Dass Frauen nach der Menopause ein erhöhtes Risiko für kardiovaskuläre Erkrankungen (cardiovascular disease=CVD) haben, wird meist mit der Abnahme des Östrogenspiegels in Verbindung gebracht. Eine Hysterektomie mit den hämorheologischen Veränderungen wird hier als Risikofaktor eher vernachlässigt. Anders sieht es bei Frauen aus, denen die Gebärmutter schon vor dem 50. Lebensjahr – z.B. wegen Uterus myomatosus, Blutungsstörungen, Endometriose oder präkanzerösen Veränderungen – entfernt werden muss.
Hämatokrit und Ferritinspielgel steigen
Nach einer Hysterektomie steigen der Hämatokrit und der Speichereisenspiegel. Und diese hämorheologischen Veränderungen leisten dem CVD-Risiko Vorschub. Denn mit dem Hämatokritwert steigt die Viskosität des Vollbluts, was zu Endothelverletzungen, zur Ruptur von Plaques durch erhöhte Scherbelastung der Gefäßwand und zur Thrombusbildung durch die Aggregation von Erythrozyten führen kann – und somit zu Infarkt und Apoplexie. Steigt der Hämatokrit erhöhen sich auch die Eisen- und Ferritinwerte. Das sind prooxidative Kofaktoren, die die Produktion von Hydroxyradikalen fördern und so zum Fortschreiten der Atherosklerose beitragen.
Mit und ohne Hysterektomie: 55.539 Paare gematcht
Eine koreanische Forschergruppe wollte wissen, wie groß das CVD-Risiko für prämenopausale Frauen nach einer Hysterektomie ist im Vergleich zu Frauen, die ihre Menstruation fortsetzen. Für ihre bevölkerungsbasierten Kohortenstudie wurden die Daten von 135.575 Frauen im Alter von 40 bis 49 Jahren herangezogen. Nach einem Propensity-Score-Matching – u.a. mit den Kovariablen Alter, sozioökonomischer Status, Bluthochdruck, Diabetes, Dyslipidämie, Menopause, Hormontherapie in den Wechseljahren und Adnexoperationen vor der Aufnahme – wurden 55.539 Paare zusammengestellt. Verglichen wurden die Inzidenzen kardiovaskulärer Erkrankung (CVD) – Myokardinfarkt, Koronararterien-Revaskularisation und Schlaganfall bei Hysterektomie vor der Menopause – bei prämenopausalen Frauen mit versus ohne Hysterektomie.
Nach einer mittleren Beobachtungszeit von 7,9 Jahren betrug die Inzidenz einer CVD 115/100.000 Personenjahre in der Hysterektomiegruppe und 96/100 000 Personenjahre in der Vergleichsgruppe ohne Hysterektomie. Dies entsprach einer Hazard Ratio (HR) für eine CVD von 1,25 bei Hysterektomie – das heißt, das CVD-Risiko war um etwa 25% höher bei den operierten Frauen.
Schlaganfall-Risiko um 30% erhöht
Wurden die einzelnen kardiovaskulären Ereignisse betrachte, so waren die Inzidenzen für Myokardinfarkt und koronare Revaskularisation in beiden Gruppen etwa gleich.
Das Risiko aber für einen Schlaganfall war mit einer HR von 1,31 signifikant höher bei Frauen nach Hysterektomie als bei Frauen ohne Hysterektomie.
Auch nach Ausschluss der Frauen mit Ovarektomie blieb das Schlaganfallrisiko nach Hysterektomie noch um 24 % gegenüber der Vergleichsgruppe signifikant erhöht (HR: 1,24).
Fazit
Eine Hysterektomie bei Frauen unter 50 Jahren geht mit einem erhöhten Schlaganfallrisiko einher. Warum allerdings das Schlaganfall-Risiko, aber nicht das für Herzinfarkt steigt, müsse in weiteren Untersuchungen geklärt werden. Des Weiteren betonen die Autoren, dass die Inzidenz für CVD nicht so hoch war, dass in der klinischen Praxis eine Änderung bei der Indikationsstellung für Hysterektomie erforderlich sei.










