Für die Überarbeitung der Empfehlungen wurden entsprechende Studien seit 2004 ausgewertet. Der Ausschuss Ernährung der DDG kam hiernach zu dem Schluss, dass genaue Verzehrvorgaben für einzelne Mikronährstoffe wie Kohlenhydrate, Fett und Eiweiß überholt sind. Dies gilt ebenso für eine geringere Eiweißzufuhr bei eingeschränkter Nierenfunktion. Stattdessen sollen Betroffene gesunde Ernährungsmuster wählen, die ihren individuellen Vorlieben entsprechen. „Die Empfehlungen zur Gewichtsreduktion und Ernährungsweise bei Diabetes Typ 2 sind insgesamt unkomplizierter und individueller“, so DDG Präsident Professor Dr. med. Andreas Neu.
Diabetes-Remission durch hohen Gewichtsverlust
Für eine Diabetes-Remission sollte laut der Praxisempfehlung eine Gewichtsreduktion von 15% des Ausgangsgewichts bei Übergewicht und Adipositas angestrebt werden. Ergebnisse der DiRECT-Studie zeigen, dass durch einen Gewichtsverlust von mindestens 15 kg bei adipösen Patienten grundsätzlich eine vollständige Diabetes-Remission möglich ist. Die Erfolgsrate sank erheblich bei geringerem Gewichtsverlust und eine starke Gewichtsreduktion gelang nur wenigen Patienten. Voraussetzung für das Erreichen der Remission war eine Diabetesdauer von maximal sechs Jahren, die Intervention sollte folglich möglichst früh erfolgen.
Von Low-Carb-Diät bis vegane Ernährung
Betroffene können individuell unter verschiedenen Ernährungsweisen wählen. Gute Effekte seien für Low-Carb-Diäten nachgewiesen worden, berichtete Prof. Dr. med. Diana Rubin, Vorsitzenden des Ausschusses für Ernährung der DDG im Rahmen einer Pressemitteilung. Personen unter Insulintherapie sollten dabei allerdings engmaschig überwacht werden. Low-Fat-Diäten seien zumindest mittelfristig in der Wirkung ebenbürtig. Auch Intervallfasten könne unter ärztlicher Überwachung zur Gewichtsreduktion eingesetzt werden.
Formula-Diäten
Rasche, hohe Gewichtsverluste können durch Mahlzeitenersatz mit Formula-Diäten erreicht werden. Eine große Studie belegt, dass nahezu die Hälfte der übergewichtigen Diabetespatienten, die zunächst über drei bis fünf Monate eine Formula-Diät mit einem Kaloriengehalt von 825 bis 852 kcal pro Tag einhielten, eine Remission erzielten, die teilweise über zwei Jahre hinweg andauerte.
Ernährungsformen
Soll keine bestimmte Diät eingesetzt werden, sind laut Rubin für das Diabetesmanagement mediterrane, vegetarische oder vegane Ernährungsmuster gleichermaßen geeignet. Zu neueren Ernährungsformen wie makrobiotischer Ernährung, DASH (Dietary Approaches to Stop Hypertension)- und Paleo-Diät liegen derzeit keine ausreichenden Daten vor.
Ist keine Ernährungsform wirksam, kann eine bariatrische Operation in Erwägung gezogen werden, die ebenfalls sehr erfolgreich eine Diabetes-Remission herbeiführen kann. Diese Eingriffe sind jedoch an strenge Indikationskriterien geknüpft.
Gemeinsamkeiten der Ernährungsweisen
Bis ausreichend Daten zur Überlegenheit eines speziellen Ernährungsmusters bezogen auf die Zielparameter der Diabetestherapie vorliegen, wird Personen mit Typ-2-Diabetes empfohlen, sich an den Gemeinsamkeiten der genannten Ernährungsmuster zu orientieren. Dazu zählen beispielsweise:
- Verwendung unverarbeiteter, naturbelassener Lebensmittel
- Zufuhr von Kohlenhydraten in Form von Vollkornprodukten, stärkearmen Gemüsesorten, Hülsenfrüchten und Nüssen
- Vermeidung von raffiniertem Zucker, hochverarbeitetem Getreide
- Ballaststoffzufuhr durch zuckerarmes Obst
Süßstoffe in üblichen Mengen seien unbedenklich, erklärte Rubin. Auch ein mäßiger Alkoholkonsum ist bei guter Stoffwechseleinstellung vertretbar.
Körperliche Aktivität verbessert Gewichtsregulation
Ein hohes Maß an körperlicher Aktivität führt auch bei niedriger Intensität (z. B. schnelles Gehen nach den Mahlzeiten) zu einer besseren Anpassung des Appetits an den Energiebedarf. Regelmäßige körperliche Bewegung fördert somit die Gewichtsregulation.
Individuelle und nachhaltige Strategie
Die individuelle Anpassung der Ernährungsstrategie steht im Fokus der Empfehlung, da die verschiedenen Ernährungsformen bisher als etwa gleichwertig zu betrachten sind. „Entscheidend ist, dass die Abnehmstrategie zu den Präferenzen der übergewichtigen Person passt und nachhaltig im Alltag umgesetzt werden kann“, erläuterte Rubin. Ein stabiles Körpergewicht scheint zudem auch mit einem besseren kardiovaskulären Outcome verbunden zu sein als eine hohe Gewichtsvariabilität.
Die individualisierte Ernährungsberatung sollte somit häufiger genutzt werden, neben der Sprechstunde auch per Mail oder Telefon. Ebenso kann eine verschreibungsfähige App hilfreich sein. Dabei ist der Ernährungstherapieplan regelmäßig mit der Verwendung von Medikamenten, körperlicher Aktivität usw. abzustimmen. „In jedem Fall sollte möglichst früh eine Therapie angeboten werden“, betonte Rubin.








