Mit zunehmendem Körpergewicht steigt das Risiko für Typ-2-Diabetes, arterielle Hypertonie, Dyslipidämie und kardiovaskuläre Komplikationen. Eine nachhaltige Gewichtsreduktion ist bei Adipositas daher ein zentrales Therapieziel, um Folgeerkrankungen zu vermeiden und die Lebensqualität zu verbessern.
GLP-1-Rezeptoragonisten als wirksame Therapieoption
Neben Ernährungstherapie und Bewegung haben Glucagon-like Peptide-1-Rezeptoragonisten (GLP-1-RA) in den letzten Jahren einen festen Platz in der Adipositastherapie eingenommen. Sie fördern die Insulinsekretion, verzögern die Magenentleerung und steigern das Sättigungsgefühl. Semaglutid, ein langwirksamer Vertreter dieser Substanzklasse, zeigte in früheren Studien mit einer wöchentlichen subkutanen Dosis von 2,4 mg eine mittlere Gewichtsreduktion von etwa 15 % und führte in vielen Ländern zur Zulassung für das Gewichtsmanagement. Dennoch zeigte z. B. die STEP 1-Studie, dass zahlreiche Patienten unter dieser Dosierung ihre individuellen Zielwerte nicht erreichen, was den Bedarf an weiterführenden Therapiekonzepten unterstreicht.
STEP UP-Studie zu einer höheren Semaglutid-Dosierung
Die Phase-3b-Studie STEP UP untersuchte, ob eine Erhöhung der Dosis auf 7,2 mg Semaglutid einmal wöchentlich zu einer stärkeren Gewichtsreduktion führt als die Standarddosis von 2,4 mg und ob sich diese Dosis sicher anwenden lässt.
Eingeschlossen wurden 1407 Erwachsene mit einem BMI von mindestens 30 kg/m², jedoch ohne Diabetes. Die Probanden wurden im Verhältnis 5:1:1 randomisiert und erhielten Semaglutid 7,2 mg, Semaglutid 2,4 mg oder Placebo. Alle Teilnehmer nahmen zusätzlich an einer Lebensstilintervention mit kalorienreduzierter Ernährung und erhöhter körperlicher Aktivität teil.
Deutliche Gewichtsreduktion unter Semaglutid 7,2 mg
Nach 72 Wochen erreichten die Probanden unter Semaglutid 7,2 mg eine mittlere Gewichtsreduktion von 18,7 %, verglichen mit 15,6 % unter 2,4 mg und 3,9 % unter Placebo. Besonders auffällig war der Anteil der Patienten mit hoher Gewichtsabnahme: 48 % der Behandelten verloren 20 % oder mehr ihres Ausgangsgewichts, 31 % sogar 25 % oder mehr. Unter 2,4 mg lag dieser Anteil bei 33 % bzw. 15 %, unter Placebo bei nur 3 %. Die Effekte zeigten sich über Altersgruppen, Ausgangs-BMI, Region und glykämischen Status hinweg.
Interessanterweise erreichten über 40 % der Behandelten mit 7,2 mg am Studienende einen BMI unter 30 kg/m², was eine klinisch relevante Verschiebung vom adipösen in den übergewichtigen Bereich darstellt.
Verbesserung kardiometabolischer Parameter
Neben der Gewichtsreduktion zeigte sich eine deutliche Abnahme des Taillenumfangs um durchschnittlich 11,7 cm gegenüber Placebo. Auch Blutdruck, Lipidprofile und Entzündungsmarker verbesserten sich signifikant. Der systolische Blutdruck sank um etwa 10 mmHg, der diastolische um 4 mmHg. Triglyzeride und VLDL-Cholesterin wurden reduziert, während der Entzündungsmarker hsCRP um mehr als die Hälfte abnahm. Zudem verbesserten sich HbA1c, Nüchternplasmaglukose und Insulinspiegel. Bei prädiabetischen Teilnehmern normalisierte sich der Glukosestoffwechsel in 83 % der Fälle, während unter der 7,2-mg-Dosis kein Patient einen manifesten Diabetes entwickelte.
Akzeptable Verträglichkeit und Sicherheit
Das Sicherheitsprofil der höheren Dosis entsprach weitgehend dem der bekannten GLP-1-RA. Gastrointestinale Symptome wie Übelkeit, Erbrechen, Durchfall und Obstipation waren die häufigsten Ereignisse und traten meist während der Dosissteigerung auf. Dysästhesien wie Kribbeln oder Brennen traten bei etwa 23 % der Patienten auf, waren überwiegend vorübergehend und führten nur selten zu einem Therapieabbruch.
Insgesamt mussten 47 Patienten ihre Dosis reduzieren und vier die Behandlung wegen dieser Beschwerden abbrechen. Schwere unerwünschte Ereignisse wurden bei 6,8 % der Behandelten berichtet, Todesfälle traten nicht auf.
Höhere Dosierung als Therapieoption bei mangelnden Ergebnissen
Die Ergebnisse der STEP UP-Studie verdeutlichen, dass Semaglutid 7,2 mg eine weitere Option für Patienten darstellen könnte, die unter der bisherigen Dosierung keine ausreichende Gewichtsreduktion erreichen konnten. Der deutliche Effekt auf Körpergewicht, Glukosekontrolle und kardiometabolische Marker spricht für ein günstiges Nutzen-Risiko-Verhältnis.
Weitere Studien mit längerer Nachbeobachtung werden zeigen, ob die erzielten Effekte langfristig stabil bleiben und welche Patientengruppen am stärksten profitieren. Insgesamt bestätigt die STEP UP-Studie, dass Semaglutid 7,2 mg ein wirksamer und gut verträglicher Ansatz für eine intensivere Behandlung der Adipositas ist.
Die STEP UP-Studie ist bei ClinicalTrials.gov registriert unter NCT05646706 und wurde von NovoNordisk finanziert.








