Hypoparathyreoidismus: Lebensqualität im Fokus

Der Hypoparathyreoidismus ist durch eine Hypokalzämie in Kombination mit inadäquat niedrigen Parathormonspiegeln definiert. Die derzeitige Standardbehandlung besteht in einer lebenslangen Supplementierung von Kalzium- und/oder Vitamin D. Trotz der Therapie treten bei vielen Betroffenen Symptome auf, die sich negativ auf ihre Lebensqualität auswirken können.

Feedback

Vielfältige Symptome

Die häufigste Ursache für einen Hypoparathyreoidismus (HypoPT) ist mit drei Viertel der Fälle eine Operation im Bereich der Schilddrüse oder Nebenschilddrüse. Die restlichen Fälle entfallen auf seltene genetische Erkrankungen, sind autoimmun bedingt oder idiopathisch. Die Standardbehandlung besteht in einer lebenslangen Kalzium- und/oder Vitamin-D-Supplementierung mit regelmäßiger Überwachung. Diese Therapie kann die natürliche Kalzium-Phosphat-Homöostase jedoch nicht ersetzten. Das bringt für Betroffene unangenehme Symptome wie Kribbeln, Krämpfe und Verdauungsprobleme mit sich. Doch die Beschwerden reichen darüber noch weit hinaus. Die neuen Leitlinien fokussieren deshalb zunehmend auch auf die Lebensqualität der Betroffenen.

Lebensqualität vergleichbar mit chronischer Herzerkrankung oder Diabetes

Eine Metaanalyse fasst den aktuellen Wissensstand zum Thema „Lebensqualität bei Betroffenen mit HypoPT“ zusammen. Dafür wurden die Daten von 23 Studien erhoben. HypoPT-Patienten und Patientinnen, die eine Standardbehandlung erhalten, berichten über eine Beeinträchtigung der Lebensqualität im Vergleich zu Normpopulationen oder entsprechenden Kontrollen. Es zeigte sich, dass die Mehrzahl der Betroffenen eine Reduktion ihrer Lebensqualität erlebte, die mit der bei chronischer Herzerkrankung oder Diabetes vergleichbar war.

Einschränkungen in allen Lebensbereichen möglich

Die Einschränkungen umfassten das körperliche Wohlbefinden, aber auch die psychische Gesundheit und das Sozialleben der Betroffenen. So gaben in Studien bis zu 30% der Patienten an, dass die Erkrankung Auswirkungen auf ihre Arbeitssituation gehabt habe, die von einer Reduzierung der Arbeitszeit bis hin zu einer vorzeitigen Pensionierung oder sogar einer Entlassung reichten.

In einer Studie mit 264 HypoPT-Patienten gaben 16,3% an, aufgrund ihrer Erkrankung psychotherapeutisch behandelt worden zu sein. Besonders belastend erleben Betroffene dabei, dass sich Mitarbeitende des Gesundheitssystems bei Kontakten im Allgemeinen schlecht mit ihrer Erkrankung auskannten und es schwierig war passende Experten zu finden. Zusätzlich gab es eine Studie die einen Zusammenhang zwischen der Reduktion der Lebensqualität und Krankenhausaufenthalten aufgrund krisenhafter Hypokalzämien zeigte.

Körperliche Beschwerden reichten von Schmerzen, über Krämpfe, Vitalitätsverlust bis hin zu Verdauungsproblemen und Taubheit und waren dann besonders eindrücklich, wenn in Studien Fragebögen zum Einsatz kamen, die speziell für Menschen mit Hypoparathyreoidismus entworfen wurden.

Parathormon: Mehr als Kalziumregulation?

Interessanterweise fand nur eine einzige Studie einen Zusammenhang zwischen den Kalziumspiegeln und den Beschwerden. Bei allen anderen wurde keine Assoziation nachgewiesen. Dennoch wird in der Literatur diskutiert, ob Beschwerden möglicherweise mit Schwankungen des Kalziumspiegels in Zusammenhang stehen, die durch die normalen Kontrollen nicht erfasst werden.

Weiterhin scheint die Funktion des Parathormons über die reine Regulation der Kalzium-Phosphat-Homöostase hinauszugehen. Dafür spricht, dass PTH-Rezeptoren in Muskelzellen, dem Zentralnervensystem und mehreren Gehirnregionen gefunden wurden. Über die genannten Beschwerden hinaus können Komorbiditäten wie Nierensteine, Herz-Kreislauf-Erkrankungen oder Verkalkungen die Lebensqualität zusätzlich negativ beeinflussen.

Bedeutung der Lebensqualität und neue Therapieansätze

Die Rolle des Parathormons ist noch nicht abschließend verstanden. Symptome von Betroffenen mit Hypoparathyreoidismus sollten ernstgenommen werden und die Lebensqualität aktiv mit abgefragt werden. Gerade auch im Kontext der Forschung ist es wichtig, dass die Lebensqualität anhand spezieller Fragebögen erfasst wird, die für HypoPT entwickelt wurden, um spezifische Symptome nicht zu übersehen.

Eine vielversprechende Lösung für Menschen mit HypoPT könnte in synthetischem Parathormon liegen. Erste Studien haben diesbezüglich vielversprechende Ergebnisse gezeigt.

Autor:
Stand:
29.05.2024
Quelle:

Büttner, M., Singer, S. & Taylor, K. Lebensqualität bei Patienten mit Hypoparathyreoidismus, die eine Standardbehandlung erhalten: eine aktualisierte systematische Übersicht. Endokrin (2024). https://doi.org/10.1007/s12020-024-03807-2

  • Teilen
  • Teilen
  • Teilen
  • Drucken
  • Senden