Es wird angenommen, dass die chronische Nierenerkrankung in einigen Jahren eine der führenden Gründe für einen frühzeitigen Tod sein wird [1]. Obwohl die steigende Prävalenz von Diabetes mellitus, arterieller Hypertonie und Adipositas eine große Rolle hierfür spielt, erklärt sie nicht allein die steigende Prävalenz der chronischen Nierenerkrankung. Eine mögliche unterschätzte Erklärung für diese Entwicklung könnte die obstruktive Schlafapnoe (OSA) sein [2,3].
Assoziation zwischen OSA und chronischer Nierenerkrankung
OSA ist charakterisiert durch repetitive Episoden von partiellen oder kompletten Obstruktionen der unteren Atemwege während des Schlafes und resultiert in Arousals, Sauerstoffentsättigungen und intermittierender Hypoxie.
Verschiedene Studien zeigten eine Assoziation zwischen der obstruktiven Schlafapnoe und chronischen Nierenerkrankungen [4]. Pathophysiologisch hierfür werden die Hypoxie und die glomeruläre Hyperfiltration als die zwei wichtigsten Mechanismen für die Nierengewebsschädigung bei OSA angenommen [5]. Zudem können verschiedene physiologische Änderungen bei Patienten mit OSA beteiligt sein. Diese umfassen insbesondere die Aktivierung des Renin-Angiotensin-Aldosteron-Systems, Atherosklerose, subklinische Entzündung und endotheliale Dysfunktion [6,7]. Zudem haben OSA-Patienten ein erhöhtes Risiko für chronische Nierenfunktion bedingende Risikofaktoren wie beispielsweise arterielle Hypertonie, Diabetes mellitus Typ 2 und Adipositas [8,9]. So leiden etwa 40 bis 80% der OSA Patienten an einer arteriellen Hypertonie [10] und 30-50% der Hypertoniepatienten leiden an einer OSA [11].
Koexistenz von OSA und arterieller Hypertonie mit chronischer Nierenerkrankung assoziiert?
Die Wissenschaftler der vorliegenden retrospektiven Studie entschieden daher, die Hypothese zu untersuchen, dass koexistierende OSA und arterielle Hypertonie mit einem Risiko für eine chronische Nierenerkrankung assoziiert sein könnten [12].
Insgesamt wurden 7.961 Patienten mit Hypertonie und 5.022 Patienten mit Hypertonie und OSA in die Studie eingeschlossen. Die Patienten, die eine OSA aufwiesen, waren eher älter, mit höherem Body Mass Index, Hämoglobin-Wert, systolischem Blutdruck, diastolischem Blutdruck, Harnsäure, Blutglukose, LDL-Cholesterin und Alanin-Aminotransferase. Ferner hatten sie eher eine längere Dauer der Hypertonie.
Inzidenz chronischer Nierenerkrankung in Studienpopulation
Insgesamt entwickelten 1.486 Patienten eine chronischen Nierenerkrankung mit einer Inzidenz von 51,69/1.000 Personen-Jahren (reduzierte renale Funktion [decreased renal function [DRF]] 11,08/1.000; Proteinurie: 35,25/1.000). Pro 1.000 Personen-Jahre lag die Inzidenz der chronischen Nierenerkrankung bei hypertensiven Patienten mit und ohne OSA bei 56,72 bzw. 44,74.
Patienten mit arterieller Hypertonie und OSA mit erhöhtem Risiko für chronische Nierenerkrankungen
Patienten mit arterieller Hypertonie und OSA zeigten für die Gesamtpopulation ein um 21% (95%-KI [Konfidenzintervall] 1,08 bis 1,35), für Männer ein um 20% (95%-KI 1,02 bis 1,40) und für Frauen ein um 23% (95%-KI 1,04 bis 1,44) höheres Risiko eine chronische Nierenerkrankung zu entwickeln. Zudem wiesen Patienten mit arterieller Hypertonie und OSA für die gesamte Studienpopulation ein 1,38-faches (95%-KI 1,16 bis 1,63), für Männer ein 1,45-faches (95%-KI 1,09 bis 1,94) und für Frauen ein 1,38-faches (95%-KI 1,12 bis 1,70) Risiko auf.
Proteinurierisiko
Ferner zeigten Patienten mit arterieller Hypertonie und OSA für die Gesamtpopulation ein 1,12-faches (95%-KI 0,97 bis 1,28) und für Männer ein 1,18-faches (95%-KI 0,99 bis 1,40) Risiko für eine Proteinurie auf. Verglichen mit der Nicht-OSA-Gruppe zeigte die milde/moderate und schwere OSA-Gruppe ein 1,22-faches (95%-KI 1,08 bis 1,38), 1,27-faches (95%-KI 1,09 bis 1,47) Risiko für eine chronische Nierenerkrankung und ein 1,40-faches (95%-KI 1,17 bis 1,68) und 1,30-faches (95%-KI 1,04 bis 1,63) Risiko für eine DRF. Zudem wiesen die OSA-Patienten im Vergleich mit den Nicht-OSA-Patienten ein 1,24-fach (milde/moderate OSA [95%-KI 1,07 bis 1,44]) und 1,40-faches (schwere OSA [95%-KI=1,18 bis 1,67]) Risiko für eine Proteinurie auf.
Fazit
Die Studie zeigte ein erhöhtes Risiko für eine chronische Nierenerkrankung bei Patienten mit arterieller Hypertonie und OSA. Die Autoren empfehlen daher ein Nierenfunktionsscreening für OSA-Patienten, insbesondere solchen mit arterieller Hypertonie.









