Frauen mit einer hypertensiven Schwangerschaftserkrankung (z. B. Präeklampsie oder Gestationshypertonie) weisen ein langfristig erhöhtes Risiko für kardiovaskuläre Erkrankungen auf. Die Prävalenz hypertensiver Schwangerschaftserkrankungen liegt je nach Definition und Population bei bis zu 10 % aller Schwangerschaften. Die strukturierte Nachsorge dieser Risikopatientinnen stellt eine zunehmende Herausforderung in der Präventionsmedizin dar.
Ein zentraler Ansatzpunkt der kardiovaskulären Prävention ist die Förderung regelmäßiger körperlicher Aktivität. Insbesondere moderat bis intensiv ausgeübte Bewegung gilt als protektiv. Zahlreiche Programme zielen darauf ab, die Diskrepanz zwischen Bewegungsabsicht und tatsächlichem Verhalten zu verringern. In der Praxis scheitern jedoch viele Maßnahmen an der langfristigen Umsetzbarkeit und Adhärenz.
Wirksamkeit App-basierter Interventionen bei Risikopatientinnen
Eine aktuelle, im 'JAMA Network Open' veröffentlichte, randomisiert-kontrollierte Studie untersuchte, ob App-basierte Verhaltensinterventionen auf Basis des Integrated Behavior Change (IBC)-Modells, das motivationale, volitionale und automatische Prozesse der Verhaltenssteuerung integriert, die körperliche Aktivität von Frauen mit hypertensiver Schwangerschaftserkrankung nachhaltig steigern können. Bewertet wurde die Effektivität zweier achtwöchiger digitaler Programme, die evidenzbasierte verhaltenspsychologische Techniken enthielten.
Kontrollierte dreiarmige Studie mit App-Zugang und Fitnesstrackern
Zwischen Oktober 2021 und März 2022 wurden insgesamt 619 Frauen mit vorausgegangener hypertensiver Schwangerschaftserkrankung in die Studie eingeschlossen. Alle Teilnehmerinnen erhielten ein Fitnesstracker-Armband sowie Zugang zu einer eigens entwickelten Interventions-App. Die Randomisierung erfolgte in drei Gruppen:
- Kontrollgruppe: Bereitstellung evidenzbasierter Informationen zu kardiovaskulärer Gesundheit, körperlicher Aktivität und hypertensiven Schwangerschaftserkrankungen.
- Motivationsgruppe: Zusätzlich motivierende Gespräche auf Basis des „Motivational Interviewing“.
- Aktionsgruppe: Zusätzlich Umsetzung verhaltensändernder Maßnahmen nach dem IBC-Modell (u. a. Aktions- und Bewältigungsplanung, Commitment, positive Psychologie, Achtsamkeit).
Die primäre Zielgröße war die wöchentliche Dauer moderater bis intensiver körperlicher Aktivität (Moderate to Vigorous Physical Activity, MVPA), erhoben zu vier Zeitpunkten: zu Studienbeginn (Baseline), nach acht Wochen, nach drei Monaten und nach zwölf Monaten.
Keine signifikanten Effekte der App-Interventionen
Die Teilnehmerinnen zeigten bereits zu Studienbeginn ein hohes Aktivitätsniveau – mit durchschnittlich 242 Minuten MVPA pro Woche. Nach der Intervention sank dieser Wert auf 197 Minuten pro Woche – unabhängig von der Gruppenzugehörigkeit.
Weder in der Aktionsgruppe (−17 min/Woche; 95 %-Konfidenzintervall [95 %-KI]: −58 bis 23) noch in der Motivationsgruppe (−3 min/Woche; 95 %-KI: −58 bis 51) konnte ein signifikanter Unterschied zur Kontrollgruppe festgestellt werden.
Obwohl in der Aktionsgruppe positive Effekte auf motivationale und volitionale Prozesse beobachtet wurden, zeigte sich kein entsprechender Transfer auf das Bewegungsverhalten. Die App und ihre Komponenten wurden von den Teilnehmerinnen durchweg positiv bewertet.
Limitationen durch hohes Ausgangsniveau und methodische Einflussfaktoren
Die hohe Ausgangsaktivität der Studienkohorte stellt eine zentrale Limitation dar: Der Spielraum für weitere Steigerungen war gering. Zudem konnten automatische Verhaltensprozesse – ein Kernelement des IBC-Modells – durch die Intervention nicht ausreichend adressiert werden.
Auch der Informationsumfang und die Nutzung des Fitnesstrackers in der Kontrollgruppe könnten bereits verhaltensverändernd gewirkt und so Unterschiede zwischen den Gruppen nivelliert haben.
Diese Limitationen schränken die Aussagekraft der Ergebnisse hinsichtlich der Wirksamkeit der Interventionen deutlich ein.










