Geburtsvorbereitung: Weniger Angst und Wehenschmerzen durch progressive Muskelentspannung

Durch ein Training zur progressiven Muskelentspannung während der Schwangerschaft lassen sich Depressionen und Wehenschmerzen vermindern. Wenn die progressive Muskelrelaxation regelmäßig angewendet wird, sinken sogar die Wehenschmerzen. Auch langfristig hilft progressive Muskelentspannung den jungen Müttern beim Entspannen.

progressive-muskelentspannung

Hintergrund: 

Keine Frage: Eine Schwangerschaft ist nicht nur eine körperliche, sondern auch eine psychische Belastung. Viele Frauen sind während der Schwangerschaft anfällig für Stress sowie Stimmungs- und Angststörungen. Das schadet Mutter und Kind. So steigt beispielsweise bei einer Depression in der Spätschwangerschaft für operative Entbindungen oder eine stationäre Betreuung des Neugeborenen. Ein erhöhtes Stresslevel während der Schwangerschaft ist mit einem erhöhten Risiko für Frühgeburten und niedrigem Geburtsgewicht verbunden. Zudem steigt durch die psychische Belastung der Cortisolspiegel, was sich negativ auf den Schwangerschaftsverlauf und die Entwicklung des Fötus auswirken kann. Erhöhter mütterlicher pränataler Stress scheint sich als Risikofaktor für eine Psychopathologie im späteren Leben langfristig auf den Säugling auszuwirken.  

PMR senkt Stresslevel

Um hier entgegenzusteuern, gilt es, den Stresslevel und somit den Cortisolspiegel zu senken. Dabei haben sich passive und aktive Entspannungsmethoden wie die progressive Muskelrelaxation (PMR) als wirkungsvoll erwiesen: weniger verkürzte Schwangerschaften, angemessenes Geburtsgewicht, weniger Indikationen für einen Kaiserschnitt. Auch der Blutdruck, Lungenparameter sowie die Herzfrequenz normalisieren sich bei regelmäßigem PMR-Training. 

Zielsetzung: 

Doch wirkt sich ein solches Entspannungstraining während der Schwangerschaft auch auf die auf Ängste und Depressionen aus? Lassen sich mittels PMR möglicherweise die Schmerzen während der Entbindung bzw. der Schmerzmittelbedarf senken? Das wollte ein Forscherteam der Universität Jena herausfinden. 

Design: 

Für ihre prospektive nicht randomisierte kontrollierte Kohortenstudie werteten sie die Daten von 156 Schwangeren aus. Die Kontrollgruppe erhielt die Standard-Schwangerenvorsorge und Geburtsvorbereitungskurse, während die Interventionsgruppe zusätzlich über sechs Wochen einmal wöchentlich ein progressives Muskelentspannungstraining absolvierte. Angst, Depression und aktuelle Belastung wurden anhand von Selbstauskunftsskalen zu Beginn der Studie, fünf Wochen später und im Wochenbett gemessen. Für die Messung der Wehenschmerzen und der Zufriedenheit mit Schmerzbehandlung wurden bei der dritten Befragung numerische Bewertungsskalen verwendet.

Ergebnis: 

Das Muskelentspannungstraining führte zu einer signifikanten Reduktion der Depressionswerte. In der Wochenbettphase verringerte sich das Merkmal Trait-Angst, das die grundlegende Ängstlichkeit einer Person beschreibt, in beiden Gruppen deutlich. Es gab jedoch keine signifikanten Unterschiede im Schwangerschaftsverlauf, den Wehenschmerzen oder dem Bedarf an Schmerzmitteln zwischen den Gruppen.

Regelmäßiges PMR mindert Wehenschmerzen

Aber die Frauen, die an mehr als fünf PMR-Kursen teilgenommen hatten, berichteten, dass sie signifikant weniger Schmerzen während der Entbindung verspürten, verglichen mit den Frauen mit weniger PMR-Interventionen bzw. der Kontrollgruppe. 

Die meisten Frauen der Interventionsgruppe empfanden die PMR als hilfreich: Nach dem letzten PMR-Training hatten 86,4% der Frauen eine Verbesserung ihrer Entspannungsfähigkeit festgestellt. 83,3% hielten PMR für eine gute Methode, um sich auch in Zukunft zu entspannen.

Autor:
Stand:
06.12.2024
Quelle:

Weschenfelder F et al.(2024): Progressive Muscle Relaxation Training During Pregnancy: Effects on Mental State, Delivery and Labour Pain - a Prospective Study. Geburtshilfe Frauenheilkd. 2024;84(10):962-968, doi:10.1055/a-2360-4380

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