Bluthochdruck ist der häufigste kardiovaskuläre Risikofaktor. Die durchschnittliche Prävalenz liegt bei Erwachsenen bei bis zu 50%. Schon lange ist bekannt, dass Änderungen des Lebensstils eine wichtige Säule der Therapie neben Antihypertensiva bei Menschen mit Hypertension darstellen. Durch Anpassungen des Lebensstils wird nicht nur der Blutdruck positiv beeinflusst, sondern auch das Risiko kardiovaskulärer Erkrankungen wie etwa Schlaganfall und Myokardinfarkt gesenkt.
Neues Positionspapier der International Society of Hypertension
Den aktuellen Wissensstand zum Einfluss von verschiedenen Veränderungen der Lebensgewohnheiten auf eine Hypertension haben Experten der International Society of Hypertension in einem im September 2023 erschienenen Positionspapier zusammengefasst [1]. In mehreren Abschnitten wird auf wichtige Bereiche zur Lebensstiländerung bei Bluthochdruck eingegangen, unter anderem:
- Gewichtsmanagement
- Körperliche Aktivität
- Ernährung
- Intervallfasten
- Stressreduktion und Achtsamkeit
- Schlaf
- Rauchen.
Überblick zu Neuerungen im Positionspapier bei DGK Herztagen 2023
In dem Positionspapier ist vieles zu lesen, was bereits bekannt ist. Doch es gibt auch einige Neuerungen. Diese Neuerungen wurden anlässlich der Herztage der Deutschen Gesellschaft für Kardiologie (DGK) von Professor Dr. Marcel Halbach, Oberarzt an der Uniklinik Köln, in einer Hot Topic-Session zusammengefasst [2].
Taillenumfang und Körpergröße
Neben dem Body Mass Index und dem Taillenumfang taucht in dem neuen Positionspapier die „waist-to-height ratio“ auf. Diese Ratio zwischen Taillenumfang und Körpergröße sollte unter 0,5 liegen. Halbach begrüßt diese Neuerung, da es ein sehr greifbares Maß ist, dass man den Patienten gut vermitteln könne.
Krafttraining und isometrische Übungen mit stärkstem blutdrucksenkendem Effekt
Der positive Effekt von Bewegung sowohl in der Prävention als auch zur Therapie von Bluthochdruck ist hinreichend belegt. In dem Positionspapier wurden verschiedene Arten körperlicher Aktivität miteinander verglichen. Dabei zeigten Krafttraining und isometrische Übungen den stärksten blutdrucksenkenden Effekt. Zu den isometrischen Übungen zählen beispielsweise Unterarmstütz, Skihocke, Handgriff-Kraftübungen und der Wandsitz, den Halbach auch demonstrierte.
Die gute Effektivität von Krafttraining und isometrischen Übungen bedeutet aber nicht, dass jegliche andere Form der Bewegung nicht hilfreich ist. Im Positionspapier wird weiterhin eine Kombination von verschiedenen Formen körperlicher Aktivität empfohlen.
Angaben zum Salzkonsum
Pro Tag sollten nicht mehr als 5 g Salz aufgenommen werden bzw. nicht mehr als ein Teelöffel. Alles darüber hat einen potentiell blutdrucksteigernden Effekt. Hier beziehen sich die Autoren des Positionspapiers auf Daten der World Hypertension League [3]. Auch hier lobte Halbach in seinem Vortrag die Anschaulichkeit des Teelöffels als Maß für einen ausgewogenen Salzkonsum. Ein Teelöffel ist greifbarer als die Mengenangabe von 5 g. Nachteilig bleibt natürlich weiterhin, dass die Salzmenge pro Tag aufgrund von Salz in verarbeiteten Lebensmitteln schwierig abzuschätzen ist.
Blutdrucksenkende Wirkung von Kalium
Kalium hat einen blutdrucksenkenden Effekt, weil es direkt auf den Gefäßtonus wirkt und die Natriurese stimuliert. Im Positionspapier werden erstmals auch Empfehlungen zur täglichen Kaliumaufnahme gegeben. Pro Tag sollten hiernach mindestens 3,5 g Kalium aufgenommen werden. Einige Lebensmittel, die reich an Kalium sind, werden im Positionspapier aufgeführt: Gartenbohnen, nicht gesalzener gekochter Spinat, Avocados und Bananen.
Kaffee in moderaten Mengen empfohlen
Eine der neuen Empfehlungen in dem Positionspapier wird alle Kaffeetrinker erfreuen, denn ein moderater Kaffeekonsum wird nun ausdrücklich empfohlen. Eine genauere Angabe wird ebenfalls gemacht. Aufgrund verschiedener Studien seien drei bis vier Tassen täglich und ohne nachteilige Wirkung auf den Blutdruck und das kardiovaskuläre System, im Gegenteil könne dies sogar „moderat vorteilhaft“ sein, so die Autoren. Halbach sieht die Evidenzlage hier aber noch als schwach.
Mind-Body-Themen bei Hypertension
Neben den Bereichen Essen, Trinken und Bewegung werden im Positionspapier auch Achtsamkeitsübungen, Meditation, Yoga und die Effekte von Musik auf den Blutdruck thematisiert. Hier empfehlen die Experten:
- Ausreichend Schlaf (7-9 Stunden/Tag)
- Stressreduktion mithilfe von Achtsamkeitsübungen, Meditation oder Yoga (rund 30 Minuten/Tag)
- Musikhören (mindestens 25 Minuten dreimal pro Woche).
Gerade klassische Musik soll laut einer zitierten Studie einen blutdrucksenkenden Effekt haben. Studienteilnehmer, die über den Studienzeitraum von 4 Wochen einmal täglich für 25 Minuten klassische Musik hörten, zeigten eine Senkung des systolischen Blutdrucks von durchschnittlich 6,6 mmHg.
Veränderung in kleinen Schritten mit größter Aussicht auf Erfolg
Möchte man die genannten Empfehlungen alle umsetzen, so zeigt sich bei den Zeitangaben, dass man dafür einen größeren Teil des Tages benötigt. Dies merkte auch Halbach an. Insgesamt sind die Empfehlungen des internationalen Expertengremiums zu nicht medikamentösen Maßnahmen der Blutdrucksenkung in jedem Fall begrüßenswert. Dabei gilt es zu berücksichtigen, dass jede Änderung Zeit braucht und die Aussichten auf eine erfolgreiche Lebensstiländerung am größten sind, wenn man in kleinen Schritten vorgeht und nicht versucht, zu viele Änderungen gleichzeitig umzusetzen.








