Akute versus chronische Rhinosinusitis
Die Rhinosinusitis ist ein heterogenes entzündliches Krankheitsbild, das die Schleimhaut der Nase und Nasennebenhöhlen betrifft. Unterschieden wird zwischen der akuten und der chronischen Rhinosinusitis. Während die akute Form selbstlimitierend ist, dauert die chronische Rhinosinusitis (CRS) länger als zwölf Wochen. Die Prävalenzraten der CRS bewegen sich zwischen 2 % und 16 % der erwachsenen Bevölkerung.
Unterschiedliches Entzündungsprofil bei CRSsNP versus CRSwNP
Die CRS gliedert sich grob in die zwei Subtypen chronische Rhinosinusitis ohne Polyposis nasi (CRSsNP) versus mit Polyposis nasi (CRSwNP). Während der CRSwNP eine Typ-2-Inflammation zu Grunde liegt, überwiegt bei der CRSsNP die Nicht-Typ-2-Entzündung. Die Typ-2-Inflammation ist durch eine eosinophile Immunsystemantwort charakterisiert. Es überwiegen die Zytokine Interleukin 4 (IL-4), IL-5 und IL-13. Im Gegensatz hierzu sind die neutrophilen Granulozyten der dominierende Zelltyp bei der CRSsNP.
Assoziation zwischen der Rhinosinusitis und den autoimmunen rheumatischen Erkrankungen?
Es gibt immer mehr Hinweise auf eine Assoziation zwischen der Rhinosinusitis und den autoimmunen rheumatischen Erkrankungen geben könnte. Allerdings ist die Literatur hierzu widersprüchlich. Eine Gruppe von Wissenschaftlern führte daher ein systematisches Review der existierenden Literatur zu dieser Fragestellung durch. In das Review wurden insgesamt neun Studien mit 86.081 Patienten eingeschlossen.
Rhinosinusitis mit erhöhtem Risiko für rheumatische Erkrankungen assoziiert
Die Rhinosinusitis war mit einem signifikant erhöhten Risiko für mehrere rheumatische Erkrankungen assoziiert: Die rheumatoide Arthritis war das häufigste Krankheitsbild des rheumatischen Formenkreises bei den Patienten. Die Prävalenz betrug 10 %. Weitere Krankheitsbilder, die sich bei den Rhinosinusitis-Patienten fanden, waren der systemische Lupus erythematodes (0,16 %), die ankylosierende Spondylitis (0,88 %), das Sjögren Syndrom (0,38 %) und das Antiphospholipid-Syndrom (0,1 %).
CRS zeigte stärkere Assoziation mit rheumatischen Erkrankungen als akute Rhinosinusitis
Die Wissenschaftler zeigten, dass das Vorliegen einer CRS das Risiko für eine rheumatoide Arthritis, systemischen Lupus erythematodes und ankylosierende Spondylitis erhöht. Das Risiko war insbesondere bei Nichtrauchern erhöht. Die Wissenschaftler sehen hierin die Hypothese unterstützt, dass die Schleimhautentzündung zu einer systemischen Immundysregulation beizutragen scheint. Interessanterweise scheint zudem die CRSsNP mit einem höheren Risiko assoziiert zu sein als die CRSwNP.
Akute Rhinosinusitis zeigte Assoziation mit seronegativer rheumatoider Arthritis
Im Gegensatz zur CRS zeigte die akute Rhinosinusitis in dieser Analyse schwächere Assoziationen mit rheumatischen Erkrankungen. Das Vorliegen einer akuten Rhinosinusitis erhöhte insbesondere das Risiko für die Entwicklung einer seronegativen rheumatoiden Arthritis.
Welche pathoyphysiologischen Mechanismen könnten zugrunde liegen?
Die Autoren diskutieren mögliche Mechanismen für das erhöhte Risiko für rheumatische Erkrankungen bei Rhinosinusitis:
Beeinträchtigung der mukosalen Toleranz könnte eine Rolle spielen
Sie vermuten, dass die chronische Entzündung der Schleimhaut die systemische Autoimmunität durch eine Beeinträchtigung der mukosalen Toleranz und erleichterte Antigenexpostion begünstigen kann.
Barriereveränderungen könnten Bildung von Autoimmunantikörpern begünstigen
Zudem sind proinflammatorische Zytokine, wie beispielsweise TNF-α, IL-1, IL-6, die bei der CRS eine Rolle spielen, auch in der Pathogenese der rheumatoiden Arthritis involviert. Durch Barriereveränderungen könnte es zu einer Antigenstimulation kommen, die dann zur Bildung von Autoantikörpern führen könnte.
Biologika könnten zu einem Shift der Entzündung führen
Eine weitere Überlegung der Wissenschaftler war, dass eine biologische Therapie im Rahmen der CRS zwar die Typ-2-Entzündung effektiv reduziert, jedoch zu einem Shift der Entzündungszytokine hin in Richtung Th1- oder TH17-Pathways führen könnte. Dies führt möglicherweise zu einer Erhöhung des Risikos für rheumatische Erkrankungen.
Bei Patienten mit Rhinosinusitis Risikoerhöhung für rheumatische Erkrankung im Hinterkopf behalten
Diese Meta-Analyse legt nahe, dass bei Patienten mit Rhinosinusitis, die frühen Zeichen einer systemischen Autoimmunerkrankung aufweisen, wie beispielsweise Gelenkschmerzen,- schwellung, Fatigue, Fieber und Hautprobleme, an eine Erkrankung des rheumatischen Formenkreises gedacht werden sollte. Eine frühzeitige Konsultation eines Rheumatologen könnte dann die Diagnose und Behandlung optimieren.








