Das metabolische Syndrom (MetS) fasst eine Gruppe von koexistenten Risikofaktoren für kardiovaskuläre Erkrankungen zusammen. Dazu zählen ein erhöhter Taillenumfang, Hypertension, Hyperglykämie, Hypertriglyceridämie sowie erniedrigte HDL-Cholesterin-Werte.
In einigen Studien konnte bereits gezeigt werden, dass auch die chronische Autoimmunerkrankung rheumatoide Arthritis (RA) einen Risikofaktor für kardiovaskuläre Erkrankungen darstellt. Darüber hinaus ist auch die Prävalenz des MetS beziehungsweise seiner einzelnen Komponenten bei Patienten mit RA vergleichsweise hoch.
Weitgehend unklar ist allerdings, wie das Gesamtbild des MetS mit dem Risiko für eine RA-Neuerkrankung korreliert. Dieser Fragestellung wandte sich nun eine chinesische Forschungsgruppe zu.
Studie untersucht Assoziation von MetS mit RA
Die Studie basierte auf der UK Biobank, einer prospektiven epidemiologischen Datenbank mit über 500.000 Teilnehmern im Alter von 40 bis 69 Jahren. Von 2006 bis 2010 wurden insgesamt 369.065 Teilnehmer ohne vordiagnostizierte RA rekrutiert und in eine MetS-Gruppe und eine Nicht-MetS-Gruppe unterteilt. In die MetS-Gruppe wurden dabei nur Patienten aufgenommen, welche die diagnostischen Kriterien der National Education Program Adult Treatment Panel III und der World Health Organisation/ International Diabetes Federation erfüllten. Zu diesen zählt das Vorhandensein von mindestens drei der oben beschriebenen MetS-Komponenten.
Fehlten Daten zu den einzelnen MS-Komponenten, dem Alter, Body-Mass-Index (BMI), Geschlecht, Sport- und Ernährungsgewohnheiten, der Bildung sowie zum Tabak- und Alkoholkonsum, wurden die Patienten ausgeschlossen.
Häufigere RA-Neudiagnosen in MetS-Gruppe
Etwa 33% der Patienten wiesen zu Studienbeginn ein MetS auf, wobei das mittlere Alter dieser Gruppe bei 61 Jahren lag und die Geschlechtsverteilung etwa gleich war. In dieser Gruppe waren Patienten häufiger von Adipositas betroffen, weniger sportlich aktiv, hatten eine Raucheranamnese und einen niedrigen sozioökonomischen Status. In der Nicht-MetS-Gruppe war der Frauenanteil etwas höher und das mittlere Alter lag bei 56 Jahren.
Das Follow-Up dauerte im Mittel 12 Jahre an, wobei insgesamt 4.901 RA-Fälle im Studienzeitraum beobachtet wurden. In der MetS-Gruppe wurde bei 1,82% der Patienten RA diagnostiziert, während dies bei den Nicht-MetS-Patienten bei 1,08% der Fall war. Nach Adjustierung für Geschlecht, Alter, Bildung, BMI, Sportaktivität und Ernährung zeigte sich in der MetS-Gruppe ein um 22% erhöhtes Risiko, an RA zu erkranken (p<0,001).
MetS mit allen fünf Komponenten mit höchster RA-Inzidenz assoziiert
Das Risiko für das Entwickeln einer RA stieg mit zunehmender Anzahl der MetS-Komponenten an, wobei Patienten, die alle fünf MetS-Komponenten aufwiesen, entsprechend das höchste Risiko hatten. Unter den einzelnen Komponenten zeigte sich nur beim erhöhten Taillenumfang und beim erniedrigten HDL-Cholesterin ein signifikant erhöhtes RA-Risiko. Dabei war eine Erweiterung des Taillenumfangs um einen Zentimeter mit einem um 2% erhöhten RA-Risiko assoziiert, während eine Zunahme des HDL-Cholesterins um einen Millimol pro Liter mit einer RA-Risikoreduktion um 24% in Verbindung stand.
Studienstärken- und Limitationen
Die wichtigsten Studienstärken stellen die große Patientenkohorte und der lange Follow-Up-Zeitraum dar. Zu den Limitationen zählt die Tatsache, dass keine Daten zu einigen klinischen RA-Faktoren, wie beispielsweise zur Serum-Rheuma-Faktor-Positivität, in der UK Biobank vorlagen. Des Weiteren war die überwiegende Mehrheit der Patienten weiß, sodass unklar ist, ob die Ergebnisse auch auf andere Ethnizitäten übertragbar sind.
Immunologische Ursachen möglich
Eine mögliche Erklärung für den Zusammenhang eines erhöhten Taillenumfangs mit einem erhöhten RA-Risiko wäre die Tatsache, dass Adipozyten Zytokine wie Leptin und Adiponectin sezernieren, die proinflammatorisch wirken und somit an der RA-Entwicklung beteiligt sein könnten.
Das HDL-Cholesterin wirkt inhibierend auf die exzessive Leukozyten-Produktion, was eine mögliche Erklärung für seine potentiell protektive Wirkung darstellt. Des Weiteren führt eine Abnahme des HDL-Cholesterins zur Akkumulation von Cholesterol, welches möglicherweise die immunologische Zellfunktion schwächt.
Fazit: MetS-Prävention könnte zur RA-Risikoreduktion beitragen
Die Studienergebnisse zeigen, dass eine mögliche Assoziation zwischen dem MetS sowie einiger seiner einzelnen Komponenten und einem erhöhten RA-Risiko besteht. Die MetS-Prävention und das frühzeitige Eingreifen beim Vorliegen einzelner MetS-Komponenten könnten somit zur RA-Risikoreduktion beitragen.









