Oropharyngeale Syphilis als Differentialdiagnose zu Karzinom
Die Syphilis zählt zu den sexuell übertragbaren Infektionskrankheiten mit weltweit steigenden Fallzahlen. Verursacht wird sie durch das Bakterium Treponema pallidum. Aufgrund ihrer vielfältigen klinischen Manifestationen wird sie auch als „großer Imitator“ bezeichnet. Neben den klassischen genitalen Läsionen können auch oropharyngeale Veränderungen auftreten, die häufig anderen Erkrankungen ähneln und dadurch die Diagnosestellung erschweren.
So können Läsionen im Oropharynx Ärzte vor diagnostische Herausforderungen stellen. Ulzerationen, Schleimhautveränderungen oder zervikale Lymphadenopathien können klinisch den Verdacht auf ein Plattenepithelkarzinom lenken. Vor diesem Hintergrund gewinnt der aktuelle Fallbericht an Bedeutung. Er beschreibt eine ungewöhnliche Präsentation der Syphilis als ulzeröse Läsion am Zungengrund.
Ulzeröse Läsion am Zungengrund und Lymphadenopathie
Die Autoren berichten über einen 29-jährigen Patienten, er sich aufgrund seit drei Monaten bestehender Otalgie und Odynophagie in einer HNO-Klinik vorstellte. er sich aufgrund seit drei Monaten bestehender Otalgie und Odynophagie. in einer HNO-Klinik vorstellte.
Einmal trat eine Hämoptyse auf. Fieber, Nachtschweiß, Ausschlag oder Gewichtsverlust wurden verneint. Kürzlich war er auf Grund einer oropharyngealen Chlamydieninfektion behandelt worden.
Die klinische Untersuchung zeigte rechtsseitig betonte feste, nicht druckschmerzhafte vergrößerte Lymphknoten und eine feste Masse des rechten Zungengrundes, die sich in der flexiblen Laryngoskopie als etwa 4 cm durchmessende ulzerative Läsion darstellte. Die restliche hno-ärztliche Untersuchung war unauffällig.
Serologische Abklärung führte zur korrekten Diagnose
Die Läsion wurde als suspekt für ein oropharyngeales Plattenepithelkarzinom eingeschätzt, weshalb eine Biopsie geplant wurde.
Aufgrund der vorangegangenen Chlamydieninfektion wurden jedoch auch infektiöse Differentialdiagnosen in Betracht gezogen und eine serologische Diagnostik durchgeführt. Diese bestätigte letztlich die Diagnose einer oropharyngealen Syphilis.
Hierfür stehen Tests zum Nachweis spezifischer Antikörper als Such und Bestätigungstests zur Verfügung. Es haben sich beispielsweise der Treponema pallidum Hämagglutinations bzw. Partikelagglutinationstest (TPHA und TPPA-Test) als Suchtests bewährt. Ist der Suchtest reaktiv, empfiehlt die Leitlinie einen Bestätigungstest. Hierfür ist beispielsweise der Fluoreszenz-Treponema pallidum Antikörper Adsorptionstest (FTA-ABS-Test) international gebräuchlich.
Die Autoren weisen darauf hin, dass die klinische Erscheinung syphilitischer Läsionen außerordentlich variabel sein kann. So werden beispielsweise Ulzerationen, Plaques, oder Schleimhauterosionen beschrieben. Schwierig wird es, wenn diese Befunde isoliert auftreten und typische weitere Symptome der Syphilis fehlen. Dadurch entsteht ein Risiko für Fehldiagnosen und diagnostische Verzögerungen.
| Stadium | Zeitraum | Symptome |
| Primärstadium | 2-3 Wochen nach Ansteckung | Schmerzloses Ulcus durum an Eintrittsstelle und Lymphknotenschwellung |
| Sekundärstadium | 4-10 Wochen nach Ansteckung | Zu Beginn typischerweise grippeähnliche Symptome (Fieber, Müdigkeit), Gelenkschmerzen, Lymphknotenschwellungen, Exantheme (meist an Handflächen und Fußsohlen) und Enantheme ohne Juckreiz |
| Tertiärstadium | nach Jahren – Jahrzehnten (falls ohne Behandlung geblieben) | Gummen (Gewebsnekrosen) an Haut, Knochen, inneren Organen Kardiovaskuläre Veränderungen Neurosyphilis – Demenz, Lähmungen, Persönlichkeitsveränderungen |
Tabelle 1: Syphilis Stadien
Rückbildung der Symptome unter Standardtherapie mit Penicillin G
Der Patient erhielt eine intramuskuläre Therapie mit Benzathin-Benzylpenicillin (Penicillin G) entsprechend den Leitlinien, woraufhin sich die Symptome und die zervikale Lymphadenopathie innerhalb von zwei Wochen zurückbildeten. Auch die folgenden Kontrollen innerhalb der darauffolgenden zwei Jahre blieben unauffällig und zeigten kein Hinweis für ein Rezidiv.
Differenzialdiagnosen oraler Ulzerationen
Für die klinische Praxis ist es von Bedeutung, dass bei persistierenden Ulzerationen im Mund- und Rachenraum insbesondere bei jüngeren Patienten ohne klassische Risikofaktoren für Kopf-Hals-Tumoren auch an infektiöse Ursachen gedacht werden sollte. Eine gezielte Sexualanamnese sowie serologische Untersuchungen können in solchen Situationen entscheidende diagnostische Hinweise liefern.
Als weitere infektiöse Differentialdiagnosen kommen beispielsweise EBV, HIV, orale Candidose und Tuberkulose in Frage. Es sollte zudem an eine HIV-Ko-Infektion gedacht werden.
Fazit für die klinische Praxis:
Syphilis in die Differentialdiagnose bei oropharyngealen Ulzera miteinbeziehen
Die aktuelle Fallbeschreibung zeigt, dass eine oropharyngeale Syphilis als isolierte Zungengrundulzeration imponieren und klinisch ein Malignom vortäuschen kann. Angesichts steigender Syphiliszahlen sollte die Erkrankung bei persistierenden Ulzerationen im Kopf-Hals-Bereich in die Differenzialdiagnose einbezogen werden. Nach serologischer Bestätigung der Infektion kann eine rechtzeitige antibiotische Behandlung Beschwerden rasch bessern, Folgekomplikationen verhindern und die weitere Transmission reduzieren. Gleichzeitig lassen sich unnötige invasive Eingriffe vermeiden.











