Wie bei Erwachsenen wird der Diabetes mellitus im Kindes- und Jugendalter in den Diabetes Typ 1 sowie den Diabetes Typ 2 eingeteilt. Weitere Formen des Diabetes im jungen Alter sind unter anderem der Maturity-onset Diabetes of the Young (MODY) und der neonatale Diabetes. Die Therapie basiert auf diesen Klassifikationen.
Klassifikationen spiegeln Heterogenität des Kinderdiabetes unzureichend wieder
Allerdings präsentiert sich Diabetes auch innerhalb dieser Hauptgruppen oft sehr unterschiedlich, weshalb davon ausgegangen wird, dass diese Klassifikationen die Heterogenität der Erkrankung bei Kindern und Jugendlichen nicht ausreichend widerspiegeln. Aktuell wird an weiteren Einteilungsmöglichkeiten geforscht.
Bereits 2022 wurden in einer deutschen Studie zehn Subgruppen des Kindheits- und Jugend-Diabetes definiert. Nun widmeten sich die Forscher um Dr. Katharina Warncke, Oberärztin der Kinderendokrinologie und der Kinderdiabetologie der München Klinik, im Rahmen einer 2023 veröffentlichten Beobachtungsstudie der Fragestellung, ob ein Zusammenhang zwischen der Zugehörigkeit zu diesen Subgruppen und dem Risiko für akute und chronische Diabetes-Komplikationen besteht.
Subgruppen-Einteilung anhand gängiger Parameter
Zu den 2022 definierten Subgruppen zählen sieben Inselautoantikörper-positive Gruppen sowie drei Inselautoantikörper-negative Gruppen. Die einzelnen Subgruppen unterscheiden sich daneben in den Parametern Alter, Body Mass Index (BMI) und Hämoglobin A1c (HbA1c) bei Erstmanifestation des Diabetes.
22.719 Personen aus dem Diabetes-Patienten-Follow-Up-Register, welches Daten aus diabetischen Zentren in Deutschland, Österreich, der Schweiz und Luxemburg sammelt, wurden in der 2023 veröffentlichten Studie auf diese Subgruppen aufgeteilt.
Aufgenommen wurden Patienten mit jeder Art von Diabetes, außer des neonatalen und gestationellen Diabetes, die zum Zeitpunkt der Erstmanifestation das 18. Lebensjahr noch nicht vollendet hatten. Berücksichtigt wurden die Dokumentationen zwischen 2000 und 2022, wobei die mittlere Nachbeobachtungszeit bei sieben Jahren lag. Neben den für die Gruppeneinteilung benötigten Werten lagen bei 9.737 Teilnehmern C-Peptid-Werte vor, sodass auch deren prognostischer Einfluss untersucht wurde.
Unterschiedliche diabetische Komplikationsrisiken in den Subgruppen
19.811 Personen wurden den Inselautoantikörper-positiven Gruppen zugeordnet; 2.908 den Inselautoantikörper-negativen. Bei allen Studienteilnehmern war angegeben, ob Hypoglykämien und Ketoazidosen als diabetische Komplikationen aufgetreten sind. Weiterhin lagen bei einem Großteil der Patienten Informationen über mögliche Nephro- und Retinopathien vor.
Insgesamt war das Risiko für sowohl akute als auch chronische diabetische Komplikationen bei Inselautoantikörper-negativen Personen mit Diabetes Typ 2 am niedrigsten. Das geringste Hypoglykämie-Risiko in beiden Inselautoantikörper-Kategorien wiesen die Subgruppen mit den höchsten C-Peptid-Konzentrationen bei Diabetes-Erstmanifestation auf. Schwere Hypoglykämien traten hingegen insbesondere bei Subgruppen auf, die durch erhöhte Entzündungsparameter charakterisiert und Inselautoantikörper-positiv waren. Das Risiko für andere diabetische Komplikationen war in diesen Gruppen, denen fast 50% der Teilnehmer angehörten, allerdings reduziert.
Ketoazidosen und Retinopathie wurden am häufigsten bei Personen mit hohen BMI-, Blutdruck- und HbA1c-Werten beobachtet. Darüber hinaus wurde ein vergleichsweise hohes Retinopathie-Risiko bei Personen mit Diabetes-Erstmanifestation im späten Kindes- oder Jugendalter nachgewiesen. Zwei weitere Subgruppen mit spätem Diabetesausbruch, denen etwa 5% der untersuchten Personen angehörten, hatten ein im Vergleich zu den anderen Gruppen hohes Risiko für Nephropathie. Beide Gruppen waren durch einen milden Diabetesbeginn mit niedrigen HbA1c-Werten sowie vorhandenen Inselautoantikörpern und C-Peptid gekennzeichnet.
Welche Konsequenzen könnten aus den Studienergebnissen folgen?
Die weitere Subklassifizierung des Kinder- und Jugenddiabetes könnte eine therapeutische Relevanz mit sich bringen. Dass fast die Hälfte der Studienteilnehmer hohe Entzündungsparameter aufwies, deutet laut den Autoren auf einen häufig akuten Diabetesausbruch hin. Bei diesen Subgruppen könnte eine frühzeitige, entzündungshemmende Therapie den Krankheitsverlauf positiv beeinflussen. Weiterhin könnten Untergruppen mit erhöhtem Komplikationsrisiko von einem regelmäßigen individualisierten Monitoring und gegebenenfalls frühzeitiger Intervention bei Verschlechterung profitieren.
Stärken und Schwächen der Studie
Die Forschungsgruppe weist darauf hin, dass zur besseren Beurteilung des Risikos für Retino- und Nephropathie, welche in der Regel erst mehrere Jahre nach Diabetes-Ausbruch auftreten, eine längere Nachbeobachtungszeit nötig gewesen wäre. Weitere Limitationen stellen die ungleiche Verteilung Inselautoantikörper-positiver und -negativer Personen sowie die mangelnde ethnische Vielfalt der Teilnehmer dar.
Die wichtigste Stärke der Studie besteht darin, dass die Subgruppen-Einteilung anhand von Routine-Parametern erfolgte und deren Anwendung im klinischen Alltag somit leicht umsetzbar wäre.









