Fischöl, genauer gesagt die langkettigen, mehrfach ungesättigten Omega-3-Fettsäuren (Omega-3-LCPUFA) darin, geraten immer wieder in die Diskussion. So sollen die Omega-3-LCPUFA sich positiv auf die Atherosklerose oder auch auf Gelenkentzündungen auswirken. Auch Schwangeren wird gelegentlich Fischöl empfohlen: Es gibt Belege, dass sich mit diesem Nahrungszusatz das Risiko einer Frühgeburt reduzieren lässt, die fötale Gehirnentwicklung unterstützt wird und das Risiko für Asthma und Infektionen im frühen Kindesalter um ein Drittel sinkt.
Prospektive Studie zu Fischöl in der Schwangerschaft über 10 Jahre
Doch offenbar gibt es auch Nebenwirkungen, die erst spät zutage treten: Neben den positiven Effekten existieren bereits Belege dafür, dass die Supplementierung mit Omega-3-LCPUFA in der Schwangerschaft bei den Kindern das Risiko für Fettleibigkeit erhöht. Das wollte eine Studiengruppe der Universität Kopenhagen (Dänemark) genauer wissen: Mit einer prospektiven klinischen Studie wurden die Daten von 736 Schwangeren und ihren aus der Schwangerschaft hervorgegangenen Kindern analysiert. Die Frauen wurden randomisiert und erhielten ab Schwangerschaftswoche 24 bis 1 Woche nach der Entbindung täglich entweder 2,4 g langkettige, mehrfach ungesättigte Omega-3-Fettsäuren (Omega-3-LCPUFA) oder ein Placebo.
Erhöhter BMI bei den Kindern mit 10 Jahren
Bei der Auswertung der Daten im Alter von sechs Jahren wurde bei den Kindern aus der Verumgruppe ein höherer Body-Mass-Index (BMI) festgestellt als bei den Kindern aus der Placebo-Gruppe, allerdings ohne Unterschied beim Fettanteil.
In der aktuellen Auswertung wurden die Daten derselben Kinder, nun im Alter von zehn Jahren, erneut analysiert. Bei den 282 Kindern aus Schwangerschaften mit einer Fischöl-Nahrungsergänzung wurde im Vergleich zu den 274 Kindern aus der Kontrollgruppe immer noch ein höherer durchschnittlicher BMI (17,4 gegenüber 16,9; p=0,02) festgestellt. Der Anteil der Kinder mit Übergewicht war in der Verumgruppe ebenfalls erhöht (Odds Ratio: 1,53; 95%-Konfidenzintervall [KI]: 1,01 bis 2,33; p=0,047).
Score für metabolisches Syndrom erhöht
Dies entsprach Unterschieden in der Körperzusammensetzung (gemessen mit Impedanzanalyse) in Bezug auf die erhöhte Magermasse (0,49 kg; 95% KI: -0,20 bis 1,14; P = 0,17), Fettmasse (0,49 kg; 95%-KI: -0,03 bis 1,01; p=0,06) und Fettanteil (0,74%; 95%-KI: -0,01 bis 1,49; p=0,053) im Vergleich zur Kontrollgruppe. Kinder in der Gruppe mit der Fischöl-Nahrungsergänzung hatten einen höheren Score für das metabolische Syndrom im Vergleich zur Kontrollgruppe (mittlere Differenz: 0,19; 95%-KI: -0,02 bis 0,39; p=0,053).
Risiken entgegensteuern
Diese Ergebnisse deuten auf mögliche gesundheitsschädliche Auswirkungen einer Omega-3-LCPUFA-Supplementierung während der Schwangerschaft hin und müssen in zukünftigen unabhängigen Studien repliziert werden, so die dänischen Autoren in ihrem Fazit.
Doch selbst wenn weitere Studien bestätigen, dass sich mit der Fischöl-Einnahme in der Schwangerschaft das Risiko für Adipositas und Diabetes bei den Kindern erhöht, heißt dies nicht, dass auf diese Nahrungsergänzung verzichtet werden soll. Denn wer um das Risiko weiß, kann bei den betroffenen Kindern entgegensteuern – beispielsweise mit einer entsprechenden Ernährung und viel Bewegung.











