Hormonelle Dysregulation durch intensiven Sport bei jungen Frauen

Sportlich aktive junge Frauen entwickeln häufiger Zyklusstörungen bis hin zur Amenorrhoe. Die hormonellen Folgen beeinflussen Knochengesundheit, Stoffwechsel und psychisches Wohlbefinden.

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In der Adoleszenz und im jungen Erwachsenenalter finden wesentliche endokrine Reifungsprozesse statt. Gleichzeitig steigt die sportliche Aktivität vieler Frauen – im Leistungssport ebenso wie im ambitionierten Freizeitsport. Ein stabiler Menstruationszyklus ist in dieser Phase ein zentraler Indikator für die Integrität der Hypothalamus-Hypophysen-Ovar-Achse. Wird diese Achse durch körperlichen oder energetischen Stress beeinträchtigt, erhöht sich das Risiko für Zyklusstörungen.

Aktuelle Daten zeigen, dass insbesondere ein anhaltendes Energiedefizit – etwa durch intensives Training, unzureichende Kalorienzufuhr oder sportassoziierte Gewichtsregulation – zur funktionellen hypothalamischen Amenorrhoe führen kann. Diese Form der Amenorrhoe ist reversibel, kann jedoch bei langer Persistenz erhebliche Folgen haben.

Entstehungsmechanismen der sportassoziierten Amenorrhoe

Wie Expertin Dr. med. Imke Mebes erläutert, führt die funktionelle Amenorrhoe zu einem chronischen Östrogenmangel. Ein Östrogendefizit in jungen Jahren beeinträchtigt den Aufbau der Knochenmasse und erhöht das Risiko für Osteopenie und Osteoporose im späteren Leben. Neben skelettalen Auswirkungen treten weitere systemische Symptome auf, darunter:

  • Konzentrationsstörungen
  • Verdauungsprobleme
  • Kälteempfindlichkeit
  • Erhöhte Anfälligkeit für depressive Verstimmungen

Diese multidimensionale Symptomatik verdeutlicht, dass die Amenorrhoe nicht lediglich ein zyklischer Ausfall ist, sondern Ausdruck einer ausgeprägten metabolischen Dysbalance.

Frühe Warnzeichen und Wahrnehmung im Alltag

Nach klinischer Erfahrung setzt die Amenorrhoe selten abrupt ein. Häufig verlängern sich die Zyklen zunächst, anschließend wird die Blutung unregelmäßig, bevor sie schließlich ausbleibt. Auffällig ist, dass betroffene junge Frauen selbst die Problematik oft nicht wahrnehmen. Häufig werden sie erst durch ihr Umfeld – insbesondere Eltern – vorgestellt.

Diese Beobachtungen unterstreichen die Bedeutung präventiver Aufklärung im Breiten- ebenso wie im Leistungssport.

Stellenwert zyklusgesteuerter Trainingsmodelle

Zyklusbasiertes Training wird aktuell viel diskutiert. Die Studienlage ist jedoch uneinheitlich: Während frühere Untersuchungen Hinweise auf Leistungsvariationen zwischen Follikel- und Lutealphase lieferten, zeigen neuere Daten gleichbleibende Kraftleistungen unabhängig von der Zyklusphase. Somit besteht bislang keine Evidenz, dass zyklusadaptiertes Training den Erhalt der Menstruation garantiert. Individuelle Präferenzen einzelner Sportlerinnen können jedoch berücksichtigt werden.

Therapieansätze und Reversibilität

Die funktionelle sportassoziierte Amenorrhoe ist prinzipiell reversibel – je kürzer die Dauer, desto schneller der Rückgewinnung der Zyklusfunktion. Zentrale therapeutische Maßnahmen sind:

  • Wiederherstellung der Energiebilanz,
  • Anpassung des Trainingsumfangs,
  • Ernährungsoptimierung,
  • Psychoedukation zu Folgen des Östrogenmangels.

Wenn eine Hormontherapie indiziert ist, wird häufig eine transdermale Östrogengabe bevorzugt, um den Knochenschutz zu gewährleisten. Herausforderung besteht besonders bei Patientinnen mit ausgeprägten Essstörungen, da hier eine spontane Normalisierung des Zyklus seltener gelingt.

Schlussfolgerung und Ausblick

Die sportassoziierte Amenorrhoe stellt ein relevantes endokrinologisches Gesundheitsproblem junger Frauen dar. Frühwarnzeichen sollten ernst genommen und multidimensionale Therapieansätze etabliert werden. Weitere Forschung ist notwendig, um die Interaktion zwischen Trainingsbelastung, Energieverfügbarkeit und hypothalamischer Regulation besser zu verstehen. Eine verbesserte Aufklärung im Breiten- und Leistungssport könnte langfristig dazu beitragen, hormonelle Folgeschäden zu verhindern und die Gesundheit junger Sportlerinnen nachhaltig zu sichern.

Autor:
Stand:
13.05.2026
Quelle:

Online-Pressekonferenz des 69. Deutschen Kongresses für Endokrinologie der Deutschen Gesellschaft für Endokrinologie e.V. (DGE), Mebes I. „Hormonstörungen bei jungen Frauen: wenn durch Sport die Periode ausbleibt“. 04.03.2026.

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