Schwangerschaftsinduzierte Hypertonie: Lebenslanges Herzinsuffizienz-Risiko?

Frauen, die während der Schwangerschaft eine Hypertonie ausbilden, laufen Gefahr eine Herzinsuffizienz zu entwickeln. Dieses Risiko bleibt für diese Frauen lebenslang erhöht, wobei es für die Unterform “Ischämische Herzinsuffizienz” am höchsten ist.

Schwangere misst Blutdruck

Wenn Frauen während der Schwangerschaft eine Hypertonie entwickeln, bedeutet diese bekanntlich Risiken für Mutter und Kind. So drohen Frühgeburt und Wachstumsstörungen beim Kind, für die Mutter steigt das kardiovaskuläre Risiko – beispielsweise beläuft sich das Risiko für eine Herzinsuffizienz auf das bis zu Vierfache im Vergleich zu einer Schwangerschaft ohne Hypertonie.

Wann nach der Entbindung kommt es zur Herzinsuffizienz?

Auch wenn die Risiken des Schwangerschaftshochdruck zu benennen sind, so ist nur wenig bekannt, wie es mit dem Zeitverlauf aussieht. Wie lange dauert es bzw. wann ist am ehesten damit zu rechnen, dass sich eine Herzinsuffizienz etabliert? Dieser Frage wollten schwedische Epidemiologen auf den Grund gehen.

Dafür werteten sie für ihre bevölkerungsbasierte, gematchte Kohortenstudie, Daten aus dem schwedischen Geburtenregister von Erstgebärenden ohne kardiovaskuläre Vorerkrankungen aus. Frauen mit einer schwangerschaftsbedingten hypertensiven Störung wurden mit Frauen mit normotensiven Schwangerschaften gematcht. Durch die Verknüpfung mit Gesundheitsregistern wurden alle Frauen hinsichtlich des Auftretens einer Herzinsuffizienz, klassifiziert als ischämisch oder nicht-ischämisch, nachverfolgt.

Risiko für ischämische Herzinsuffizienz verdoppelt

Ergebnisse: Insgesamt wurden 79.334 Frauen mit schwangerschaftsbedingtem Bluthochdruck mit 396.531 Frauen mit normotensiven Schwangerschaften gematcht. Während einer medianen Nachbeobachtungszeit von 13 Jahren traten alle Subtypen der Herzinsuffizienz bei Frauen mit schwangerschaftsinduziertem Bluthochdruck häufiger auf.

Im Vergleich zu Frauen mit normotensiven Schwangerschaften waren die Risikoerhöhungen (bereinigte Hazard Ratios =aHRs) wie folgt:

  • Herzinsuffizienz insgesamt, aHR: 1,70 (95 % Konfidenzintervall KI: 1,51 bis 1,91);
  • ischämische Herzinsuffizienz, aHR: 2,28 (95 % KI: 1,74 bis 2,98) – also eine Steigerung um mehr als das Doppelte;
  • und nicht-ischämische Herzinsuffizienz, aHR: 1,60 (95 % KI: 1,40 bis 1,83).

Die Unterschiede der Raten waren in den 6 Jahren unmittelbar nach der Schwangerschaft am höchsten, normalisierten sich danach jedoch nicht, auch nicht nach einer Beobachtungszeit von 22 Jahren.

Die Herzinsuffizienz-Raten waren bei Frauen, deren Schwangerschaftshochdruck besonders ausgeprägt war – z.B. gekennzeichnet durch eine Frühgeburt oder ein Baby, das zu klein für sein Gestationsalter war – noch höher. Beispielsweise belief sich bei der Kombination Hochdruck und Frühgeburt das Risiko für eine ischämische Herzinsuffizienz auf das Vierfache im Vergleich zu normotensiven Frauen.

Autor:
Stand:
18.07.2023
Quelle:

Mantel Ä, et al. (2023):  Pregnancy-Induced Hypertensive Disorder and Risks of Future Ischemic and Nonischemic Heart Failure. JACC Heart Fail. doi: 10.1016/j.jchf.2023.03.021.

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