Zu häufiges Zervix-Ca-Screening steigert Frühgeburtsrisiko

Um ein Zervixkarzinom zu verhindern, sollten Präkanzerosen frühzeitig entfernt werden. Bei jungen Frauen kann dies gefährlich sein: wird beim Screening zu häufig Gewebe des Gebärmutterhalses exzidiert, schwächt dies die Haltefunktion der Zervix in der Schwangerschaft.

Zervixabstrich Krebsvorsorge

Präkanzerosen suchen und entfernen – das ist der Sinn eines jeden Screening-Programmes, um schwere Krebsleiden zu verhindern. Das gilt auch für den Gebärmutterhalskrebs. Allerdings gibt es hier einige Besonderheiten. Bei jungen Frauen können sich zervikale intraepitheliale Neoplasien (CIN) spontan zurückbilden. Dies ist vor allem bei CIN2-Läsionen zu beobachten, aber auch bei höhergradigen Dyplasien (CIN3) noch möglich. Bei jungen Frauen (Altersgruppe 18- 21 Jahre) werden die Regressionsraten auf 60% bis 90% geschätzt.

Konisation bei CIN3?

Das hat dazu geführt, dass die Empfehlung für Screening-Intervalle in den USA von jährlich auf alle drei Jahre reduziert wurden. Dennoch wird nach dem Motto “sicher ist sicher” den Patientinnen bei einem CIN3-Befund die Konisation empfohlen. Doch die kegelförmige Ausschneidung der Portio kann langfristig erhebliche Schwierigkeiten machen. Denn mit der Konisation wird der Halteapparat der Gebärmutter geschwächt, der bei fortschreitender Schwangerschaft nachgibt: eine Frühgeburt droht.

Über 11 Millionen Daten ausgewertet

Wie hoch das Frühgeburtsrisiko für diese Frauen tatsächlich ist, wollte eine Arbeitsgruppe der Stanford- Universität (Kalifornien) wissen. Dazu werteten sie die US-Daten von 11.333.151 Einzelgeburten bei erstgebärenden Frauen im Alter von 18 bis 24 Jahren aus. Darunter waren 1,14 Millionen Frühgeburten (Preterm delivery, PTD), das heißt die Geburt erfolgte vor der 37. Schwangerschaftswoche. 333.000 Frauen entbanden vor der 34. Schwangerschaftswoche (extreme Frühgeburten, very preterm delivery, VPTD).

PTD-Risiko bei Diabetikerinnen besonders hoch

Nach einer Schätzung des ACOG (American College of Obstetricians and Gynecologists) hatten die Frauen vor der Geburt an durchschnittlich 2,4 Vorsorgeuntersuchungen teilgenommen und waren den therapeutischen Empfehlungen gefolgt, das heißt sie hatten gegebenenfalls eine Konisation vornehmen lassen. Bei einem zusätzlichen Screening stieg das PTD-Risiko um 0,073%-Punkte (95% Konfidenzintervall [KI] 0,026 bis 0,120). Eine statistisch signifikante Veränderung des VPTD-Risikos konnte nicht nachgewiesen werden. Frauen mit Bluthochdruck oder Diabetes hatten mit 0,26 Prozentpunkten ein höheres PTD-Risiko als Frauen ohne diese Begleiterkrankungen (0,06 Prozentpunkte).

PDT-Risiko sollte Eingang in Leitlinien finden

Auch wenn die Ergebnisse statistisch signifikant waren, nehmen die Forscher an, dass die PTD-Rate höher als 0,073% ausgefallen wäre, wenn sie Zugriff auf die Zahl der ausgeführten Konisationen gehabt hätten. Dennoch sind die Autoren der Ansicht, dass in den Leitlinien für das Gebärmutterhalskrebs-Screening die nachgelagerten Auswirkungen auf das PTD-Risiko berücksichtigt werden sollten.

Autor:
Stand:
18.09.2023
Quelle:

Bromley-Dulfano et al. (2023): Association Between Cervical Cancer, Screening Guidelines and Preterm Delivery Among Females Aged 18 to 24 Years. JAMA Health Forum, DOI:10.1001/jamahealthforum.2023.1974

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