Die Impfung gegen das humane Papillomvirus ist keine therapeutische Impfung, betonte Professorin Dr. Monika Hampl, Leiterin der Dysplasie-Einheit am St.-Elisabeth-Krankenhaus Köln-Hohenlind. Doch obwohl im Erwachsenenalter fast alle Menschen in Deutschland Kontakt mit HPV hatten, kann eine Impfung auch über Kindheit und Jugend hinaus sinnvoll sein.
Lebenslanges Risiko einer HPV-Infektion
Serokonversionsraten nach natürlicher Infektion sind unterschiedlich hoch und die natürliche Immunität führt nicht immer zu einer kompletten Protektion, erläuterte Hampl. Der Gipfel der HPV-Infektionen liegt zwar im Alter unter 25 Jahren. Aber gerade Männer, die nach HPV-Infektion häufiger keine Serokonversion zeigen, weisen über das ganze Erwachsenenleben hinweg eine Inzidenzrate von 14–20 % auf. Zudem sind bislang nicht alle Kinder geimpft.
Bei mehr HPV-Impfungen ist mehr möglich
Die Rate vollständiger HPV-Impfungen lag im Geburtsjahrgang 2008 im Dezember 2024 bei Mädchen bei 55 % und bei Jungen bei 34 %. „Leider tut sich bei den Impfquoten in den letzten Jahren nicht mehr viel“, erklärte Hampl. Der Effekt des deutschen Impfprogramms lässt sich an einer sinkenden Inzidenz von Diagnosen einer zervikalen intraepithelialen Neoplasie (CIN) 2+, anogenitaler Warzen und vaginaler sowie vulvaler Präkanzerosen und Karzinosen belegen. Doch da wäre noch viel mehr zu erreichen, betonte sie.
Zulassung ohne obere Altersgrenze
Die einzige aktuell in Deutschland verfügbare HPV-Vakzine Gardasil® 9 ist zur aktiven Immunisierung von Personen ab einem Alter von neun Jahren zugelassen. Eine obere Altersgrenze gibt es nicht. Die Ständige Impfkommission (STIKO) am Robert-Koch-Institut stellt fest, dass Frauen und Männer, die älter als 17 Jahre sind, ebenfalls von einer Impfung gegen HPV profitieren können. Die Wirksamkeit bei nicht HPV-naiven Menschen sei aber begrenzt. Die S3-Leitlinie „Impfprävention HPV-assoziierter Neoplasien“ empfiehlt, HPV-Impfnaive Erwachsene im Alter von 18 bis 26 Jahren nachzuimpfen, bei älteren nicht. International gibt es die Empfehlung, gegebenenfalls nach klinischer Entscheidung auch noch darüber hinaus eine HPV-Impfung zu erwägen.
HPV-Impfung nach Konisation
Frauen, die in der Vergangenheit eine CIN 3 hatten, weisen nach Behandlung ein erhöhtes Risiko für weitere HPV-induzierte Vorstufen und/oder HPV-assoziierte Karzinome auf, berichtete Hampl. Die HPV-Impfung vor zervikaler Chirurgie reduziert nach einer retrospektiven Auswertung signifikant die Inzidenz von nachfolgenden HPV-induzierten Läsionen. Auch für den nonavalenten Impfstoff gibt es retrospektive Daten, die auf einen günstigen Effekt der HPV-Impfung kurz vor der Konisation hinweisen. Eine andere retrospektive Kohortenstudie belegt, dass die HPV-Impfung nach der Konisation noch effektiver sein könnte. Eine niederländische randomisierte, kontrollierte Studie konnte einen günstigen Effekt einer Impfung nach Konisation nach einem Beobachtungszeitraum von zwei Jahren allerdings nicht belegen. Da müsse eine längere Zeit abgewartet werden, meinte Hampl. Sie bietet allen ungeimpften Frauen nach Konisation eine HPV-Impfung an. Bei einem Alter der Patientin bis 27 Jahren übernehmen ihrer Erfahrung nach die Krankenkassen die Kosten für die Impfung meistens. Bei älteren Patientinnen wird der Antrag oft abgelehnt und die Impfung ist eine Selbstzahlerleistung.













