Zu Beginn des letzten Jahrhunderts waren Infektionskrankheiten mit mythischen, magischen und religiösen Vorstellungen verbunden. Am Ende des 19. Jahrhundert begannen Forscher Mikroorganismen zu entdecken, was neue Wege für die Therapie und Prophylaxe eröffnete. Mit der Entwicklung von Impfstoffen und antimikrobiellen Therapien waren Forscher schließlich sicher, Infektionskrankheiten völlig ausrotten zu können [1]. Unter dem 1977 veröffentlichten Slogan der Weltgesundheitsorganisation (WHO) „Gesundheit für alle bis zum Jahr 2000“ sollte es für alle Menschen möglich sein, ein sozial und wirtschaftlich produktives Leben zu führen [2].
Ausrottung von Infektionskrankheiten
Auch inspiriert von der Ausrottung der Pocken, veröffentlichten die Centers for Disease Control and Prevention 1993 eine Liste mit potenziell eliminierbaren Krankheiten, die u. a. Virushepatitiden enthielt. Ausrottung wurde dabei definiert als "die Verringerung der weltweiten Inzidenz einer Krankheit auf null als Ergebnis gezielter Bemühungen, wodurch die Notwendigkeit zusätzlicher Bekämpfungsmaßnahmen entfällt“. Auf dieser Grundlage hat die WHO im Jahr 2016 beschlossen, bis 2030 die Neuinfektionen bei Virushepatitiden um 90% und die Sterblichkeit um 65% zu verringern.
Herausforderungen bei der Ausrottung von Hepatitis B und C
Massimo Ghidinelli, Leiter der Abteilung HIV, Hepatitis, Tuberkulose und sexuell übertragbare Infektionen bei der Pan American Health Organization (PAHO)/WHO betonte: "Es handelt sich um eine stille Epidemie, da die Infizierten keine Symptome zeigen, bis die Leber bereits geschädigt ist. Deshalb ist es wichtig, dass die Länder ihre Anstrengungen verstärken, um das Ziel zu erreichen, Hepatitis als Problem der öffentlichen Gesundheit in der Region bis 2030 zu beseitigen“ [3]. Dazu gehören die Einschätzung der bestehenden Krankheitslast, ihre aktuelle Dynamik und wahrscheinliche Zukunftsszenarien. Die Global Burden of Diseases, Injuries, and Risk Factors Study sammelte von 1990 bis 2019 Daten zu Infektionen mit Hepatis-B- (HBV) und Hepatitis-C-Viren (HCV). Eine Forschergruppe hat diese Daten nun ausgewertet, um die Entwicklung der Prävalenz, Inzidenz und Mortalität von HBV- und HCV-Infektionen weltweit zu beschreiben [2].
Veränderungen der Prävalenz und Inzidenz von HBV- und HCV-Infektionen
Im Jahr 2019 lebten weltweit 439,5 Millionen Menschen mit HBV bzw. HCV und die altersstandardisierten Prävalenzraten (ASPR) für HBV und HCV betrugen 4216,3 bzw. 1463,3 pro 100.000 Menschen. Die prozentuale Veränderung der ASPR (2019/1990) betrug -31,4% für HBV und -12,8% für HCV. Diese Veränderung war am höchsten in Ländern mit mittlerem Soziodemografischen Index (SDI) und am niedrigsten in Ländern mit hohem SDI. Bei HCV stieg die Prävalenzrate in Ländern mit hohem SDI im Berichtszeitraum um +11,2 %.
Insgesamt beobachteten die Forscher einen starken Rückgang der Prävalenz und Inzidenz von HBV ab dem Jahr 2000. Die meisten Erfolge sind hier auf den Einsatz von Impfstoffen zurückzuführen. Bei HCV nahmen Prävalenz und Inzidenz von 2000 bis 2004 ab, stiegen danach aber wieder an. Für die Bekämpfung von Hepatitis C gibt es bisher keine prophylaktischen Maßnahmen und die Fortschritte bei der Prävention sind v. a. auf verbesserte Screening-Maßnahmen in den Blutbanken zurückzuführen.
Veränderungen der Mortalität bei Hepatitis B und C
Im Jahr 2019 gab es weltweit 1,09 Millionen Todesfälle durch HBV oder HCV. Die prozentualen Gesamtveränderungen der altersstandardisierten Sterblichkeitsraten (ASMR) (2019/1990) bei HBV und HCB betrugen -26,7% bzw. +10,0%. Daraus lässt sich schließen, dass die ASMR für HCV in diesem Zeitraum anstieg, während sie für HBV abnahm. HCV war diese Veränderung am höchsten in Ländern mit hohem SDI und ging nur in Ländern mit niedrigem SDI zurück.
Fazit der Studie
Die Analyse zeigte, dass Inzidenz und Prävalenz von HBV und HCV zwischen 1990 und 2019 weltweit zurückgegangen ist. Die meisten Rückgänge wurden mit Präventionsmaßnahmen wie Impfungen, sichereren Bluttransfusionen und der Verhinderung sexueller Übertragungen in Verbindung gebracht. Es bleibt jedoch trotz der Fortschritte noch ein weiter Weg bis zum Ziel für 2030. Eine Herausforderung besteht darin, einen Weg zu finden, den jährlichen Rückgang zu beschleunigen.









