Zervikale Neoplasie nach Urogenitalinfektionen?

Schwedische Forscher beleuchten in einer großangelegten Studie die Verbindung zwischen Urogenitalinfektionen und Gebärmutterhalskrebs, um die Prävention von zervikalen Neoplasien zu optimieren.

Weibliche Geschlechtsorgane

Große Studie zum Zusammenhang von Urogenitalinfektionen und Krebs

Das Zervixkarzinom ist eine der Hauptursachen für die Mortalität sowie Morbidität von Frauen weltweit. Eine Verbindung zum humanen Papillomavirus (HPV) ist bereits etabliert. Frühere Studien weisen auch auf Verknüpfungen zwischen bakterieller Vaginose und Zervixneoplasien hin.

Andere mikrobiologische Veränderungen in der Vagina, wie die vulvovaginale Candidiasis, wurden ebenso mit diesen Neoplasien assoziiert. Weiterhin scheinen das Alter und andere soziodemografische Faktoren, die Anzahl an Geburten, das sexuelle Aktivität und sexuell übertragbare Infektionen eine bedeutende Rolle bei Urogenitalinfektionen und Gebärmutterhalskrebs zu spielen.

Bisher durchgeführte Studien waren jedoch meist Querschnittsstudien und sehr heterogen in ihren Designs. Bevölkerungsbasierte Daten waren nur begrenzt verfügbar, so dass groß angelegte Studien, in denen urogenitale Risikofaktoren für zervikale Neoplasien untersucht und für potenzielle Einflussfaktoren adjustiert werden konnten, kaum durchführbar waren. Ein besseres Verständnis dieser Faktoren könnte jedoch die Prävention von zervikalen Neoplasien optimieren.

Schwedische Wissenschaftler um Prof. Filip Jansåker vom Center for Primary Health Care Research, am Department of Clinical Sciences der Lund University in Malmö untersuchten kürzlich in einer großen bevölkerungsbasierten Kohortenstudie den Zusammenhang zwischen Urogenitalinfektionen und zervikalen Neoplasien. Dabei berücksichtigten sie soziodemografische Faktoren wie die Anzahl an Geburten und Genitalinfektionen wie Zervizitis, Salpingitis und Herpes genitalis [1].

Assoziation von Vaginose und Zystitis mit dem Zervixkarzinom bestätigt

Die Wissenschaftler nutzten Daten aus den Jahren 2002 bis 2018 mehrerer landesweiter Register und berücksichtigten in ihrer Kohortenstudie die Angaben von 4.1120.557 Frauen im Alter von mindestens 15 Jahren, die sich mit mindestens einer Urogenitalinfektion wie Zystitis, (bakterieller) Vaginose und Vulgovaginitis vorgestellt hatten.

Sie ermittelten aus dem Datensatz mit über 39,0 Millionen Personenjahren eine Inzidenzrate für ein Zervixkarzinom von 1,2 pro 10.000 Personenjahre. Das Ergebnis für ein Zervixkarzinom in situ war mehr als zehnmal so hoch.

Zervixkarzinome waren dabei insbesondere nach einer Vaginose (Hazard Ratio [HR] 1,31) und nach einer Zystitis (HR 1,22) zu beobachten. Die Daten zeigen, dass bei Vaginose das Auftreten eines Carcinoma in situ wahrscheinlicher wurde, je öfter die Infektion auftrat. Auffällig ist, dass das Zervixkarzinom und die Vulvovaginitis eine gegenläufige Beziehung hatten. Im vollständig angepassten Modell war diese gegenläufige Beziehung zum Carcinoma in situ jedoch nicht signifikant.

Zeitlicher Zusammenhang nur mit Vaginose und Vulvovaginitis beobachtet

Die Wissenschaftler stellten fest, dass Zervixkarzinome in zeitlichem Zusammenhang mit Vaginose und, in umgekehrter Weise, mit Vulvovaginitis auftraten, nicht aber mit Zystitis. Daher sahen die Studienverfasser keinen überzeugenden kausalen Zusammenhang zwischen Zystitis und Gebärmutterhalskrebs.

Prävention insbesondere für Patientinnen mit Vaginose verbessern

Die neugewonnenen Erkenntnisse bieten einen Ansatzpunkt zur Optimierung präventiver Maßnahmen für Frauen, insbesondere bei Vaginose. Aufgrund der vorliegenden Daten erscheint es den Autoren sinnvoll, das Angebot an vorbeugenden Maßnahmen wie HPV-Impfprogramme, HPV-Analysen und Screeningprogramme für das Zervixkarzinom zu erweitern. 

Zudem betonen sie die Notwendigkeit weiterer Studien, um die zugrunde liegenden Mechanismen zu entschlüsseln und so fundierte Gesundheitsempfehlungen zu entwickeln.

Hier geht’s zum Wissen-Kompakt-Beitrag: Zervikale Neoplasie nach Urogenitalinfektionen?

Zervikale Neoplasie nach Urogenitalinfektionen
Autor:
Stand:
05.09.2023
Quelle:

Jansåker et al. (2023): The association between common urogenital infections and cervical neoplasia – A nationwide cohort study of over four million women. The Lancet Regional Health, DOI: 10.1016/j.lanepe.2022.100378

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