FDA lässt Linzess für die Behandlung von funktioneller Obstipation bei Kindern zu

Die FDA lässt Linzess für die Therapie von funktioneller Obstipation bei Kindern im Alter von 6 bis 17 Jahren zu. Das Präparat mit dem Peptidwirkstoff Linaclotid in einer Dosierung von 72 µg ist die erste und einzige zugelassene verschreibungspflichtige Therapie für diese Erkrankung.

Kind mit Obstipation

Funktionelle Verstopfung stellt eine chronische Erkrankung bei Kindern dar, bei der harte und selten auftretende Stuhlgänge das Hauptmerkmal sind. In den USA sind schätzungsweise 6 Millionen Kinder im Alter von 6 bis 17 Jahren von dieser Erkrankung betroffen. Bisher gab es keine von der US-amerikanischen Food and Drug Administration (FDA) erlaubte Behandlungsmöglichkeit für junge Patienten.

Nun wurde die Zulassung des Präparates Linzess mit dem Peptidwirkstoff Linaclotid für Kinder von 6 bis 17 Jahren durch die FDA genehmigt. Das Medikament war bereits zuvor für die Therapie des Reizdarmsyndroms mit Verstopfung oder der chronisch idiopathischen Verstopfung bei Erwachsenen auf dem Markt. 

Der Guanylatcyclase-C-Rezeptor-Agonist Linaclotid erhöht durch die Aktivierung des Cystische-Fibrose-Transmembran-Regulators (CFTR) die Sekretion von Chlorid und Bicarbonat in das Darmlumen. Infolgedessen kommt es zu vermehrter Darmflüssigkeit und schnellerem Kolontransit.

Studiendesign und Einschlusskriterien

Die FDA stützt ihre Entscheidung auf die Resultate einer 12-wöchigen doppelblinden, randomisierten und multizentrischen Phase-III-Studie mit 328 Patienten im Alter von 6 bis 17 Jahren, die entweder Linaclotid oder Placebo erhielten. 

In der Studie wurden die diagnostischen Rom-III-Kriterien für funktionelle Verstopfung angepasst, um Kinder einzubeziehen, die weniger als drei spontane Stuhlgänge pro Woche hatten. Darüber hinaus musste zumindest eines der folgenden Kriterien einmal pro Woche für mindestens zwei Monate vor der Untersuchung zutreffen:

  • Zurückhalten von Stuhl oder übermäßiges freiwilliges Zurückhalten von Stuhl
  • Schmerzhafte / harte Stuhlgänge
  • Großer Stuhldurchmesser
  • Vorhandensein einer großen Stuhlmasse im Rektum
  • Mindestens eine Episode von Stuhlinkontinenz

Signifikante Steigerung der Stuhlgänge pro Woche

Als primärer Endpunkt der Studie wurde die durchschnittliche Frequenz der spontanen Stuhlgänge (SBM-Frequenz) nach 12 Wochen im Vergleich zum Ausgangswert definiert. 

Die Ergebnisse zeigten, dass sich die SBM-Frequenz pro Woche bei der Linaclotid-Gruppe statistisch signifikant im Vergleich zur Placebo-Gruppe steigerte. Patienten, die mit Linaclotid behandelt wurden, hatten dabei eine durchschnittliche SBM-Frequenz von 2,6 pro Woche. In der Placebo-Gruppe betrug diese 1,3. 

Als häufigste unerwünschte Begleiterscheinung der Behandlung wurde Durchfall angegeben, wobei dieser bei 4% der mit Linaclotid behandelten Patienten und bei 2% in der Placebo-Gruppe auftrat.  

Anwendungsbeschränkungen 

Die FDA betont, dass die Behandlung mit Linaclotid abgebrochen werden sollte, wenn es zu schwerem Durchfall kommt. Zudem sollte das Medikament nicht bei Kindern unter 2 Jahren oder bei Patienten mit bekannten oder vermuteten mechanischen gastrointestinalen Obstruktionen angewendet werden.

In Deutschland ist Linaclotid seit 2012 unter dem Handelsnamen Constella zur symptomatischen Behandlung des mittelschweren bis schweren Reizdarmsyndroms mit Obstipation bei Erwachsenen zugelassen. Die Europäische Arzneimittelagentur (EMA) prüft aktuell die erweiterte Anwendung des Medikaments für funktionelle Obstipation bei Kindern von 6 Monaten bis 18 Jahren (EMEA-000927-PIP01-10-M06). 

Autor:
Stand:
14.06.2023
Quelle:

Ironwood Pharmaceuticals Inc., Pressemitteilung, 12. Juni 2023

Europäische Arzneimittelagentur (EMA), Produktinformation

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