanden. Eine valide Aussage zu der Frage, ob eine Proteinrestriktion das Fortschreiten der diabetischen nicht-dialysepflichtigen Nierenerkrankung verlangsamen kann, ist daher nicht möglich. Hierfür werden mehr qualitativ hochwertige Studien mit großen Stichproben und einer ausreichenden Nachbeobachtung benötigt [3].









