Nichtsteroidale Antirheumatika (NSAR) sind weit verbreitete Schmerzmittel, die in vielen Ländern rezeptfrei erhältlich sind. Trotz ihrer Effektivität ist ihr Einsatz während der Schwangerschaft umstritten, da sie die Plazentaschranke überwinden und die fetale Entwicklung beeinflussen können. Besonderes Augenmerk verlangt ihre potenziell nephrotoxische Wirkung auf den Fetus, da Nierenentwicklungsstörungen schwerwiegende Folgen für die langfristige Gesundheit des Kindes haben können.
Chronische Nierenerkrankungen (CKD) im Kindesalter sind selten, doch ihre Prävalenz nimmt weltweit zu. Eine aktuelle Kohortenstudie aus Taiwan, veröffentlicht in der Fachzeitschrift 'JAMA Pediatrics', untersuchte die möglichen Zusammenhänge zwischen pränataler NSAR-Exposition und dem Risiko für CKD im Kindesalter. Der Fokus lag dabei auf der Bedeutung des Expositionszeitpunkts und spezifischer NSAR für die kindliche Nierenentwicklung.
Daten von mehr als 1 Million Kindern ausgewertet
Die Studie analysierte die Daten von über 1.025.000 lebendgeborenen Kindern in Taiwan, die zwischen 2007 und 2017 geboren wurden. Davon waren 163.516 Kinder während der Schwangerschaft mindestens einmal NSAR ausgesetzt. Die Forschenden nutzten nationale Register, um die Exposition gegenüber NSAR anhand von Verschreibungsdaten zu bewerten, und verfolgten die Gesundheit der Kinder bis 2021.
Mithilfe von Cox-regressionellen Modellen mit stabilisiertem inversen Wahrscheinlichkeitsausgleich (gewichtetes Hazard-Ratio, wHR) analysierten die Forschenden das relative Risiko für CKD bei Kindern, deren Mütter während der Schwangerschaft NSAR einnahmen. Eine Untergruppe von Geschwisterpaaren wurde zusätzlich untersucht, um genetische und umweltbedingte Faktoren zu berücksichtigen und mögliche Verzerrungen zu minimieren.
Erhöhtes Risiko bei spezifischen NSAR und Schwangerschaftsphasen
Die Studie ergab, dass eine pränatale NSAR-Exposition insgesamt mit einem leicht erhöhten Risiko für CKD bei Kindern assoziiert war (wHR: 1,10; 95 %-Konfidenzintervall [95 %-KI]: 1,05–1,15). Interessanterweise zeigte der Geschwistervergleich keine signifikante Assoziation, was darauf hindeutet, dass genetische und umweltbedingte Faktoren ebenfalls eine Rolle spielen könnten.
Ein erhöhtes Risiko wurde für bestimmte NSAR und spezifische Schwangerschaftsphasen identifiziert:
- Erstes Trimester: Indometacin (wHR: 1,69) und Ketorolac (wHR: 1,28).
- Zweites Trimester: Diclofenac (wHR: 1,27) und Mefenaminsäure (wHR: 1,29).
- Drittes Trimester: Ibuprofen (wHR: 1,34).
Diese Ergebnisse unterstreichen die Bedeutung der Expositionszeitpunkte und der spezifischen NSAR für das CKD-Risiko.
NSAR in der Schwangerschaft mit Bedacht einsetzen
Die Ergebnisse legen nahe, dass NSAR während der Schwangerschaft nur mit großer Vorsicht und nach sorgfältiger Abwägung von Nutzen und Risiken für Mutter und Kind verschrieben werden sollten. Besonders kritisch erscheinen Indometacin und Ketorolac im ersten Trimester, Diclofenac und Mefenaminsäure im zweiten Trimester sowie Ibuprofen im dritten Trimester.
Obwohl nichtsteroidale Antirheumatika eine wichtige Rolle bei der Behandlung von Schmerzen und Entzündungen spielen, ist die potenzielle Gefahr für die fetale Nierenentwicklung nicht zu unterschätzen.
Forschungsbedarf: Mechanismen und Prävention
Die Ergebnisse der Studie werfen mehrere Fragen auf, die zukünftige Forschung adressieren sollte:
- Genetische und umweltbedingte Faktoren: Welche Rolle spielen diese bei der pränatalen Nierenentwicklung?
- Prävention: Wie können NSAR-Alternativen oder Dosierungsanpassungen das Risiko für fetale Nierenschäden minimieren?
- Langzeitfolgen: Welche Auswirkungen haben CKD und nephrotoxische Schäden im Kindesalter auf die Gesundheit und Lebensqualität im Erwachsenenalter?










