Metabolisch assoziierte Fettlebererkrankung bei Typ-2-Diabetes: Rolle von Sexual- und Schilddrüsenhormonen

Die metabolisch assoziierte Fettlebererkrankung (MAFLD) ist eine häufige Stoffwechselerkrankung, die oft bei Patienten mit Typ-2-Diabetes (T2D) auftritt. Eine aktuelle Studie untersuchte, inwieweit Sexual- und Schilddrüsenhormonen mit dem MAFLD-Risiko bei T2D zusammenhängen.

Leber Anatomie

Die metabolisch assoziierte Fettlebererkrankung (MAFLD), früher als nicht-alkoholische Fettlebererkrankung (NAFLD) bezeichnet, betrifft etwa 25% der erwachsenen Weltbevölkerung und stellt neben Typ-2-Diabetes (T2D) eine bedeutende chronische Stoffwechselerkrankung dar. MAFLD wird diagnostiziert, wenn eine Lebersteatose (Fettleber) vorliegt und mindestens eines der folgenden Kriterien erfüllt ist: Übergewicht/Adipositas, Diabetes mellitus oder eine nachgewiesene metabolische Dysfunktion bei schlanken Menschen. 

Hormone spielen eine zentrale Rolle bei der Regulierung von Stoffwechselvorgängen. Sexualhormone beeinflussen beispielsweise den Fettstoffwechsel und die Fettverteilung im Körper und werden mit Stoffwechselerkrankungen wie T2D in Verbindung gebracht. Schilddrüsenhormone regulieren beispielsweise die Thermogenese und die Nahrungsaufnahme, und eine Schilddrüsenfehlfunktion kann zum metabolischen Syndrom beitragen.

In einer aktuellen Studie untersuchten Wissenschaftler aus China den Zusammenhang zwischen Sexual- und Schilddrüsenhormonen und dem Auftreten von MAFLD bei Frauen und Männern mit T2D. Eingeschlossen wurden 432 Patienten (mittleres Alter ± Standardabweichung [SD]: 55,8 Jahre ± 12,5 Jahre), die zwischen Januar 2018 und April 2020 aufgrund ihres Diabetes oder assoziierter Komplikationen im Zhongshan Hospital in Xiamen (China) hospitalisiert waren. 

Klinische Parameter der T2D-Patienten mit MAFLD

Unter den eingeschlossenen Patienten befanden sich 185 Frauen (mittleres Alter ± SD: 52,8 Jahre ± 12,9 Jahre) und 247 Männer (mittleres Alter ± SD: 59,7 Jahre ± 10,7 Jahre; p<0,001). Insgesamt wurde bei 61,1% der Frauen und 65,6% der Männer MAFLD diagnostiziert. Patienten mit MAFLD (sowohl Frauen als auch Männer) wiesen im Vergleich zu T2D-Patienten ohne MAFLD ein signifikant höheres Körpergewicht, einen höheren Body-Mass-Index (BMI) und Taillenumfang, einen höheren Fettleberindex sowie erhöhte Werte von HOMA-IR, Triglyceriden, HDL-Cholesterin, Blutharnsäure, C-reaktives Protein (CRP), Aspartat-Aminotransferase (AST), Alanin-Aminotransferase (ALT) und Gamma-Glutamyl-Transferase (GGT) auf (alle p<0,05). 

Männliche T2D-Patienten: Zusammenhang zwischen Sexualhormonen und MAFLD-Risiko

Nach Bereinigung potenzieller Risikofaktoren mittels multivariabler logistischer Regressionsanalyse (einschließlich Geschlecht, Alter, Rauch- und Trinkgewohnheiten, BMI, Diabetesdauer, HbA1c, Triglyceride und HDL-Cholesterin), wurde festgestellt, dass erhöhte Progesteron-Werte bei Männern mit T2D mit einem erhöhten Risiko für MAFLD assoziiert sind (bereinigte Odds Ratio [OR]: 8,069; 95%-Konfidenzintervall [KI]: 2,019 bis 32,258; p=0,003). Gleichzeitig waren erhöhte Werte von Follikelstimulierendem Hormon (FSH (bereinigte OR: 0,919; 95%-KI: 0,856 bis 0,986; p=0,019) und Luteinisierendem Hormon (LH) (bereinigte OR: 0,888; 95%-KI: 0,802 bis 0,983; p=0,022) mit einem reduzierten Risiko für MAFLD assoziiert. Diese Hormone haben unterschiedliche Rollen: während FSH und LH an der männlichen Spermatogenese beteiligt sind, wirkt Progesteron als weibliches Geschlechtshormon und reguliert bei Frauen beispielsweise den Menstruationszyklus.

Bei Frauen mit T2D konnten nach Bereinigung potenzieller Risikofaktoren hingegen keine signifikanten Assoziationen der untersuchten Sexualhormone mit dem Risiko für MAFLD festgestellt werden. Auch die analysierten Schilddrüsenhormone zeigten nach Bereinigung weder bei Frauen noch bei Männern mit T2D einen Zusammenhang mit dem MAFLD-Risiko. 

Die Ergebnisse dieser Studie deuten darauf hin, dass bestimmte Sexualhormone bei Männern mit T2D eine Rolle bei der Entwicklung von MAFLD spielen könnten. Eine Überwachung dieser geschlechtsspezifischen Hormone könnte daher bei männlichen Patienten mit T2D sinnvoll sein.

Autor:
Stand:
13.08.2024
Quelle:
  1. Eslam M et al. (2020). A new definition for metabolic dysfunction-associated fatty liver disease: An international expert consensus statement. Journal of Hepatology; DOI: https://doi.org/10.1016/j.jhep.2020.03.039.
  2. Mayes JS, Watson GH (2004). Direct effects of sex steroid hormones on adipose tissues and obesity. Obesity Reviews; DOI: 10.1111/j.1467-789X.2004.00152.x.
  3. Hamlaoui ML et al. (2018). Relationship of metabolic syndrome and its components with thyroid dysfunction in Algerian patients. Diabetes & Metabolic Syndrome: Clinical Research & Reviews; DOI: 10.1016/j.dsx.2017.08.001.
  4. Lu W et al. (2024). Associations of sex-related and thyroid-related hormones with risk of metabolic dysfunction-associated fatty liver disease in T2DM patients. BMC Endocrine Disorders; DOI: 10.1186/s12902-024-01618-0.
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